Diskussionen um Platzverweis

Eintracht kommt mit blauem Auge davon

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    Thomas Kilchenstein
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Eintracht Frankfurt entführt mit viel Glück beim 1:1 einen Punkt bei Union Berlin, weil der VAR das vermeintliche Siegtor kassiert.

Berlin – Hinterher drehte sich die spannende Diskussion um die entscheidende Szene des Spiels vor allem um eine Frage: Zentimeter oder Millimeter, Hacke oder Fußbreit. Das konnte in Echtzeit kein Mensch erkennen, nur der inzwischen weltberühmte VAR. Und der entschied in der zweiten Minute der Nachspielzeit: Abseits, hauchzart, haarfein, sehr viel enger, sehr viel knapper kann es im Grunde nicht zugehen.

Eintracht Frankfurt erkämpft sich einen Punkt bei Union Berlin

Und damit hatte sich dann der Trip in die Alte Försterei nach Ost-Berlin für Eintracht Frankfurt gelohnt, die Hessen ergatterten mit viel Glück gegen den 1. FC Union Berlin ein 1:1 (0:1) - weil der Treffer von Tim Skarke in der Extrazeit zum vermeintlichen 2:1 nach Intervention aus dem Kölner Keller nicht zählte. Da sind die Hessen mit einem blauen Auge davon gekommen.

„Lächerlich“, kommentierte später der Berliner Geschäftsführer Sport, Horst Heldt, diese Millimeterentscheidung, „wer sieht denn so was?“, fragte Horst Heldt rhetorisch. Und wusste natürlich die Antwort: eben der VAR. Christopher Trimmel, der so haarscharf vor der Flanke im Abseits stand, hatte da sehr viel souveräner geklungen: „Abseits ist Abseits, das muss man akzeptieren.“ Ein bisschen Abseits gibt es ja nicht.

Der VAR übernimmt: Schiedsrichter Osmers gibt das Tor zum vermeintlichen 2:1 nicht.

Eintracht-Keeper Trapp „froh“ über Punktgewinn bei Union Berlin

„Das war sehr, sehr knapp“, fasste auch der sehr viel Ruhe und Gelassenheit ausstrahlende Torwart Kevin Trapp die letzte und aufregende Aktion zusammen. Er fand zudem: „Es wäre ein heftiger Nackenschlag gewesen, wenn das Tor gezählt hätte, wir haben so viel investiert.“ Es hätte dennoch leicht passieren können. Deshalb „sind wir froh, diesen Punkt hier mitzunehmen“, war der Kapitän natürlich zufrieden mit dem Ergebnis.

Der vermeintliche Siegtreffer, bei dem der just zuvor eingewechselte Aurele Amenda nicht gut ausgesehen hatte, war zu einem Zeitpunkt gefallen, da Eintracht Frankfurt schwer mit dem Rücken zur Wand gestanden hatte. Der Druck der Unioner war enorm, die nicklige, sehr körperbetonte Spielweise und die langen Bälle hinter die Kette behagten den Hessen ja ohnehin nicht, dazu mussten sie nach einem unberechtigten Platzverweis für Arthur Theate, der nach einem harten, aber nicht unfairen Zweikampf mit Skarke Gelb-Rot gesehen hatte, bald 15 Minuten in Unterzahl auskommen.

Die größten Transfer-Flops von Eintracht Frankfurt

Anderson Bamba Ordonez Eintracht Frankfurt sieht sich die Commerzbank Arena an 05 02 2017 Eintr
Platz 10: Anderson Ordonez wechselte im Januar 2017 für 1 Mio. Euro von Barcelona an den Main. Jedoch nicht vom katalanischen Weltklub, sondern vom ecuadorianischen Pendant aus Guayaquil. Nach einem Jahr mit Verletzungsproblemen und nur vier Einsätzen ging es wieder zurück nach Ecuador, wo er bis heute spielt. © imago
Training Eintracht Frankfurt Ali Akman (Eintracht Frankfurt, 30) auf dem Rad. Training von Eintracht Frankfurt am 28. Ju
Platz 9: Ali Akman kam 2019 mit vielen Vorschusslorbeeren und reichliche Drama von Buraspor zur Eintracht. Weil er einen Vorvertrag in Deutschland unterschrieb, ließ Buraspor sein Toptalent für die restliche Vertragslaufzeit nicht mehr auflaufen. Die SGE zahlte ein wenig drauf, Akman kam noch früher. Der Stürmer kann sich aber bis heute nicht durchsetzten. Bis Sommer 2023 ist er an Göztepe ausgeliehen. Bislang ist er noch ohne Torerfolg in der Türkei. Der Durchbruch in Frankfurt wird ihm wohl nicht mehr gelingen. © Kessler/imago
31.10.2020, xjhx, Fussball 1.Bundesliga, Eintracht Frankfurt - Werder Bremen emspor, v.l. Bas Dost (Eintracht Frankfurt
Platz 8: Bas Dost schloss sich für stolze 7 Mio. Euro der SGE von Sporting aus Lissabon an. Nach einem vielversprechenden Start mit drei Treffern in fünf Spielen folgten in seiner Premierensaison nur noch fünf weitere Tore. Nach anderthalb Jahren ging er für 4 Mio. Euro - ein satter Verlust von 3 Millionen. © Huebner/imago
Lucas Alario fotografiert beim Fußball Freundschaft Spiel Eintracht Frankfurt gegen den SV Sandhausen am 2.12..22. in Fr
Platz 7: Für einen ähnlich hohen Betrag (6 Mio. Euro) kam Lucas Alario im Sommer 2022 von Bayer Leverkusen zu Eintracht Frankfurt. Mit nur 200 Spielminuten und nur einem mageren Törchen ist der Argentinier ein großer Flop - eigentlich. Denn noch hat Alario die Chance, das Ruder herumzureißen und sich mit Toren am Fließband aus dieser Liste zu katapultieren. © Schmidt/imago
Nelson VALDEZ F verletzt mit Krücken Fussball 1 Bundesliga 3 Spieltag Eintracht Frankfurt F
Platz 6: Bundesliga-Veteran Nelson Valdez kam 2014 immerhin ablösefrei aus den Vereinigten Arabischen Emiraten an den Main. Doch der Paraguayer riss sich bereits in seiner dritten Partie das Kreuzband. Zum Ende der Spielzeit kam er für acht Einsätze nochmal zurück, eher er die SGE wieder verließ. Immerhin: Bei seinem Comeback gegen Paderborn traf der Angreifer und sorgte für große Emotionen. © imago
Tommy Berntsen 2001 im Trikot von Eintracht Frankfurt
Platz 5: Nur die wenigsten Eintracht-Fans werden sich noch an Tommy Berntsen erinnern. 2001 für die damals schwindelerregende Ablösesumme von rund 1,9 Mio. Euro aus dem norwegischen Lillestrom nach Frankfurt gewechselt, reichte es nur zu drei Kurzeinsätzen in zwei Monaten. Neun Monate lang wurde der Norweger nicht mehr eingesetzt, ehe es wieder in die Heimat ging. © imago
Ümit Korkmaz von Eintracht Frankfurt mit Trainer Armin Veh
Platz 4: Als Toptalent von Rapid Wien für 2,3 Mio. Euro unter Vertrag genommen, konnte Ümit Korkmaz die Erwartung bei der Eintracht nie erfüllen. Zahlreiche Verletzungen verhinderten, dass der Österreicher mal viele Spiele in Folge absolvieren konnte. Dennoch ist der mittlerweile 37-Jährige immer ein gern gesehener Gast in Frankfurt. © imago
11.12.2019, xmhx, Fussball UEFA Europa League, Eintracht Frankfurt - Training und PK emspor, v.l. Dejan Joveljic (Eintr
Platz 3: Mit ähnlich großen Erwartungen schloss sich Dejan Joveljic den Adlerträgern an. Satte 4 Mio. Euro zahlte der Klub 2019 für das hoffnungsvolle Talent an Roter Stern Belgrad. Doch der Serbe setzte sich nie durch. Nach zwei Leihgeschäfte folgte im Sommer 2021 der Schritt nach Los Angeles - ohne je einen Bundesliga-Treffer erzielt zu haben. Mit einer Ablösesumme von 3,5 Mio. Euro konnte zumindest der finanzielle Schaden in Grenzen gehalten werden. © Huebner/imago
15.05.2021, Fussball, Saison 2020/2021, 1. Bundesliga, 33.Spieltag, FC Schalke 04 - Eintracht Frankfurt, Steven Zuber (E
Platz 2: 3 Milo. Euro ließ sich die Eintracht Steven Zuber Kosten. In 23 Einsätzen konnte er sich nicht in die Herzen der SGE-Fans spielen und enttäuschte größtenteils. Sein Leihgeschäft und anschließender Transfer-Deal nach Athen spülten immerhin 2 Mio. Euro wieder zurück in die Kassen der Hessen. © Rehbein/imago
Sam Lammers 9 (Eintracht Frankfurt), Bayer Leverkusen vs. Eintracht Frankfurt, Fussball, 1. Bundesliga, 32. Spieltag, 0
Platz 1: Schon die Rahmenbedingungen des größten Eintracht-Flops aller Zeiten machten stutzig. 3,6 Mio. Euro zahlten die Frankfurter für das einjährige Leihgeschäft von Sam Lammers an Atalanta Bergamo. Der Niederländer wirkt in jeder seiner größtenteils kurzen Einsätze wie ein Fremdkörper im Spiel der SGE. Der völlig überteuerte Leih-Deal wurde zur großen Enttäuschung. Ein anschließender Kauf stand zu keinem Zeitpunkt zur Debatte, sodass der Angreifer nach einem Jahr wieder zurück nach Italien gehen musste. © Niemeyer/imago

Eintracht Frankfurt legt Einspruch gegen Theate-Platzverweis ein

Am Abend teilte die Frankfurter Eintracht offiziell mit, gegen die Gelb-Rote Karte Einspruch beim DFB-Sportgericht einzulegen, da aus ihrer Sicht „ein Irrtum des Schiedsrichters vorliegt“, wie ein Sprecher der Hessen erklärte. Womöglich kann der bärenstarke Linksverteidiger, der nach seinem Feldverweis wütend gegen einen Stuhl am Spielfeldrand trat, am kommenden Samstag dann doch gegen den VfL Bochum eingesetzt werden. Aber ist das wahrscheinlich? Eher nicht.

Danach stemmten sich dann zehn Frankfurter gegen die drohende Niederlage, warfen alles in die Waagschale, was die müden Körper noch hergaben, Trainer Dino Toppmöller fand, man habe „großartig verteidigt“, er hob weiterhin die „geile Mentalität“ seiner Mannschaft hervor, die sich trotz der Belastung am Donnerstag in der Europa League nicht hatte unterkriegen lassen. „Aber man hat deutlich gesehen, welche Mannschaft in der Woche international unterwegs war und welche nicht.“

Eintracht-Stürmer Marmoush und Ekitiké bleiben gegen Union blass

Gerade bei den beiden Himmelsstürmern Omar Marmoush und Hugo Ekitiké war der Substanzverlust unübersehbar. Selten versprühten die beiden Stürmer so wenig Torgefahr wie an diesem Sonntagabend in der Alten Försterei, Kevin Vogt und Diogo Leite nahmen ihnen konsequent die Luft zum Atmen. Und Marmoush blieb damit erstmals nach sechs Bundesligapartien ohne eigenes Tor und damit verpasste er es, den Rekord von Anthony Yeboah einzustellen, der einst in sieben Spielen hintereinander getroffen hatte.

Die beste Eintracht-Elf der Geschichte laut ChatGPT

Oka Nikolov spielte von 1991 bis 2013 bei Eintracht Frankfurt und machte 415 Pflichtspiele für den Club.
Tor: Oka Nikolov spielte von 1991 bis 2013 bei Eintracht Frankfurt und machte 415 Pflichtspiele für den Club. © IMAGO / Ulmer
Manfred Binz spielte 411 Mal für Eintracht Frankfurt und wurde 1988 Pokalsieger.
Abwehr: Manfred Binz spielte 411 Mal für Eintracht Frankfurt und wurde 1988 Pokalsieger.  © IMAGO / Kicker/Liedel
Karl-Heinz Körbel lief fast 20 Jahre für die Eintracht auf und ist mit 602 Spielen Rekordspieler der Bundesliga.
Abwehr: Karl-Heinz Körbel lief fast 20 Jahre für die Eintracht auf und ist mit 602 Spielen Rekordspieler der Bundesliga. ©  IMAGO / Ferdi Hartung
Thomas Berthold absolvierte zwischen 1982 und 1987 121 Spiele für die Eintracht und wurde zum Nationalspieler.
Abwehr: Thomas Berthold absolvierte zwischen 1982 und 1987 121 Spiele für die Eintracht und wurde zum Nationalspieler. © IMAGO / Pressefoto Baumann
Jürgen Grabowski lief in seinen 15 Jahren bei der SGE 545 Mal für den Club auf und gewann zweimal den Pokal sowie einmal den UEFA-Cup.
Mittelfeld: Jürgen Grabowski lief in seinen 15 Jahren bei der SGE 545 Mal für den Club auf und gewann zweimal den Pokal sowie einmal den UEFA-Cup. ©  IMAGO / Werner Otto
Jay-Jay Okocha spielte vier Jahre für Eintracht Frankfurt und verzauberte mit seinen Fähigkeiten am Ball die Fans.
Mittelfeld: Jay-Jay Okocha spielte vier Jahre für Eintracht Frankfurt und verzauberte mit seinen Fähigkeiten am Ball die Fans.  ©  IMAGO / Alfred Harder
Bernd Hölzenbein gewann in seinen 14 Jahren bei der Eintracht den UEFA-Cup sowie dreimal den DFB-Pokal.
Mittelfeld: Bernd Hölzenbein gewann in seinen 14 Jahren bei der Eintracht den UEFA-Cup sowie dreimal den DFB-Pokal. © IMAGO / Laci Perenyi
Uwe Bein machte zwischen 1989 und 1994 182 Spiele für Eintracht Frankfurt und wurde 1990 Weltmeister.
Mittelfeld: Uwe Bein machte zwischen 1989 und 1994 182 Spiele für Eintracht Frankfurt und wurde 1990 Weltmeister. © IMAGO / Claus Bergmann
Tony Yeboah schoss in 156 Spielen für die SGE Anfang der 90er 89 Tore.
Angriff: Anthony Yeboah schoss in 156 Spielen für die SGE Anfang der 90er 89 Tore.  ©  IMAGO / Alfred Harder
Bum-Kun Cha traf 58 Mal in 156 Spielen für Eintracht Frankfurt.
Angriff: Bum-Kun Cha traf 58 Mal in 156 Spielen für Eintracht Frankfurt. © IMAGO / WEREK
Bernd Nickel war 534 Mal im Einsatz für Eintracht Frankfurt und erzielte 178 Treffer. Dreifacher Pokalsieger und einmal UEFA-Cup-Sieger.
Angriff: Bernd Nickel war 534 Mal im Einsatz für Eintracht Frankfurt und erzielte 178 Treffer. Dreifacher Pokalsieger und einmal UEFA-Cup-Sieger. ©  IMAGO / Kicker/Eissner, Liedel
Dietrich Weise führte Eintracht Frankfurt 1974 und 1975 zum Triumph im DFB-Pokal.
Trainer: Dietrich Weise führte Eintracht Frankfurt 1974 und 1975 zum Triumph im DFB-Pokal. © IMAGO / Horstmüller

Im Grunde hatte sich genau das Spiel entwickelt, das die Frankfurter erwartet hatten, ein sehr intensives, viele Zweikämpfe, praktisch über den ganzen Platz, dazu wurde bei Ballbesitz jeder Frankfurter sofort attackiert. „In den 90 Minuten hatten wir kaum Raum“, analysierte Trapp, deshalb seien im Mittelfeld zeitweilig viel zu oft Bälle verloren worden. „Da hätte es mehr Ruhe gebraucht“, sagte Toppmöller, der konstatieren musste, dass die Gäste gerade in der zweiten Halbzeit kaum mehr Druck aufs Berliner Tor entwickeln konnten. Einzig bei zwei Kopfbällen von Tuta nach Eckbällen hatten sich Möglichkeiten geboten. Im Kern versuchte die Eintracht in der zweiten Halbzeit nur noch, die Führung über die Zeit zu bringen.

Union-Ausgleich für Eintracht-Coach Toppmöller „dämlich“

Die Führung erzielte Mario Götze schon nach 14 Minuten nach einem Eckball, die Kugel flipperte ein bisschen durch den Strafraum, Theate versuchte sich, dann Ellyes Skhiri und irgendwie rollte der Ball genau vor die Füße des Jubilars, der nicht nur am Sonntag sein 300. Bundesligaspiel absolvierte, sondern auch keine Mühe hatte, einzuschieben. In der ersten halben Stunde, erklärte der Coach später, habe sein Team „eine sehr gute Kontrolle über das Spiel gehabt“, eine Kontrolle, die mit Dauer der Partie immer weniger wurde.

Weil die Eintracht im zweiten Abschnitt kaum mehr für Entlastung sorgen konnte, war der Ausgleich nur eine Frage der Zeit, dennoch nannte ihn Toppmöller „dämlich“. Und er hatte da nicht ganz Unrecht: Denn die Hessen liefen in einen Konter, nach eigenem Freistoß und einem sinnfreien Flankenversuch des gerade eingewechselten Fares Chaibi nutzte erst Robert Skov den freien Raum und dann Benedict Hollerbach die Möglichkeit, Trapp zum 1:1 zu bezwingen. Auch dieses Tor wurde einer genauen Untersuchung durch den Kölner Keller unterzogen, auch da spielten Zentimeter eine große Rolle - allerdings mit dem besseren Ende für die Berliner, die durchaus diese umkämpfte Begegnung gewinnen hätten können. Kapitän Trimmel etwa traf bei einem fulminanten Schuss (50.) nur den am Pfosten.

„Schade“, sagte hinterher Horst Heldt, „wir haben ein richtig geiles Spiel gemacht.“ Und einmal nur ein ganz klein bisschen im verbotenen Feld gestanden.

Rubriklistenbild: © dpa

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