Russland

Brics-Spiele: Putins Version von Olympia

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Putin lädt ein – und Venezuela sowie das Maskottchen Bricsik sind mit von der Partie in Kasan.
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Mangels internationaler Klasse wird Russlands Sportevent zur Farce vor dem Pariser Original.

Es wird viel Kampfsport geben. Judo, chinesisches Wushu, tatarisches Gürtelringen. Viele der 27 Disziplinen werden nicht olympisch sein, auch akrobatischer Rock’n’Roll oder halbdigitaler Fußball (halb auf der Konsole, halb auf dem Platz). Aber es gibt ebenso neu-olympischen Breakdance und klassische Wettkämpfe: Leichtathletik, Rudern oder Fechten.

Jedenfalls sollen die heute in Kasan startenden „Sportlichen Spiele der Brics-Staaten“ monumental werden. Es sind die fünften Brics-Spiele und die ersten mit Anspruch auf olympische Vielfalt, vergangenes Jahr begnügte man sich im südafrikanischen Durban noch mit fünf Disziplinen und 280 Sportler:innen. Laut dem russischen Sportminister Michail Degtjarjow werden jetzt über 1000 Teilnehmende aus 93 Ländern erwartet, die um 387 Goldmedaillen wetteifern. Das Sportportal „championat.com“ meldet gar 4500 Qualifizierte (in Paris sind es 10 500). „Russlands Antwort auf die Olympiade“, titelt die Zeitung „Kommersant“.

Die Spiele in Paris beginnen bekanntlich Ende Juli. Wegen Wladimir Putins blutiger „Spezialoperation“ gegen die Ukraine darf die russische Delegation dort nur unter neutraler Flagge starten, man rechnet nicht mit mehr als 36 russischen Teilnehmer:innen. Und viele in Russland betrachten die Brics-Spiele ebenso wie die im September in Moskau und Jekaterinburg geplanten „Weltweiten Spiele der Freundschaft“ als Konkurrenz-Sportfeste, die Paris so viel Show wie möglich stehlen sollen. Das IOC sprach von „klar politisch motivierten Sportereignissen“, der Dachverband der olympischen Sportföderationen riet seinen Mitgliedern, in keiner Weise daran teilzunehmen.

Event im September wackelt

Tatsächlich ergeben sich Probleme. Laut dem Portal „sports.ru“ sind mehrere Disziplinen der Brics-Spiele schon wieder gestrichen: Beachhandball, Beachvolleyball und Skateboarding, es mangelt offenbar an Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Ilgar Mamedow, Chef des russischen Fechtverbandes, zweifelt, dass ernsthafte Konkurrenz anreist. „Sie kommen aus Afghanistan oder dem Irak. Die Stärksten haben nicht gemeldet.“ Das gilt wohl auch für China.

„Nächsten Monat starten die Spiele in Paris. Alle nichtrussischen Spitzensportler haben ihr Training und ihre Wettkampfplanung ganz auf Olympia ausgerichtet“, sagt ein Moskauer Sportjournalist anonym. Kaum jemand werde für ein Preisgeld von umgerechnet 3700 Euro seine Vorbereitung auf Paris riskieren. Außerdem ist zu befürchten, dass es in Kasan kaum Dopingkontrollen gibt. Die Wada hat die russische Antidopingagentur suspendiert, ausländische Labors weigern sich, ihre Dopingproben entgegenzunehmen.

Probleme mit den Dopingtests wird es auch bei den „Freundschaftsspielen“ im September geben. Die Wada warnt, beide Sportfeste würden von dem Staatsapparat organisiert, der bei den Winterspielen in Sotschi 2014 Doping systematisch veranstaltet habe.

Russische Medien zitieren immer häufiger Insider, laut denen die für September geplanten Freundschaftsspiele auf 2025 verschoben werden sollen. Und das nicht nur wegen der Sanktionen, die von IOC und Wada drohen könnten. Sondern wieder wegen der Formkurven und der Terminplanung der Weltelite in der Olympia-Saison. „Nach den Spielen gehört jeder Goldmedaillengewinner für zwei Monate nicht mehr sich selbst“, sagte die russische Eisschnelllauf-Olympiasiegerin und Duma-Abgeordnete Swetlana Schurowa dem Portal „News.ru“. Es gelte, den Sieg bei einer Vielzahl von öffentlichen Auftritten zu kapitalisieren.

Russlands Vorhaben, die „feindlichen“ Spiele in Paris eventmäßig in die Zange zu nehmen, könnte also scheitern. Und die russischen Topathleten, etwa die Schwimmer, die auf das fürstliche 40 000 Dollar-Preisgeld bei den „Freundschaftsspielen“ im September hin trainiert haben, drohen leer auszugehen.

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