VonIngo Durstewitzschließen
Hinterbänkler: Eric Dina Ebimbe. Der Eintracht-Allrounder muss beständiger werden – sonst droht ihm der Abschied.
Die Stellenbeschreibung war klar definiert, da gab es wenig Interpretationsspielraum. Eric Dina Ebimbe, der Hochveranlagte der Eintracht, solle zukünftig im zentralen Mittelfeld agieren und sich dementsprechend auf die neue Aufgabe vorbereiten. „Er hat viel Potenzial und viele Fähigkeiten, die wir in unserem Kader so nicht haben“, sagte der Frankfurter Sportvorstand Markus Krösche vor einem Jahr. Aber: „Er muss den nächsten Schritt gehen und erwachsener werden.
Gerade auf der Position im Zentrum bedarf es mehr Konsequenz und taktischer Disziplin.“ Das waren zweifelsfrei richtige Forderungen. Doch Krösche lag, wenn man so will, in seiner kurzen Einschätzung gleich viermal falsch oder er wurde enttäuscht. 1.) Ebimbe ging nicht den nächsten Schritt. 2.) Er spielte nicht erwachsener. 3.) Taktische Disziplin ist für ihn ein Fremdwort. Und: 4.) Er spielte gar nicht im zentralen Mittelfeld. Das war anders gedacht.
Eintracht-Zeugnis
Eintracht Frankfurt läuft am Ende auf Rang sechs ein, kann aber die Menschen in der abgelaufenen Saison nicht begeistern. Im FR-Abschlusszeugnis reicht es daher nur für die Note 3- für den Bundesligisten.
Das große Klassenbuch gibt’s dieses Mal in Serienform und loser Folge. Spieler für Spieler im Porträt – vom Primus über den Musterschüler bis hin zu den Sitzenbleibern.
Heute im Check: Eric Dina Ebimbe.
Interessanterweise wurde dieses Planspiel einfach von der Praxis überholt, Ebimbe im zentralen Mittelfeld – diese Idee wurde schnell eingemottet. Weil der 23-Jährige zu unstet ist, zu hibbelig, nicht klar und stringent genug, auch nicht mit der nötigen Ruhe am Ball. Cheftrainer Dino Toppmöller erkannte das recht schnell. Ließ er den Franzosen anfangs sogar im offensiven Mittelfeld auflaufen, schob er ihn anschließend fast immer auf die Außenpositionen, mal links, meistens rechts, mal defensiver, meistens offensiver. Einmal versuchte er es in der Rückrunde mit Ebimbe im zentralen Mittelfeld, beim 2:0-Sieg in Heidenheim – doch spätestens danach war klar: Geht nicht, ist nicht seine Position. Doch was ist genau Ebimbes Position?
Selbst Coach Toppmöller räumt ein, dass die stetigen Wechselspiele dem Fußballer nicht gutgetan haben, da konnte er sich nie die Sicherheit holen, die er benötigt. Denn Ebimbe ist ein Fußballer, der nur schwer in eine Schablone zu pressen ist, der sich nicht genau an taktische Vorgaben hält, sondern vieles aus dem Bauch heraus macht. Das ist seine Stärke und Schwäche zugleich. Klar ist, und das wissen die Verantwortlichen: Der in Stains unweit von Paris aufgewachsene Profi bringt vieles mit, um ein Unterschiedsspieler zu sein: Dynamik, Wucht, Schnelligkeit, Power, dazu eine solide Technik, und er kann durchaus torgefährlich sein. Fünf Tore hat er gemacht in der Bundesliga, zehn insgesamt in den vielen Pflichtspielen, in denen er fast immer in der Startformation stand.
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Aber er schafft es nicht, seine Fähigkeiten konstant auf hohem Niveau einzubringen, oft genug dribbelt er sinnfrei in drei Gegenspieler, verliert den Ball, hechelt hinterher, nicht selten foult er dann gelbwürdig, was weder dem Team noch ihm hilft. Und, allgemein, wenn dann das Selbstvertrauen sinkt, sinkt auch automatisch das Leistungsvermögen. Fußball ist nicht nur, aber zu einem Gutteil eine Sache der mentalen Beschaffenheit.
Eric Dina Ebimbe: Enfant terrible muss liefern
Es gibt dieses eine Spiel bei Borussia Mönchengladbach, noch nicht lange her, vorletzter Spieltag. Es steht sinnbildlich für Ebimbes Schaffen. Da verhält er sich zunächst taktisch dermaßen dilettantisch, dass der Gladbacher Joe Scally nach einem langen Ball seines Torhüters ungehindert auf und davon gehen und die Borussen-Führung locker vorbereiten kann. Ebimbe hatte einfach nicht kommen sehen, was mehr als 50 000 Menschen im Stadion sahen, nämlich wo der Ball hinkommen würde – und dann war es zu spät. Doch dann, nicht viel später, gibt er die prompte Antwort: schönes Zusammenspiel mit Landsmann Hugo Ekitiké, rein in den Strafraum, Rechtsschuss – 1:1. Und ab dafür. Ein Tor, das der Eintracht die abermalige Europapokalteilnahme sicherte. Auch darin ist Ebimbe Spezialist: Schon ein Jahr zuvor besorgte er mit seinem Siegtor gegen den SC Freiburg am letzten Spieltag die Teilnahme am internationalen Wettbewerb.
Und wie geht es nun weiter für das Enfant terrible? Er wird an sich arbeiten, eine andere Einstellung an den Tag legen müssen. Schon in der letzten Saison wurde er von Coach Toppmöller in der Hinrunde einmal wegen zu laxer Berufsauffassung für ein Spiel suspendiert. Der Denkzettel zeigte Wirkung.
Für Ebimbe, den Bruder Leichtfuß, den Markus Krösche diplomatisch als „guten Jungen und extrovertierten Typen, der für Spaß sorgt“, beschreibt, ist es eine wichtige Saison. Er kann sich nicht mehr hinter Eingewöhnung oder Umbruch verstecken, er muss liefern, beständig sein, dauerhaft zeigen, was in ihm steckt. Denn ansonsten könnte die kommende Saison seine letzte im Eintracht-Dress gewesen sein. Für den Klub wäre es die letzte Chance, noch mal richtig Geld zu verdienen, mit dem bis 2027 gebundenen Eric Dina Ebimbe, der aber eigentlich gar nicht abgegeben werden soll. Es liegt an ihm.
