VonIngo Durstewitzschließen
Die Ergebnisse passen, die Leistungen nicht: Die Frankfurter können nach dem dürren Sieg gegen Mainz 05 trotzdem in Richtung Königsklasse schielen.
Immerhin: Schönreden wollte dieses tumbe Gekicke im Stadtwald vor fast 60 000 Menschen auf den Rängen keiner der Protagonisten auf dem Rasen. Ehrlicherweise muss man anfügen: Es konnte auch keiner. Zu prall gefüllt war die Mängelliste, zu langweilig und trostlos das Treiben der 22 Spieler aus Frankfurt und Mainz am Freitagabend. „Das war nicht unser bestes Spiel“, flötete also der Eintracht-Siegtorschütze Mario Götze. Torwart Kevin Trapp sprach von einer „zähen“ Angelegenheit, und Kapitän Sebastian Rode flankierte: „Das war nicht so schön.“ Alles richtig.
Genauso richtig wie das, was Cheftrainer Dino Toppmöller nach dem ergurkten 1:0-Arbeitssieg seiner Mannschaft artikulierte: „Wir sind der glückliche Sieger, das war ein Zufallstor, irgendwie bezeichnend. Aber das nehmen wir mit. Wir müssen uns für diesen Sieg nicht entschuldigen.“ Das gewiss nicht, solch ein „dreckiger Sieg“ (Mainz-Coach Jan Siewert) gehört im Fußball dazu. Die drei Punkte sind auf dem Konto verbucht. In zwei Wochen fragt niemand mehr nach dem „wie“. Genauso wie dann keinen mehr interessiert, wie dieser Niederschlag in der Woche zuvor in Darmstadt zustande kam (2:2-Ausgleich in der 95. Minute nach 2:0-Führung). Ist so, bleibt so, wird es immer geben.
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Trotzdem ist es in der Aufarbeitung notwendig, diesen glücklichen Erfolg richtig einzuordnen. Das tun die Verantwortlichen. „Unser Anspruch muss sein, besser Fußball zu spielen, mehr Torchancen zu kreieren und mehr Dominanz zu entwickeln“, sagte Sportvorstand Markus Krösche. Coach Toppmöllers Analyse klang ganz ähnlich: „Wir waren fahrig und träge im Aufbau, hatten wenig Läufe in die Tiefe. Uns ist bewusst, dass wir gerade im Heimspiel vor ausverkauftem Haus anders auftreten müssen.“
Das Stadion werden sie sonst zwar nicht leer spielen, vermutlich kommen mittlerweile auch 50 000, wenn nur das Flutlicht eingeschaltet wird. Doch auf Sicht gesehen ist diese Performance zu wenig, um Begeisterung zu entfachen. Gerade in Frankfurt lebte der Fußball in den letzten Jahren durch eine gewisse Rasanz, Wildheit und Schonungslosigkeit. Das schablonenhafte Ballgeschiebe ohne Dynamik und Überraschungseffekte ist nicht nur langatmig, sondern auch unattraktiv – selbst wenn Erfolg sexy macht.
Bayern-Gala der Ausreißer
Dino Toppmöller weiß das, vergaß dennoch nicht, die Defensivarbeit zu loben. Die Deckung sei sehr aufmerksam gewesen, habe die vielen Flanken der Mainzer gut wegverteidigt und kaum etwas zugelassen. Die Folge: Das sechste Spiel in dieser Saison ohne Gegentor – nur der SC Freiburg (sieben) und Bayer Leverkusen (acht) sind auf diesem Sektor besser, generell haben lediglich Leverkusen (14) und Bayern (18) weniger Treffer kassiert als die Eintracht (22). Sie ist inzwischen, wie beim hart errungenen 1:0 in Leipzig, auch mal in der Lage, einen knappen Vorsprung ins Ziel zu verteidigen.
Was sie freilich noch immer nicht schafft, zumindest nicht dauerhaft: einen Gegner zu dominieren, ihn zu sezieren und quasi mürbe zu spielen. Fußballerisch ist das Ganze doch arg begrenzt. Eine klare Idee, wie ein Offensivspiel auszusehen hat und ein tiefstehender Kontrahent aus den Angeln gehoben werden soll, gibt es ganz bestimmt – allein: Sie ist auf dem Feld nicht oder nur in Ansätzen zu erkennen. Oder nur temporär.
Im Kern war in den letzten zwei, drei Monaten nur die 5:1-Gala gegen die Bayern der Ausreißer nach oben, ansonsten waren ganz gute, solide, ordentliche, schwache und blamable Spiele dabei. Dino Toppmöller ist gleichwohl der festen Überzeugung, sein Team sukzessive auf ein höheres Fußball-Level zu leiten. „Ich bin zuversichtlich, dass wir es spielerisch besser machen werden.“
Ein Aspekt ist sicher, dass der Kader insgesamt stärker wird. Zwei der Afrika-Cup-Teilnehmer sind schon wieder da, Sebastian Rode deutete am Freitag seine große Bedeutung für das Team an und wird, so er gesund bleibt, eine wichtige Stütze sein.
Zudem sollten die Neuen irgendwann besser funktionieren. Es sei bisher noch nicht vollends gelungen, den (gegen Mainz ganz schwachen) Donny van de Beek und vor allem Sturmriesen Sasa Kalajdzic „besser in unser Spiel einzubinden“, das brauche einfach „seine Zeit“. Und es wird sicherlich noch den einen oder anderen Zugang geben, Verteidiger Aurele Amenda von Young Boys Bern etwa. Da ist nur Frage, ob schon jetzt oder erst im Sommer. Und für den Sturm soll Hugo Ekitiké von PSG kommen, da geht der Poker weiter, noch liegen beide Parteien auseinander, doch im Eintracht-Lager sind sie zuversichtlich, das hochpreisige Paket (rund 20 Millionen Euro) am Ende schnüren zu können.
Eintracht Frankfurt: Abstand zu Leipzig verkürzt
Die Ergebnisse stimmen schon jetzt, weshalb die Frankfurter den Abstand zu den kriselnden Leipzigern verkürzt und den Vorsprung auf Freiburg und Hoffenheim vergrößert haben. Aus den letzten vier Partien zogen sie zehn Punkte. Als Spitzenteam würde Leitwolf Rode die Mannschaft dennoch nicht bezeichnen, aber klar: „Wir sind dabei, wir sind auf Tuchfühlung.“ Angriff auf die Champions League also? Rode bremst: „Dafür brauchst du 60 Punkte – das ist ein weiter Weg.“ Unter Umständen reicht aber sogar Platz fünf für die Königsklasse.
Und eine wichtige Erkenntnis ist ebenso: Es gab Zeiten, da hätte die Eintracht ein zerfahrenes Spiel zwei schwacher Mannschaft vielleicht sogar verloren, zumindest nicht für sich entschieden. „Man kann den Gegner nicht immer an die Wand spielen, von daher ist es extrem wichtig, solch ein Spiel zu gewinnen. Das musst du, wenn du oben mitspielen willst“, betont Abwehrchef Robin Koch. „Das zeigt auch unsere Entwicklung.“
