VonJan Christian Müllerschließen
Der Verzicht auf den Stürmer Burkardt von Mainz 05 im DFB-Kader für die Nations League überrascht
Man muss keine besonderen landsmannschaftlichen Verbindungen zum FSV Mainz 05 pflegen, um mal ein bisschen genauer hinzuschauen: Julian Nagelsmann hat den besten deutschen Angreifer ignoriert. Bei der Nominierung für die Finalrunde der Nations League fiel Jonathan Burkardt glatt durch, obwohl der Bundestrainer satte 26 Mann in seinen prall gefüllten Kader berief.
Die Irritation, die der Mainzer Sportvorstand Christian Heidel angesichts der Nichtberücksichtigung, auffällig um maßvolle Zurückhaltung bemüht, äußerte, ist nachvollziehbar. Er sei „verwundert, dass der erfolgreichste Stürmer der Bundesligasaison nicht nominiert wurde“. Heidel fügte noch ein „schade“ hinzu, das sich eher anhörte wie das Fußballfachvokabular „scheiße“.
Fragen bleiben
Es stimmt: Bei seinem Startelfeinsatz im März in Italien hat Burkardt wahrlich keine Sterne vom Himmel gespielt. Die Auswechslung zur Pause kam aus nachvollziehbaren Gründen. Aber nach dieser Bundesligasaison, in der Burkardt für die Underdogs von Mainz 05 nur ein einziges Tor weniger aus dem Spiel heraus erzielte als Harry King Kane für den FC Bayern, gab es eigentlich keinen Weg an dem blonden Burschen vorbei.
Burkardt hat es nicht geschafft, wiewohl weder Tim Kleindienst noch Kai Havertz dabei sein können. Nagelsmann holte lieber die EM-Teilnehmer Deniz Undav und Niclas Füllkrug in den trauten Kreis, zudem den in der zweiten Junihälfte noch bei der U21-EM überbeschäftigten Nick Woltemade.
Man hätte Nagelsmann gerne gefragt, womöglich hätte er eine nachvollziehbare Erklärung parat gehabt. Aber die Nominierung wurde im Verbandsbulletin lediglich von einem Interview des Bundestrainers mit der DFB-Pressesprecherin begleitet. Da bleiben kritische Nachfragen selbstverständlich aus.
Kurioses im Sturm
Womöglich hat es eine Rolle gespielt, dass es sich bei Undav und Füllkrug um ausgewiesene Stimmungskanonen handelt, die nach dem Abschied von Thomas Müller besonders benötigt werden. Eine überragende Frühjahrsform kann in beiden Fällen jedenfalls keine wesentliche Rolle gespielt haben.
Beide haben zum Ende einer einigermaßen verkorksten Saison zuletzt zwar wieder etwas mehr gespielt, aber nicht ansatzweise eine ähnliche Erfolgsquote nachzuweisen wie Burkardt. Der Stuttgarter Undav ist zudem ein Mann, der sich am liebsten etwas zurückgezogen in ähnlichen Räumen bewegt wie Teamkollege Woltemade.
Füllkrugs Nominierung begründete Nagelsmann mit dem Fehlen von Kleindienst und dem Wunsch, einen kopfballstarken Strafraumstürmer an dessen Stelle dabeizuhaben. Einerseits nachvollziehbar, andererseits hat der 32-Jährige bei West Ham United, enttäuschender 15. der Premier League, nur ein halbes Dutzend Mal zur Startelf gehört, auch, weil er so oft verletzt fehlte. Drei Tore in der Premier League sind die magere Saisonausbeute. Für Burkardt gilt: Leistung lohnt sich nicht immer.
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