Erwartungshaltung im Umfeld steigt

Champions-League-Dauergast? Eintracht Frankfurt will weiter wachsen

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Das Umfeld von Eintracht Frankfurt hat sich an internationalen Fußball gewöhnt. Der Weg zum Champions-League-Stammgast ist aber noch weit.

Frankfurt – Der dritte Platz von Eintracht Frankfurt war ein historisches Ergebnis für den Traditionsklub. Erstmals ist es gelungen, die 1992 neu benannte Champions League über die Bundesliga zu erreichen. 2022 gelang der Schritt durch den Sieg der Europa League.

Eintracht erreicht dank „Overperformance“ die Champions League

Diesmal aber ließ Frankfurt die namhafte Konkurrenz aus Dortmund, Leipzig oder Stuttgart hinter sich. Dieser Meilenstein war einer „Overperformance“ von Mannschaft, Trainer Dino Toppmöller und Sportvorstand Markus Krösche zu verdanken. Sie alle verschoben die Grenzen und sorgten so für die zwischenzeitliche Krönung eines Weges, der mit dem Erfolg in der Relegation im Sommer 2016 begonnen hatte. Seitdem folgten die Plätze 11, 8, 7, 9, 5, 11, 7, 6 – und nun dieser große Sprung.

Die Frankfurter schnupperten seit Jahren an den Rängen, die zur Teilnahme an der Königsklasse berechtigen. Zumeist ging im Endspurt die Puste aus, die Zeche für die Dreifachbelastung wurde gezahlt. Diesmal nicht! Das junge Team wurde im Verlauf der Saison immer stärker, verkraftete den Abgang von Superstar Omar Marmoush und blieb aufgrund eines homogenen Gerüsts stabil.

Auf den Moment, als die Saison nach der dritten Niederlage in Folge gegen Union Berlin (1:2) zu kippen drohte, reagierte das Team richtig und holte noch 18 von 27 möglichen Punkten. Es gab kleinere Dellen, eine krasse Schwächephase konnte das intakte Gefüge aber verhindern.

Die Erwartungshaltung an die Eintracht wächst

„Kollektiv“ lautete dabei das Zauber- und Schlüsselwort. Natürlich ragte Hugo Ekitiké mit 34 Scorerpunkten heraus. Der Erfolg der Eintracht hatte aber viele Namen, es war die Mixtur aus Talent, Mentalität, Schnelligkeit und Zusammenhalt. Trotz dieser Qualitäten und Glücksgriffe auf dem Transfermarkt (Arthur Theate, Rasmus Kristensen, Nathaniel Brown) war der Saisonverlauf so nicht zu erwarten.

Geht es automatisch so weiter? Die Erwartungshaltung wächst mit den vielen Erfolgen. Krösche legte bei seiner Abschluss-Pressekonferenz sofort den Finger in die Wunde: „Wir sind kein Champions-League-Klub.“ Die „Top vier“ werden im Normalfall von vier Vereinen bekleidet. Der FC Bayern München und BVB haben sich seit diesem Eintracht-Wendepunkt 2016 stets für die Königsklasse qualifiziert, Leipzig sieben- und Leverkusen viermal. Das sind klare Rollenverteilungen.

Es gab immer wieder Ausreißer nach oben. Die TSG Hoffenheim war Königsklassen-Tourist, ebenso Union Berlin, der VfL Wolfsburg, Borussia Mönchengladbach oder der VfB Stuttgart. Sie waren da, wenn einer der Topklubs die Tür einen Spalt geöffnet hat. Dauergast wurde davon allerdings niemand. Die „One-Hit-Wonder“ der vergangenen Jahre sind in der darauffolgenden Spielzeit zumeist tabellarisch abgestürzt (TSG auf Rang 9/Gladbach auf 8/Wolfsburg auf 12/Union-Klassenerhalt am letzten Spieltag/VfB auf 9).

Vorsicht Eintracht: „One-Hit-Wonder“ sind schnell abgestürzt

Ob es die Eintracht werden kann? Es ist noch eine lange Strecke. DAZN-Experte Sebastian Kneißl traute dem Klub im Gespräch mit Absolut Fussball, dem Fußball-Portal von Home of Sports, perspektivisch in den kommenden Jahren die Deutsche Meisterschaft zu.

Eintracht Frankfurt will weiter jubeln

Intern baut nach Informationen von Absolut Fussball jedoch niemand Luftschlösser. Wieder im oberen Drittel zu landen und mindestens den sechsten Rang zu erreichen, wäre für die Eintracht keinerlei ein Misserfolg, sondern eine Bestätigung. Das Ziel für die kommende Saison wird wie gewohnt lauten, international vertreten zu sein.

Ein oftmals von anderen Klubs gesehenes Abrutschen ins Mittelmaß gilt es zu vermeiden. Das Verpassen der europäischen Bühne, so ehrlich sind die Eintracht-Verantwortlichen zu sich selbst, wäre wirtschaftlich zwar verkraftbar, würde emotional und entwicklungstechnisch aber als Enttäuschung und Rückschlag gewertet.

Eintracht-Sportvorstand muss Balanceakt bewältigen

Für Krösche geht der Balanceakt in seinem fünften Jahr in der Mainmetropole somit weiter. Der Sportvorstand muss Transfererlöse erwirtschaften und dabei das jetzt schon enorm gewachsene Gehaltsgefüge im Blick halten. In der Saison 2023/24 lag der Personalaufwand bei 141,379 Millionen Euro - damit hatten nur noch der FC Bayern (429,405), Dortmund (268,506), Leipzig (202,103) und Bayer Leverkusen (191,502) mehr in ihre Mannschaft investiert.

Der Kader wird zwar auch kurzfristig kein klassischer Königsklassenkader sein. Die Europa League ist mit Blick auf diese Kennzahl aber das natürliche Territorium der Eintracht und somit im Prinzip das Minimalziel. In einer Liga, in der es Woche für Woche sehr eng zugeht, ist das schon ambitioniert.

Die Gelder aus der Königsklasse können daher genutzt werden, den Abstand nach ganz oben weiter zu verringern und den nach unten zu vergrößern. „Es geht für uns darum, dass wir auf nächsthöherem Level Erfahrung sammeln“, erkannte der Eintracht-Boss, der das Team „so gut es geht“ zusammenhalten will.

Eintracht will einen Umbruch verhindern

Einen Umbruch zu verhindern, wäre ein weiteres Mosaiksteinchen auf dem eingeschlagenen Pfad. Der einstige Emporkömmling will erwachsen werden, reifen und nicht mehr so schnell an den Punkt kommen, dass sich ein einzelner Profi der Marke Ekitiké schneller als der Gesamtverein entwickelt. Die angestrebte Vertragsverlängerung von Robin Koch oder der etwas striktere Versuch, Hugo Larsson eine dritte Saison zu halten, sind Indikatoren.

Bei der Transferpolitik will Krösche den bisherigen Weg aber nicht verlassen. Die Säule „Erfahrung“ wird zwar etwas stärker ins Visier genommen, die Eintracht buhlt daher um Bundesligakonkurrenten wie Ritsu Doan (SC Freiburg) und Jonathan Burkardt (Mainz 05). Die Bemühungen um Jobe Bellingham (Sunderland/19 Jahre), Victor Froholdt (Kopenhagen/19) oder Sebastian Nanasi (Straßburg/gerade 23 geworden) verdeutlichen aber das Festhalten an der organisch gewachsenen Strategie.

Rubriklistenbild: © Philipp von Ditfurth/dpa

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