Champions-League

Manchester City erst im Kaufrausch, dann gegen Real Madrid

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Viel zu bereden: Pep Guardiola an der Seite des Ex-Frankfurters Omar Marmoush.
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Wie Pep Guardiola seiner satten Mannschaft wieder frisches Leben verabreichen will - und wie viele Millionen das gekostet hat.

Die neu organisierte Champions League sorgt für ein Hochglanzspiel schon im Februar, das auch das Münchner Finalstadion am 31. Mai zum Vibrieren brächte: Manchester City, der Königsklassengewinner 2023, trifft Dienstagabend (21 Uhr/Dazn) im Playoff-Hinspiel auf Real Madrid, den Sieger der Jahre 2014, 2016, 2017, 2022 und 2024. Das frühe Gigantenduell mit zwei Welttrainern kommt zustande, weil das Team von Pep Guardiola in der Ligaphase lächerliche elf Punkte aus acht Partien saugte und auf Rang 22 gerade noch das direkte Scheitern vermied. Auch Carlo Ancelotti schaffte es mit Real nicht unter die ersten Acht und verpasste die direkte Qualifikation fürs Achtelfinale.

Während Real zumindest in der heimischen Primera Divison die Tabelle vor Stadtrivale Atletico und dem FC Barcelona anführt, wird City regelmäßig im Schleudergang gewaschen. Zuletzt gab es ein verheerendes 1:5 beim FC Arsenal. In dieser bisher vermaledeiten Saison hat der sechsfache Premier League-Meister der vergangenen sieben Spieljahre gleich mehrere solcher Abreibungen verpasst bekommen: 0:4 gegen Tottenham, 0:2 in Liverpool, 1:4 bei Sporting Lissabon, 0:2 bei Juventus Turin, 2:4 bei Paris Saint-Germain. Zwischendurch einmal eine Serie von sieben sieglosen Partien.

In der heimischen Eliteklasse liegt City bereits 15 Punkte hinter Tabellenführer Liverpool, zudem hinter Arsenal, Nottingham und Chelsea, nur auf Rang fünf. Guardiola fand mit seiner überalterten und satten Mannschaft zu selten ein schmackhaftes Rezept, reagierte zunächst fassungslos, kratzte sich die halbe Glatze auf - und nun mit einem Kaufrausch.

Toptransfer Marmoush

Im Wintertransferfenster gab die City Group, die sich hauptsächlich im Besitz der Herrscherfamilie des arabischen Emirats Abu Dhabi befindet, mehr Geld für neue Spieler aus als die gesamte deutsche Bundesliga mit ihren 18 Klubs zusammen. Guardiola holte Omar Marmoush (Eintracht Frankfurt) für 80 Millionen Euro, Nico González vom FC Porto für 60, Abdukodir Khusanov aus Lens für 40 und den 19-jährigen Brasilianer Vitor Reis für 36 Millionen Euro aus Palmeiras Sao Paulo. Der Teenager schaffte es im Gegensatz zu den anderen drei Neuen nicht mehr in den aktuellen Champions League-Kader, in den nur drei Spieler nachnominiert werden durften.

Die selbst für britische Verhältnisse enormen Transferaktivitäten fallen auch deshalb besonders auf, weil die Premier League wegen 115 vermeintlicher Verstöße gegen die Finanzregeln der Liga gegen City ermittelt. Der Meister reagierte mit rechtlichen Schritten gegen die Liga und deren verschärfte Sponsoringregeln. Diese Maßnahmen sollen Einhalt beim Geldeinsammeln gebieten – auch auf Druck der Regierung, die finanzielle Exzesse unterbinden will. Konkret: Unternehmen sollen keine exorbitanten Summen für vermeintliches Sponsoring bezahlen dürfen, wenn sie enge Verbindungen zu den von ihnen gesponserten Klubs pflegen. Etihad Airways aus Abu Dhabi zum Beispiel auf dem Trikot der Skyblues.

Auch die Uefa scannt mit seinem „Financial Sustainibility“-Programm die Teilnehmer an internationalen Wettbewerben. Der europäische Fußballverband hat diese Kostenkontrolle als Nachfolge des Financial Fairplay im Juni 2023 aufgesetzt. Laut Uefa habe die Lizenzierung nach Maßgabe des 2010 eingeführten Financial Fairplay bereits nachhaltige Verbesserungen erwirkt: Statt wie im Jahr 2009 kumulierte Verluste von 1,9 Milliarden Euro anzuhäufen, schrieben die Klubs der europäischen Topligen inzwischen Gewinne von zusammen 140 Millionen Euro.

Bayern Münchens Vorstandschef Jan-Christian Dreesen befürwortet die Kontrollsysteme grundsätzlich, merkt aber auch kritisch an: Wer gegen die Gesetze der Financial Sustainibility verstoße, müsse hart und konsequent sanktioniert werden: „Da helfen keine Millionenstrafen für Klubs, die vorher um Millionen beschissen haben. Da braucht es Punktabzüge. Es reicht nicht, die Regeln zu haben, sie müssen auch durchgesetzt werden. Wer die Regel bricht, der muss bestraft werden.“

Grundsätzlich sieht Dreesen das Problem in der Premier League aufgrund der dort implementierten Finanzregulatorik weniger gravierend als „im südeuropäischen Raum“. Dort fällt vor allem der FC Barcelona negativ auf. City-Gegner Real bejubelte dagegen zuletzt das erstmalige Überwinden der Schallmauer von einer Milliarde Euro Umsatz. Der FC Bayern zog bald darauf nach und überholte: Manchester City.

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