Goretzka schnürt Doppelpack

Degradiert Bayerns Matchwinner 50-Millionen-Mann zum Verlierer?

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Die Renaissance von Leon Goretzka beim FC Bayern ist nach seinem Doppelpack gegen Wolfsburg Gesprächsthema. Ein Konkurrent könnte es schwer haben.

München – Leon Goretzka konnte sich nach dem 3:2-Sieg des FC Bayern gegen den VfL Wolfsburg als Matchwinner feiern lassen. Der Mittelfeldmann schnürte einen Doppelpack und verdiente sich ein Sonderlob. Immerhin war der (Ex-?) Nationalspieler im Sommer ein Verkaufskandidat beim FC Bayern und wurden auch mit Blick auf das Wintertransferfenster immer wieder Spekulationen über einen eher leisen Abschied laut.

„Leon hat einfach wie ein sehr, sehr guter Profi immer gearbeitet, im Training gezeigt, dass er hungrig ist“, sagte Cheftrainer Vincent Kompany. Andere Spieler hätten an Goretzkas Stelle „schon das Handtuch geschmissen“, lobte auch TV-Experte Dietmar Hamann. Beim Stichwort der anderen Spieler lohnt ein Blick auf einen Profi, der durch die Renaissance von Goretzka weiter ins Hintertreffen geraten könnte.

Bayern-Wunschspieler von Thomas Tuchel ist unter Vincent Kompany nicht gesetzt

João Palhinha hat die ersten drei Spiele des neuen Jahres verletzt verpasst. Mitte November hatte der portugiesische Nationalspieler in der Länderspielpause einen Muskelbündelriss an den Adduktoren erlitten. Der FC Bayern vermeldete am Freitag die Teilintegration von Palhinha ins Mannschaftstraining. Ein Comeback des 29-Jährigen wird damit absehbar. Dass er die Rolle einnimmt, die sich der Rekordmeister für den etwas mehr als 50 Millionen Euro teuren Neuzugang ausgemalt hatte, ist allerdings kaum anzunehmen.

Palhinha war im Sommer mit einem Jahr Verspätung vom FC Fulham nach München gekommen. Unvergessen, wie am Deadline Day des Transferfensters 2023 die Verpflichtung der vom damaligen Trainer Thomas Tuchel so sehr gewünschten ‚Holding Six‘ platzte. Unter Nachfolger Kompany hat der Portugiese in der laufenden Saison 13 weitgehend unauffällige Einsätze absolviert.

Leon Goretzka erlebt beim FC Bayern mal wieder eine Auferstehung.

Duell zwischen Leon Goretzka und Aleksandar Pavlović zeichnet sich ab

Anders als unter Tuchel ist Joshua Kimmich wieder unmissverständlich im Mittelfeld gesetzt, der zweite Platz im Zentrum scheint dieser Tage zum Zweikampf zwischen Aleksandar Pavlović und Goretzka zu führen. Beide haben eine andere offensive Dynamik als Palhinha, der auf zentraler Position vor der Abwehrkette am besten zur Geltung kommt. Das Arbeitsgebiet überlappt sich dann aber mit Kimmich, dem dominanten Spielgestalter aus tiefer Mittelfeld-Position.

Ob Goretzka auch ohne die Verletzung von Palhinha zu seinem Glück gefunden hätte, ist schwer zu beurteilen. Fakt ist: Der Bochumer hat die Chance beim Schopf gepackt und gibt aktuell keinerlei Anlass, wieder in den Reservistenstand überführt zu werden. Selbst Top-Talent Pavlović muss sich strecken, um das Duell mit Goretzka für sich zu entscheiden.

Goretzka zeigte Geduld, João Palhinha muss es wohl auch tun

„So kenne ich ihn, als absoluten Vollprofi. In den letzten Wochen und Monaten hat er viel auf die Schnauze bekommen und trotzdem ist er ruhig geblieben, hat an sich gearbeitet und auf seine Chance gewartet. Das zeichnet ihn aus“, sagte Oliver Kahn am späten Samstagabend im ZDF-‚Sportstudio‘ zu Goretzka. Auch Palhinha wird mutmaßlich im weiteren Saisonverlauf viel Geduld aufbringen müssen.

Durchaus möglich, dass der FC Bayern irgendwann die unangenehme Frage gestellt bekommt, ob er sich die hohe Investition in Palhinha nicht hätte sparen können. Abzuwenden wäre dies beispielsweise in einem Szenario, das der Rekordmeister lieber nicht erleben will: Sollte Kimmich wider Erwarten keinen neuen Vertrag unterschreiben, wäre Palhinha wohl schnell sehr gefragt – sofern ihm nicht ein weiterer Konkurrent vor die Nase gesetzt würde. Dass es neue Gerüchte um Europameister Martín Zubimendi gibt, verheißt für Palhinha nicht unbedingt Gutes.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON

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