Talent mit längerer Zwangspause

Ex-Löwe Glück fehlt gegen 1860 – Cerny lobt Nachfolger Schifferl: „Potenzieller Zweitligaspieler“

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Bereit für eine Führungsrolle: Glück-Nachfolger Raphael Schifferl.
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Der im Sommer zum VfB Stuttgart gewechselte Ex-Löwe verpasst ein schnelles Wiedersehen mit den alten Kollegen. Er muss verletzungsbedingt passen.

München – Am 24. Juni hatte der TSV 1860 den Wechsel von Michael Glück zum VfB Stuttgart vermeldet, und der Spielplan der 3. Liga will es, dass beide Seiten sich schnell wiedersehen werden. An diesem Sonntag (16.30 Uhr im Live-Ticker) treten die Löwen in Großaspach gegen die Reserve des Vizemeisters an. Dort ist der 21-Jährige fest eingeplant. Seine alten Kameraden wird er trotzdem nur aus der Ferne zu Gesicht bekommen, denn eine Verletzung macht dem gebürtigen Salzburger einen Strich durch die Rechnung.

Michael Glück fehlt beim Wiedersehen mit dem TSV 1860 München am Sonntag

Kein Glück also am Sonntag auf dem Platz. Der Ex-Löwe hat das Pech, dass er fast die ganze Vorbereitung seines neuen Vereins verpasst hat. Schmerzen unterhalb der Kniekehle zwangen das Abwehrtalent zu einer längeren Zwangspause. Inzwischen soll er auf dem Weg der Besserung sein, doch das Wiedersehens-Spiel am Sonntag kommt zu früh für Glück, der aus diesem Grund auch nicht für ein Zeitungsinterview zur Verfügung steht.

Am 24. Juni, im Begleittext zum Wechsel, hatten beide Seiten erklärt, warum sich die Wege schon jetzt getrennt haben – nach nur 25 Spielen, die Glück in der 3. Liga bestritten hat. „Ich war seit 2018 beim TSV 1860, habe hier im Nachwuchs eine sehr gute Ausbildung genossen und meine ersten Schritte im Profifußball gemacht“, wurde Glück zitiert. Nun, führte er aus, sei es an der Zeit, „eine neue Erfahrung zu machen“.

Christian Werner hatte durch Transfer von Michael Glück zum VfB Stuttgart mehr Handlungsspielraum

Im Team des Drittliga-Aufsteigers soll sich der junge Innenverteidiger für höhere Aufgaben empfehlen. Glück hätte in einem „von gegenseitiger Wertschätzung geprägten Gespräch“ mitgeteilt, seinen 2025 auslaufenden Vertrag nicht verlängern zu wollen, erläuterte Sportchef Christian Werner die Sichtweise der Löwen. „Schlussendlich“, so Werner, habe man entschieden, „von den Vorzügen eines vorzeitigen Spielerwechsels zu profitieren“. Sprich: Die knappe Million, die für den Anfang floss, trug dazu bei, dass 1860 überhaupt Handlungsspielraum in diesem Transfersommer hatte.

Sucht sein Glück jetzt beim VfB Stuttgart: Abwehrtalent Michael Glück (21, rechts im Bild), in Salzburg geboren und zwischen 2018 und 2024 beim TSV 1860 ausgebildet.

Gekommen ist u.a. ein Landsmann von Glück: Raphael Schifferl, drei Jahre älter, ähnlich talentiert und ebenfalls Innenverteidiger. Harald Cerny (50), Rekord-Bundesligaspieler der Löwen und seit Juli Spielerberater (PlayVolution-Management), hält viel von beiden.

„Beim Offensivkopfball und im Spielaufbau hat er sicher Luft noch nach oben, aber mittelfristig sehe ich ihn als potenziellen Zweitligaspieler.“

Harald Cerny über Neu-Löwe Raphael Schifferl

Bei Glück, den er nicht so häufig live gesehen hat, vertraut er auf die Scouting-Expertise des Vizemeisters: „Es spricht für sich, wenn ein Bundesligist einen Entwicklungsplan mit so einem Spieler hat.“ Über Schifferl, den Cerny in Haching oft beobachtet hat, sagt er: „Er ist clever im Zweikampf, sehr stark gegen den Ball und in der Luft. Beim Offensivkopfball und im Spielaufbau hat er sicher Luft noch nach oben, aber mittelfristig sehe ich ihn als potenziellen Zweitligaspieler.“

Am Ende also eine Win-win-Situation: Glück erhielt in Stuttgart eine Bundesliga-Perspektive, 1860 eine kurzfristige Finanzspritze – und einen ähnlich veranlagten Spieler, der schon beim verpatzten Auftakt gegen Saarbrücken (0:1) positiv aufgefallen ist. Glück dürfte es bedauern, sich am Sonntag nicht auf dem Platz messen zu können, doch es gibt ja noch ein Rückspiel, und überhaupt: Seine Schmerzen sollen am Abklingen sein, eine Operation scheint nicht nötig zu sein. Glück gehabt. (Uli Kellner)

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