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Dennis Schröder muss sein Ego hinten anstellen

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Moritz Wagner muntert Dennis Schröder sofort auf.
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Der Kapitän der deutschen Basketball-Nationalmannschaft will im WM-Viertelfinale der Held sein und verdaddelt fast den Sieg gegen Lettland. Im Halbfinale gegen die USA braucht das talentierte deutsche Team wieder den Team-Basketball spielen, der sie so stark macht.

Die deutschen Basketballer stehen nach 21 Jahren wieder in einem WM-Halbfinale. Ausrufezeichen. Das ist ein riesiger Erfolg in der Ära nach Dirk Nowitzki. Der Traum von der nächsten Medaille nach Bronze bei der Europameisterschaft wäre aber fast wegen der Egoshow von Dennis Schröder geplatzt.

Bis zum Spiel gegen Lettland hat die deutsche Mannschaft brilliert, 25 Assists im Durchschnitt verteilt und als einziges Team bei dieser Weltmeisterschaft nicht verloren. Das alles wäre Makulatur gewesen, wenn Davis Bertans den letzten Wurf für die Letten getroffen hätte. Fünf Minuten hat Schröder versucht, den Halbfinal-Einzug auf eigene Faust klarzumachen. Bevor Schröder in Minute 34 aufs Parkett zurückkam, hat der wieder genesene Franz Wagner die DBB-Auswahl mit elf Punkten in Führung gebracht. Zur Belohnung hat er bis Spielende nicht mehr den Ball von Schröder bekommen. Bundestrainer Gordon Herbert stand nur am Seitenrand und griff nicht ein.

Schon als Cheftrainer bei den Frankfurt Skyliners ist er lieber mit seinen Startern untergegangen, als ihnen das Vertrauen zu entziehen. Es ist jedoch fatal, wenn Wohl und Wehe an einem Spieler hängt. Dennis Schröder ist ohne Frage der beste und wichtigste Spieler, und ohne ihn wäre Deutschland höchstwahrscheinlich nicht im Halbfinale. Er hat in den Partien davor gezeigt, alle einbinden zu können. Warum plötzlich nicht mehr? Auch muss sich Herbert die Frage gefallen lassen, warum er Johannes Thiemann, Moritz Wagner und Maodo Lo, die neben Franz Wagner die deutsche Führung ausgebaut haben, in der Schlussphase allesamt auf die Bank gesetzt hat.

Im deutschen Team dürfte jedem klar sein, dass sie mit so einer solchen Leistung überhaupt keine Chance gegen die USA im Halbfinale haben. Vielleicht war das Spiel für alle noch mal ein Wachrüttler. Wichtig ist jetzt, ehrlich und selbstkritisch das Viertelfinale zu analysieren und auch Superstar Schröder nicht zu schonen. In der Vorbereitung haben die Deutschen 35 Minuten lang in Abu Dhabi ein fantastisches Spiel gegen die US-Amerikaner gemacht und nur knapp verloren. Zudem haben die talentiertesten Spieler des Planeten schon ein WM-Spiel gegen Litauen verloren. Um diese amerikanische Auswahl aus lauter NBA-Stars zu schlagen, brauchen alle Deutschen einen absoluten Sahnetag und Team-Basketball wie aus den ersten fünf Turnierspielen. Jeder muss sein Ego hintanstellen – insbesondere Dennis Schröder.

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