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Der DFB ist klamm: Jeder Euro zählt

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Zu viel Personal, zu teuer - der DFB muss sparen. Foto: dpa
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Der Campus ist im Unterhalt zu teuer, Nachzahlungen ans Finanzamt drücken, Abteilungen sind überdimensioniert konzipiert - der DFB muss dringend sparen. Nur wie?

Wer sich dem vor einem Jahr bezogenen Campus des Deutschen Fußball-Bundes von der in der Postadresse angegebenen Kennedyallee 274 nähert, wird dort von Gitterzäunen aufgehalten, die nach wenigen Metern die Einfahrt versperren. Auf der anderen Seite des 15 Hektar großen Geländes läuft man von der Schwarzwaldstraße aus an einem Wachmann vorbei, entlang einer ungemähten Wiese mit vielen Mohnblumen auf einem fast unbefestigten Weg vor dem Monumentalbau zum Medieneingang. Die Elektronik der hundert Meter entfernt gelegenen Haupteingangstür neben der Indoorhalle war monatelang kaputt. Um reinzukommen, war provisorisch ein dickes Tuch zwischen Tür und Zarge gewickelt worden. Das Problem ist inzwischen gelöst.

Dieser Artikel stammt aus dem Jahr 2023. Aufgrund des aktuell hohen Interesses bieten wir ihn nun erneut an.

Andere Probleme harren noch einer Lösung - vor allem die schwerwiegenden Schwierigkeiten, die die roten Zahlen in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung dem armen Schatzmeister Stephan Grunwald so manche schlaflose Stunde bereiten. Womöglich ist deshalb auch nicht in einen Mähroboter für die Wiese investiert worden. Es kommt gerade auf jeden Cent an. Denn jeden Tag nimmt der DFB 54 000 Euro weniger ein, als er ausgibt. So kann es natürlich nicht weitergehen, will der Verband nicht abschmieren.

Neuendorf kassiert Vergütung von DFB und Fifa

Bedeutung für die Kassenlage des DFB hat auch der mit den ehemaligen Chefs von Eintracht Frankfurt, Thomas Pröckl und Heribert Bruchhagen, besetzte Vergütungsausschuss inne. Der auf Initiative von Ex-Präsident Fritz Keller zur Transparenz in diesen Fragen gegründete Ausschuss hatte vor drei Jahren entschieden und veröffentlicht, dass der damalige Verbandschef maximal 246 000 Euro pro Jahr für seine Arbeit kassieren darf.

Die Deckelung auf diese Höchstsumme galt gerade auch, wenn der Präsident in gut bezahlte internationale Gremien aufrückt, wo für Council-Mitglieder des Weltverbandes Fifa (wie seit drei Monaten Neuendorf) Vergütungen über rund 250 000 Dollar pro anno gezahlt werden. Der DFB-Vergütungsausschuss argumentierte im Juli 2020, mit der Deckelung solle „verhindert werden, dass finanzielle Anreize die Motivation bestimmen könnten, einen Posten in internationalen Gremien zu übernehmen“. Insofern sei es möglich, „über die Deckelung den DFB-Haushalt zu entlasten“. Fritz Keller war damit einverstanden.

Kaum war Keller weg, wurde neu justiert. Die Deckelung ist seitdem verschwunden. Neuendorf bekommt seit Übernahme des hohen Fifa-Amtes Anfang April im DFB statt fünf noch vier Arbeitstage je Woche vergütet (die Höhe wurde, anders als unter Keller, nicht bekanntgegeben) und kassiert bei der Fifa für seine Council-Tätigkeit ebenfalls.

„Die Aufwandsentschädigungen für die Arbeit für den DFB bleiben von den Vergütungen für die Arbeit in internationalen Gremien unberührt“, heißt es inzwischen. Gut für den amtierenden DFB-Präsidenten, schlecht für den Verbandshaushalt. Der im Frühjahr ins Uefa-Exekutivkomitee aufgerückte DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke, gut bezahlter Boss von Borussia Dortmund, verzichtet freiwillig auf ein Drittel seiner DFB-Vergütung. jcm

Dabei ist das Hauptproblem sicher nicht, dass der Campus die von den Delegierten des DFB-Bundestags erlaubte Investitionsobergrenze von 150 Millionen Euro um 30 Millionen überschritten hat. Dabei handelt es sich angesichts exorbitant steigender Preise für Rohstoffe und Baufirmen sogar um einen noch übersichtlichen Betrag, der längst in den langfristigen Finanzplanungen verbucht worden ist.

Dem DFB laufen die Kosten davon

Der DFB kann von Glück sagen, dass die ursprünglichen 75 Millionen Euro, die er seinerzeit bei Banken als Kredit für den Campus-Bau aufnahm, noch zu günstigen Zinsen finanziert werden konnten. Und dass er ebenfalls 75 Millionen aus eigenen, über die Jahrzehnte hinweg angesparten Rücklagen bezahlen konnte.

Das repräsentative Gebäude für rund 600 (nach Corona nur kärglich besetzte) Arbeitsplätze auf vier Etagen ist überdimensioniert. Für die fast 20 Millionen Euro teure, selten genutzte Großfeldhalle wurde aus Kostengründen auf eine Klimatechnik verzichtet. Mit der Folge, dass es im Sommer dort knuffig heiß ist und im Winter schon mal ungemütlich kalt werden kann.

Der DFB-Campus kostet jährlich 18 Millionen Euro Unterhalt

Was Schatzmeister Grunwald besonders besorgt, sind die davonlaufenden Kosten für den Betrieb des Gebäudes inklusive Futsalfeld, 33 Athletenzimmern (zu wenig für die A-Nationalmannschaft), Techniklabor, Sauna und der Außenanlagen mit vier sorgsam gepflegten Naturrasenplätzen und Beachsoccerfeld. 18 Millionen Euro im Jahr kostet der Unterhalt, bestätigte Grunwald dem ZDF, doppelt so viel wie erwartet. Und da sind die Mieteinnahmen vom Euro 2024-Organisationskomitee der Uefa für die ehemalige DFB-Zentrale in der Otto-Fleck-Schneise schon gegengerechnet.

Bis 4. Juli will Grunwald die Ergebnisse von acht der zehn verbandseigene Fachgruppen (z.B. „DFB-Campus“, „Personal“, „Parallelbudgets und Beratungsdienstleistungen“ oder „Nationalmannschaften und Akademie“) präsentieren. Sie wurden vom DFB-Präsidium beauftragt, Sparpotenziale zu identifizieren. Vor allem die unter Ex-Geschäftsführer Oliver Bierhoff exorbitant auf 200 Mitarbeitende angewachsene Abteilung „Nationalmannschaften und Akademie“ soll schrumpfen, kann aber bis Anfang Juli noch keine belastbaren Zahlen dazu liefern.

Der DFB will die Probleme ohne teure Hilfe von außen lösen

Präsident Bernd Neuendorf sagt: „Wir fassen die Ergebnisse gerade zusammen. Es ist unser Anspruch, dass wir das alleine hinbekommen ohne fachfremdes Knowhow von außen.“ Die Zeit, dass der DFB zweistellige Millionensummen für Beratungsagenturen, Spin Doctoren und Anwaltskanzleien ausgegeben hat, sollen ein für alle Mal der Vergangenheit angehören.

Ärger ist überall dort programmiert, wo der Gürtel enger geschnallt werden soll. Den Gegenwind will Finanzwächter Grunwald aushalten. Mit den unbedingt notwendigen einschneidenden Sparmaßnahmen, so der Schatzmeister, sollen die Aufwände spätestens ab 2024 spürbar um einen zweistelligen Millionenbetrag reduziert werden. Nur so kann künftig am Jahresende zumindest eine schwarze Null stehen und keine rote 20 Millionen Minus.

Deshalb dürfen auch die designierten Sportdirektoren Sami Khedira und Hannes Wolf nicht mit opulenten Gehältern rechnen. Die Angebote des DFB an die beiden sollen sich in sehr überschaubarem Rahmen bewegen.

Der DFB hat zu viele Spiele abgerechnet

Sorgen bereitet dem DFB die Drohkulisse des Finanzamtes, dass die Steuererklärungen für 2014 und 2015 nicht anerkannt hat und dem Verband deshalb für diese Jahre die Anerkennung der Gemeinnützigkeit verweigerte. Kostenpunkt: 26 Millionen Euro zu erwartende Steuernachzahlungen, die der DFB nach jenen von den Finanzbehörden zurückgeforderten 21 Millionen aus dem Jahr 2006 (Stichwort: „Sommermärchenaffäre“) belasten. Der Verband hat jeweils Einspruch eingelegt. Sollte er Recht bekommen, könnte er über Nacht wieder um 47 Millionen Euro reicher werden. Ausgang ungewiss.

Mitunter können Neuendorf und Grunwald sich nur wundern, was in der Vergangenheit fröhlich gebucht wurde: So fiel beim Jahresabschluss 2022 auf, dass zwei Länderspiele zu viel abgerechnet worden waren, die nie stattgefunden hatten. Die erforderlichen Nachzahlungen in Millionenhöhe ans Finanzamt wurden notgedrungen bereits überwiesen.

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