Forderungen des DOSB

Sportliche Wünsche

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Idyllisch, aber nicht einladend: Eine Weitsprunganlage in der Nähe von Hamburg.
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Wenn nicht jetzt, wann dann? Der DOSB pocht darauf, vom Investitionspaket zu partizipieren, weil es
um die elementare Frage geht, welchen Stellenwert der organisierte Sport besitzt / Von Frank Hellmann

Die Zeiten liegen schon ein bisschen zurück, da wollte ein Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) lieber möglichst wenig mit dem Kollegen vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) zu tun haben. Damals, als die Zentralen der beiden wichtigsten Sportorganisationen nur einen Steinwurf voneinander entfernt lagen. Bloß eine Schneise getrennt im Frankfurter Stadtwald.

Dem einen oder anderen schienen die Schnittmengen zu klein. Seit Bernd Neuendorf das Sagen hat – und der DFB im Stadtteil Niederrad residiert –, ist die Lage anders, weil man sich nicht räumlich, aber inhaltlich angenähert hat. Mit DOSB-Chef Thomas Weikert verbindet den DFB-Boss Neuendorf nicht nur derselbe Jahrgang (1961) oder die Vorliebe für dieselbe Partei (SPD), sondern auch die Erkenntnis, dass die deutsche Sportbasis von politischer Seite mehr Unterstützung benötigt, soll die Funktion als elementarer Kitt der Gesellschaft erhalten bleiben.

Für beklagenswert halten beide gerade den Zustand vieler Sportstätten. Sportanlagen, darunter zahllose Fußballplätze, Vereinsheime oder Umkleiden, sehen gerade in der kalten Jahreszeit erbärmlich aus. Klar, es gibt Ausnahmen mit Tartanbahn und Kunstrasen, auch in der Rhein-Main-Region, aber insgesamt hat sich auf diesem Sektor teilweise wenig bis gar nichts getan.

Dass deswegen vielerorts der Ball nicht richtig rollt, dass Kinder und Jugendlichen in Ballungsräumen auf Wartelisten statt auf dem Spielfeld landen, besorgt auch Neuendorf, der die Probleme oft genug gespiegelt bekommt. Zuletzt ließ der frühere Präsident des Fußballverbands Mittelrhein kaum eine Gelegenheit aus, um gerade im Beisein politischer Prominenz den Finger in die offene Wunde zu legen.

Ende Januar auf dem Festakt in Leipzig zum 125-jährigen Bestehen des DFB sagte der 63-Jährige: „Wir brauchen dringend ein Sanierungsprogramm für marode Sportanlagen und Vereinsheime, und wir brauchen mehr Schulsport und Bewegung für unsere Kinder und Jugendlichen. Die bevorstehende Bundestagswahl bietet Ihnen die Gelegenheit, diese Punkte aufzugreifen. Sie würden den Vereinen, sie würden der Gesellschaft und unserem Gemeinwesen einen großen Dienst erweisen.“

Im ähnlichen Duktus argumentiert die Internationale Vereinigung Sport- und Freizeiteinrichtungen, kurz IAKS, durch ihren Vorsitzenden Robin Kähler: „Der besorgniserregende Zustand vieler unserer Sportanlagen hat erhebliche negative Wirkungen auf die Menschen. Schon jetzt fallen viele Sportangebote in Schule und Vereinen aufgrund von sanierungsbedürftigen Sportstätten aus. Es braucht dringend Investitionsprogramme von Bund und Ländern, um die Sportinfrastruktur zukunftsweisend zu gestalten.“

Die Bundestagswahl liegt hinter dem Land, die SPD darf wohl weiter mitregieren. Seitdem versucht sich Weikert vermehrt Gehör zu verschaffen, nachdem ein einmaliges Investitionspaket durch den alten Bundestag gepeitscht wurde. Von den rund 500 Milliarden Euro will der Sport keinen so kleinen Teil abhaben. DOSB, der Deutsche Städte- und Gemeindebund und die IAKS fordern gemeinsam ein Bundesprogramm, das jährlich mindestens eine Milliarde Euro für den Neubau, die Sanierung, die Modernisierung und die Dekarbonisierung von Sportstätten bereitstellt. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Viele Sportstätten stammen noch aus dem „Goldener Plan“ genannten Projekt, das unter Konrad Adenauer Ende der 50er Jahre auf den Weg gebracht wurde. Sukzessive entstanden in jener Phase Hallen und Sportplätze, die bis heute für den sozialen Zusammenhalt stehen. Räume und Orte für Bewegung und Begegnung für Menschen aus allen Schichten. Gerade in einer gespaltenen Gesellschaft, so machen nicht nur die ranghöchsten Sportfunktionäre deutlich, wären diese Investitionen auf Jahrzehnte gut angelegtes Geld.

Der Bedarf ist nicht genau beziffert

Und was Weikert nicht verschwiegen hat: „Nicht zuletzt in Hinblick auf die beabsichtigte Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland wäre dies für das ganze Land von größter Bedeutung.“ Der gerade ins Exekutivkomitee der Europäischen Olympischen Komitees (EOC) gewählte DOSB-Chef sieht einen doppelten Nutzen. Doch hört Berlin seine Argumente? Überall gehen die Finger hoch. Welchen Stellenwert hat da der Sport?

Der DOSB bezifferte den Investitionsbedarf wiederholt auf 31 Milliarden Euro, ohne eine wirklich genaue Berechnung anzustellen. Viele sagen, der tatsächliche Aufwand liege längst bei jenseits von 40 Milliarden. Einerseits. Anderseits gibt es eine frühere KfW-Studie gibt, die für den Bereich Sportstätten bei einer Abfrage unter den Kommunen „nur“ 12,2 Milliarden Euro ermittelt hat.

Selbst diese Größenordnung wird gewiss nicht locker gemacht, deshalb auch die Idee mit der Bundesmilliarde, die jährlich in die Verbesserung der Sportlandschaft fließen soll. Als Argument könnte dienen, das der DOSB immerhin 28 Millionen Mitgliedschaften vorweisen kann. Immer noch die größte Bewegung im Land, auch wenn sich eine erhebliche Zahl gar nicht mehr bewegt. Darunter in erschreckende Zahl immer mehr Heranwachsende.

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