Der FC Bayern hat bei seinen Leihgeschäften kein glückliches Händchen bewiesen
VonDaniel Michel
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Der FC Bayern versucht, seine Nachwuchsspieler durch Leihverträge zu stärken. Aber egal wer das Sagen hat, es ist Zeit für eine Kurskorrektur.
München – 26 Profis zählt der FC Bayern in seinem Profi-Kader, dazu kommen nochmal 13 Spieler, die an andere Klubs ausgeliehen sind. Bei den europäischen Topklubs spricht man mittlerweile von einer „Loan Army“, denn es geht eben nicht wie früher um zwei, drei Leihgeschäfte, sondern es sind Deals im zweistelligen Bereich.
Wie jeder Topklub: Der FC Bayern hat zwei große Ziele bei Leihgeschäften
Warum die Vereine dies machen, liegt auf der Hand. Man sieht bei Spielern Talent, kann sie aber selbst aus unterschiedlichen Gründen nicht fördern. Bei einem anderen Verein mit geringeren Ansprüchen ist dann die Hoffnung auf Spielpraxis und Wertsteigerung groß, um den Profi danach profitabel zu verkaufen oder ihn gut in die Mannschaft integrieren zu können.
Natürlich gibt es auch die Sorte an Leihspielern, die definitiv keine Zukunft im Klub haben und sich einfach mit Leistung für einen neuen Arbeitgeber empfehlen sollen.
Wer nun beim FC Bayern unter den Leihspielern Verkaufskandidat ist und wer bei seiner Rückkehr nach München eine Chance auf einen Kader-Platz erhält, das ist schwer einzuschätzen.
Waterloo für den FC Bayern
Was man aber kurz vor Saisonende feststellen kann: In der Saison 2024/25 hat kaum ein ausgeliehener Profi bei seinem „Gastklub“ besonders überzeugt. Noch deutlicher muss gesagt werden: Entweder diese Leihspieler haben nicht die Qualität für den FC Bayern, dann wurden sie falsch ausgewählt und eingekauft, oder sie wurden an die falschen Klubs mit schlechten Rahmenbedingungen ausgeliehen. Das ganze Projekt gleicht einer Vollkatastrophe, einem Waterloo für die „Loan Army“ des FC Bayern.
Tel trifft nur dreimal für Tottenham
Stürmer Mathys Tel ging im Winter zu Tottenham Hotspur. Besonders überzeugt hat der Franzose mit drei Törchen noch nicht. Andererseits steckt Tottenham, auch wenn der Klub im Europa-League-Finale steht, im Abstiegskampf der Premier League. Nicht gerade das beste Umfeld, um sich für den FC Bayern zu empfehlen – oder damit Tottenham die Kaufoption zieht.
Flügelstürmer Bryan Zaragoza wiederum wollte bei CA Osasuna zeigen, dass ihm der FC Bayern zu Unrecht keine echte Chance gegeben hat, sein Können zu zeigen. Zaragoza legte auch nicht schlecht los mit fünf Torvorlagen und einem Treffer in LaLiga. Danach erlitt er jedoch einen Mittelfußbruch und kam in der Rückrunde überhaupt nicht mehr in Fahrt. Ihm glückte keine einzige Torbeteiligung in der spanischen Primera Division.
Zwei Bayern-Talente mit Heidenheim im Abstiegskampf
Hoffnungsvoll begann auch die Leihe von Paul Wanner beim 1. FC Heidenheim. Der Deutsch-Österreicher startete in allen Wettbewerben mit Toren und Vorlagen. Doch schon lange steckt Heidenheim im Abstiegskampf – und Wanner tut sich schwer. Seine letzte Torbeteiligung stammt vom 14. Bundesliga-Spieltag. Wanner gilt dennoch die Zukunft beim FC Bayern. Aber ob die Leihe nach Heidenheim sinnvoll war, muss bezweifelt werden.
Auch im Team der Heidenheimer ist Verteidiger Frans Krätzig. Er hatte zuvor eine Leihe beim VfB Stuttgart abgebrochen, doch auch Heidenheim scheint nicht der richtige Platz für Krätzig zu sein.
Ist Aznou beim richtigen Klub untergebracht?
Genauso im Tabellenkeller steckt Adam Aznou. Der Linksverteidiger der Zukunft kam kaum in München zum Zug, ging im Winter zu Real Valladolid. Tatsächlich ist Aznou dort Stammspieler. Das Problem: Bis auf ein Remis hat Aznou mit Valladolid alle Ligaspiele verloren, die Mannschaft ist bereits abgestiegen aus LaLiga.
Nun kann man fast schon fragen: Hat sich beim FC Bayern jemand ausgedacht, alle Spieler zu Abstiegskandidaten zu schicken, um die nötige Härte für den Meisterschaftskampf mitzubringen?
Auch Mittelfeld-Akteur Maurice Krattenmacher kämpft mit Ulm in der 2. Liga um den Klassenerhalt. Gibson Adu spielt bei der Spielvereinigung Unterhaching kaum – und die Münchner Vorstädter stehen als Absteiger aus der 3. Liga fest.
Lichtblick bei Armindo Sieb – Ibrahimovic muss kämpfen
Immerhin: Armindo Sieb spielt mit Mainz 05 um die Europacupplätze und kommt zu seinen Einsatzminuten. Ebenso ist Stürmer Arjon Ibrahimovic mit Lazio Rom bei einem Europapokalkandidaten untergebracht. Allerdings kommt der gebürtige Nürnberger im Grunde gar nicht zum Einsatz. Ähnlich verhält es sich bei Mittelfeldspieler Lovro Zvonarek: Der Kroate kommt bei Sturm Graz nicht zum Zug.
Dusche, Tankstelle, Küche: Die skurrilsten Verletzungen im Profifußball
Eine spezielle Situation gibt es noch bei Torwart Alexander Nübel. Er ist, nachdem er mit Manuel Neuer und seinem früheren Torwarttrainer Toni Tapalović nicht zurechtgekommen war, nun beim VfB Stuttgart Stammtorhüter.
Nübel wartet im Grunde seit vier Jahren darauf, Nachfolger von Manuel Neuer zu werden. Ob dieser Plan Realität wird, darf jedoch bezweifelt werden, zumal Nübel auch in Stuttgart Fehler in seinem Spiel aufweist.
Fazit: Wer auch immer sich beim FC Bayern eine Strategie für die „Loan Army“ ausgedacht hat: Er braucht dringend Nachhilfe oder geht einer besonderen “Leiden“-schaft nach: Nämlich die Talente des FC Bayern im Abstiegskampf leiden zu sehen.