Der FC Bayern steckt in einem Dilemma: Verträge von Donnarumma & Co. laufen aus
VonAdrian Kühnel
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Gleich mehrere Top-Torhüter werden 2026 ablösefrei. Das Kahn-Déjà-vu muss nicht kommen – wenn der FC Bayern jetzt richtig plant.
München – Drei Jahre suchte der FC Bayern nach dem Karriereende von Oliver Kahn vergeblich nach einem adäquaten Nachfolger. Michael Rensing, Hans-Jörg Butt, Thomas Kraft – keiner erwies sich als langfristige Lösung im Tor des Rekordmeisters. Doch 2026 bietet sich den Münchenern eine historische Chance: Gleich mehrere hochklassige Torhüter werden — Stand jetzt – ablösefrei, darunter Gianluigi Donnarumma, Mike Maignan und Thibaut Courtois.
Während Manuel Neuer seinem Vertragsende 2026 entgegengeht und Jonas Urbig als interner Nachfolger aufgebaut werden soll, steckt Bayern in einem strategischen Dilemma. Setzt der Rekordmeister weiter voll auf den jungen Urbig oder nutzt er die einmalige Marktlage für eine externe Premium-Lösung?
Gianluigi Donnarumma & Co. kommen 2026 ablösefrei auf den Markt
Nach Angaben von transfermarkt.de verfügen Gianluigi Donnarumma (PSG), Mike Maignan (AC Mailand), Thibaut Courtois (Real Madrid), Ederson (Manchester City), Illan Meslier (Leeds United), Stefan Ortega (Manchester City), Nick Pope (Newcastle United) und Iñaki Peña (FC Barcelona) über die höchsten Marktwerte unter allen Torhütern, deren Verträge 2026 enden.
Für Bayern könnte sich damit die Chance bieten, diesmal nicht wie nach Kahn drei Jahre lang zu suchen, sondern gezielt zuzuschlagen. Besonders interessant: Die Gespräche zwischen Paris Saint-Germain und Gianluigi Donnarumma stocken bereits seit Monaten. PSG richtet sich unter Sportdirektor Luis Campos neu aus und will verstärkt auf leistungsbezogene Arbeitspapiere setzen.
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Donnarumma, der knapp 13 Millionen Euro jährlich verdienen soll, sieht seine Leistungen nach dem Triple-Gewinn wohl nicht ausreichend honoriert. Der 26-jährige Italiener wäre ein namhafter Kandidat für Bayern: internationale Erfahrung und im besten Torhüter-Alter. „Donnarumma ist erst 26, dann hättest du fünf, sechs Jahre Ruhe“, brachte Sky-Experte Dietmar Hamann Donnarumma zuletzt bei den Münchnern ins Spiel.
Wenngleich Donnarumma als Unsicherheitsfaktor mit Ball am Fuß gelten mag, ist er doch zumeist ein Verlässlichkeitsfaktor auf der Linie. Die Konkurrenz wird groß sein, sollte Donnarumma 2026 tatsächlich ablösefrei werden.
Nicht alle acht genannten Kandidaten werden jedoch 2026 verfügbar sein. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge steht Thibaut Courtois bei Real Madrid vor der Vertragsverlängerung bis 2027. Der belgische Nationaltorhüter wird den Königlichen aller Voraussicht nach erhalten bleiben.
Anders sieht die Situation bei Mike Maignan aus: Obwohl sich im Frühjahr noch eine Vertragsverlängerung bei der AC Mailand abzeichnete, waren die Gespräche am Ende nicht von Erfolg gekrönt. In den letzten Wochen wurde der französische Nationalkeeper mit einem Wechsel zum FC Chelsea in Verbindung gebracht, konkretisiert hat sich allerdings bislang noch nichts.
Jonas Urbig ist beim FC Bayern als Nachfolger von Manuel Neuer vorgesehen
Für die neue Saison ist ein „Jobsharing“ zwischen Neuer und Urbig geplant. Neuer wird bewusst auf Spiele verzichten, um seinem möglichen Nachfolger Spielpraxis zu ermöglichen. „In Absprache mit dem Trainer und dem Torwartteam“ werde es auf jeden Fall Partien geben, „in denen Jonas spielt“, bestätigte der Kapitän bereits im Frühjahr 2025.
Sportvorstand Max Eberl zeigte sich optimistisch: „Jonas ist ein sehr talentierter Torwart und genau das, was wir uns mit dieser Entscheidung vorgestellt haben.“ Der Youngster, der in Kürze seinen 22. Geburtstag feiert und zu Beginn des Jahres für sieben Millionen Euro vom 1. FC Köln kam, sammelte im Münchner Tor bislang Erfahrung in zwölf Pflichtspielen, darunter viermal in der Champions League.
Doch das Erlebnis mit Michael Rensing sollten Bayern zur Vorsicht mahnen. Der damals 24-Jährige galt als logischer Kahn-Nachfolger, scheiterte aber am enormen Erwartungsdruck. „Ehrlich, ich habe es mir leichter vorgestellt“, gab Rensing 2009 gegenüber der SZ zu. „Jede Kleinigkeit wurde so bewertet, wie es wahrscheinlich noch nie bei einem Spieler auf diesem Planeten der Fall gewesen ist.“
Uli Hoeneß prangerte damals die fehlende Professionalität an: „Als klar war, dass er die Nummer 1 ist, hätte ich erwartet, dass er sich den Arsch aufreißt. Das war alles nicht der Fall.“ Nur zwei Jahre nach Kahns Rücktritt verließ Rensing die Bayern ablösefrei.
Setzt der FC Bayern voll auf Urbigs Entwicklung, läuft er Gefahr, dass der junge Keeper wie einst Rensing am Druck scheitert. Bemüht sich Bayern jedoch vorzeitig um einen externen Kandidaten, könnte das Urbigs Entwicklung hemmen und ein falsches Signal senden.
Die Konkurrenz schläft derweil nicht. Andere Top-Klubs werden ebenfalls um jene Keeper buhlen, die 2026 attraktive Marktoptionen darstellen. Wer zu spät kommt, geht leer aus. Ederson wird bereits jetzt umgarnt. Der brasilianische Nationaltorhüter steht bei Galatasaray hoch im Kurs und könnte Manchester City noch in diesem Sommer verlassen. Abhängig von der Entwicklung bei Ederson könnte auch Stefan Ortega den Citizens noch in diesem Transferfenster den Rücken kehren.
Das geplante Jobsharing zwischen Neuer und Urbig muss beim FC Bayern zeigen, ob der designierte Neuer-Nachfolger bereit für die große Bühne ist. Gleichzeitig sollten die Münchner die Marktlage sondieren. Die Lehre aus der Post-Kahn-Ära ist klar: Wer zu spät plant, zahlt den Preis. Urbig verdient seine Chance, aber Bayern braucht einen Plan B.