ZDF-Doku: Ein Muss für Bayernfans

Der Streit zwischen Matthäus und Klinsmann beim FC Hollywood

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Jedes Mal, wenn es beim FC Bayern etwas chaotischer wird, wird er etwas ironisch als „FC Hollywood“ bezeichnet. Die wahren Jahre des FC Hollywood waren jedoch die 1990er. Dies ist das Thema einer bemerkenswerten mehrteiligen ZDF-Dokumentation.

München - Chaos, Intrigen und Skandale standen beim FC Bayern in den 1990er Jahren beinahe schon auf der Tagesordnung - es war die Geburtsstunde des FC Hollywood. Die fünfteilige ZDF-Doku „FC Hollywood - Der FC Bayern und die verrückten 90er“ widmet sich aus heutiger Sicht fast schon unfassbaren Geschichten, die rückblickend selbst FCB-Experten noch einmal überraschen können.

Die Protagonisten der ZDF-Doku

Im Mittelpunkt der ersten drei Teile stand der in aller Öffentlichkeit ausgetragene Zwist der beiden Superstars und Alphatiere Lothar Matthäus und Jürgen Klinsmann in den Spielzeiten 1995/96 und 1996/97. Beide kommen in der Doku ausführlich zu Wort, aber auch ihre heute zum Teil noch fassungslosen damaligen Teamkollegen Thomas Helmer, Thomas Strunz, Markus Babbel, Didi Hamann, Mario Basler, ebenso Mehmet Scholl und Andreas Herzog mit eigenen Geschichten, aber auch der damalige Pressesprecher Markus Hörwick und andere Zeitzeugen aus den Medien.

Training an der Säbener Straße: Klinsmann, Rehhagel, Matthäus - eine nur scheinbare Harmonie.

Eine eigentlich unbesiegbare Mannschaft

Nach einer für FCB-Verhältnisse katastrophalen Saison 1994/95, in welcher man sich als Bundesliga-Sechster - aber immerhin auch Champions League Halbfinalist - mit zahlreichen Nachwuchs- und Amateurspielern gerade noch für die internationalen Wettbewerbe qualifiziert hatte, rüstete der Verein im Sommer 1995 groß auf: Mit Ciriaco Sforza, Andreas Herzog, Rückkehrer Thomas Strunz und nicht zuletzt 1990-Weltmeister Jürgen Klinsmann formte man ein Starensemble, welches sich nach eigenen Aussagen eigentlich nur selbst hätte besiegen können. Dass dies nicht passieren würde, dafür hätte eigentlich die ebenfalls verpflichtete Bremer Trainerlegende Otto Rehhagel sorgen sollen. Aber er musste fast schon zwangsläufig scheitern.

Die sportlichen Zielsetzungen wurden jedoch von dem Machtkampf zwischen den beiden Alphatieren nahezu torpediert. Matthäus und Klinsmann waren bereits bei Inter Mailand Teamkollegen, aber schon dort alles andere als Freunde gewesen. Beim FCB-Start des späteren Bundestrainers befand sich Matthäus noch in Reha. Anfang 1995 hatte er sich einen Achillessehnenriss zugezogen und er arbeitete verbissen an einem Comeback, dass ihm viele nicht mehr zutrauten und wohl selbst Mannschaftskollegen nicht wünschten! Klinsmann & Co. starteten dagegen zunächst grandios in die Saison. Das war wohl der Beginn einer Rivalität, vielleicht kann man es sogar als Feindschaft bezeichnen, die sich gewissermaßen wohl bis heute hält. 

Komplott gegen Matthäus

Als Matthäus im Herbst 1995 ein durchaus sportlich bemerkenswertes Comeback beim FC Bayern gab, wollte er auch wieder in die Nationalmannschaft zurückkehren, wurde aber von Bundestrainer Berti Vogts, in früheren Jahren selbst Idol von Matthäus, nicht für eine Südafrikatour spät im Kalenderjahr berücksichtigt. Dort soll es dann einen Komplott gegen ihn gegeben haben. Mit Beteiligung von Vogts, natürlich auch Klinsmann, wohl unter anderem auch Thomas Helmer. Der deutsche Rekordnationalspieler sollte in der Nationalmannschaft abgesägt werden.

Matthäus behauptet bis heute, dass er eindeutige Informationen hat, dass dem so war. Klinsmann hingegen lacht in der Doku nur und sagt „Nein, stimmt nicht.„ Das dabei entlarvendste Statement ist das des heutigen TV-Fußballmoderators Helmer, der sich daran angeblich nicht mehr erinnern kann...

Ironie des Schicksals

In der Doku ist es aber bei Weitem nicht das einzige Thema, bei dem sich die beiden Alphatiere auch 30 Jahre später immer noch uneinig sind. So wurde letztendlich auch die Deutsche Meisterschaft fahrlässig vergeigt.
Titelverteidiger Borussia Dortmund war der Nutznießer, weil selbst der den glücklosen Rehhagel ersetzende Kaiser das FCB-Schiff nicht mehr auf Kurs bringen konnte. Wie leistungsstark das Team damals tatsächlich war bzw. gewesen wäre, zeigte der souveräne Gewinn des UEFA-Pokals, der zum damaligen Zeitpunkt noch eine ganz andere Wertigkeit als die Europa League hatte, auch wenn ihn Franz Beckenbauer zuvor lange als „Cup der Verlierer“ verunglimpft hatte. Ironie des Schicksals: Gerade er war der einzige Trainer der Vereinsgeschichte, der diese Trophäe jemals gewinnen konnte.

Beckenbauer will Matthäus vier Wochen lang „nicht mehr hören und sehen“

Beckenbauer war zu jener Zeit aber auch der Präsident des FC Bayern (1994-2009) und musste nach der Folgesaison in diesem Amt über seinen Ziehsohn Matthäus richten, der zum Empören seiner Teamkollegen zusammen mit der BILD ein „Geheimes Tagebuch“ veröffentlichte, in welchem viele Interna aus dem Mannschaftskreis preisgegeben wurden. Es wurde sogar der Rauswurf des ehemaligen Weltfußballers gefordert. Der Kaiser schickte Lothar jedoch lediglich in einen vierwöchigen Urlaub, in welchem er „von ihm nichts sehen und hören“ wollte und setzte ihn zu Gunsten von Helmer als Mannschaftskapitän ab.

Sehr bitter war für Matthäus wohl auch der euphorisch gefeierte EM-Sieg 1996. Ohne ihn, aber mit sechs anderen Bayernspielern, die den besonders ausgeprägten Teamgeist als großen Erfolgsfaktor priesen.

Medienopfer Mehmet Scholl

Die vom Hype um diverse Boybands geprägten 1990er Jahre beeinflussten damals auch den FC Bayern. Teenie-Schwarm Mehmet Scholl war die „sportliche Boyband“, wie ihn Thomas Strunz auch heute noch bezeichnet. Der „Scholli“ war in jenen Jahren das junge, hippe Gesicht des Vereins. „Das ist mir aber alles gehörig um die Ohren geflogen“, sagt er in der Doku heute selbst dazu. 

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Scholls Privatleben, der Bruch seiner noch jungen Ehe mit Vaterfreuden, wurde zum Fokus der Boulevardpresse und beeinflusste schließlich auch monatelang die Leistungen auf dem Platz negativ. So folgte nach dem EM-Sieg 1996 für ihn ein „Katastrophenjahr“.

Auch der Rest der Mannschaft kann sich noch heute an den gewaltigen öffentlichen Druck damals erinnern. Dabei war es eigentlich eine Mannschaft, die sich nach gerne wiederholter Einschätzung der Stars von damals eigentlich nur selbst schlagen konnte. 

Wo die Doku zu sehen ist

„FC Hollywood“ läuft am 17. Januar ab 22.30 Uhr und 18. Januar ab 0.25 Uhr im ZDF. In der ZDF-Mediathek sind alle fünf Teile bereits zu sehen. Für FCB-Fans ein Muss und für so manchen Anti-Fan wohl auch ein Genuss.

Rubriklistenbild: © Credit IMAGO / HJS

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