Der überraschende Grund für die Wirtz-Absage an den FC Bayern
VonPeter Grad
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Florian Wirtz wird wohl zum FC Liverpool und nicht zum FC Bayern wechseln. Über die Gründe wurde wild spekuliert. Nun erhärtet sich aber ein Verdacht.
München - Unmittelbar nachdem bekannt geworden war, dass sich der deutsche Nationalspieler Florian Wirtz für den FC Liverpool und nicht für den deutschen Rekordmeister entschieden hatte, startete die Suche nach den Gründen und den „Schuldigen“ beim FC Bayern. Federführend wollte der kicker dazu erfahren haben, dass den 22-Jährigen die angeblich widersprüchlichen und nicht klar formulierten Vorstellungen zu seiner Rolle beim FC Bayern abgeschreckt haben. Dagegen sollen ihm Arne Slot und der FC Liverpool eine klare Perspektive aufgezeigt haben. Diese Darstellung des Sachverhalts bestätigt sich nicht.
Medien: Spielsystem-Uneinigkeit beim FCB irritiert Wirtz
So berichtete das Fußballfachblatt, dass beim FC Bayern Uneinigkeit darüber geherrscht haben soll, wie Wirtz künftig in das Spielsystem eingebunden werden sollte - ein Umstand, der beim Spieler zunächst für Zurückhaltung gesorgt und ihn letztlich abgeschreckt hatte. Coach Vincent Kompany soll den unter Fachleuten häufig diskutierten Plan verfolgt haben, von der bewährten 4-2-3-1-Grundordnung abzurücken und auf eine 4-1-4-1-Formation umzustellen, in der Wirtz gemeinsam mit Jamal Musiala als Doppel-Zehner agieren sollte.
Die Heimtrikots des FC Bayern der letzten 20 Jahre – ein Trikot wurde schon vor der Saison zum Klassiker
Die „FCB-Verhandlungsführer“ - wohl Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge - sollen allerdings eine andere Vorstellung präsentiert haben und Wirtz als alleinigen zentralen Spielmacher gesehen haben. Laut diesen Informationen bzw. Gedankengängen sollten Michael Olise auf dem rechten und Musiala auf dem linken Flügel spielen.
Diese angebliche Uneinigkeit an der Säbener Straße soll bei Wirtz für Irritationen gesorgt haben. Ganz im Gegensatz dazu wird das klare Konzept des FC Liverpool als vorbildlich dargestellt. Trainer Arne Slot habe Wirtz versprochen, dass er zur zentralen Figur im Liverpooler Mittelfeld werden soll - in der Rolle des Spielmachers, unterstützt von Ex-FCB-Spieler Ryan Gravenberch und Alexis Mac Allister.
Kicker-Spekulationen nicht richtig
Die Spekulationen des Fachmagazins erschienen von vorneherein äußerst fragwürdig. Denn zur FCB-internen Unstimmigkeit beim Spielsystem sollte klar festgestellt werden, dass sowohl in Liverpool wie auch in München, wie auch wohl in allen seriösen Vereinen der Fußballwelt der Trainer und sein Team dieses bestimmt. Wer auch immer mit den FCB-„Verhandlungsführern“ gemeint war, sie hätten hier definitiv nicht das letzte Wort gehabt, sondern einzig und allein Chefcoach Vincent Kompany & Co. Das war sicherlich auch Florian Wirtz klar.
Und genau diese Spekulationen scheinen sich nun tatsächlich zu bewahrheiten: Denn die Süddeutsche Zeitung berichtet aktuell, dass am 18. Mai, am Tag der Meisterfeier am Marienplatz, ein „geheimes“ Treffen einer Bayern-Abordnung mit Florian Wirtz und dessen Vater Hans in einem Münchner Hotel stattfand. Laut der Meldung sprachen Vincent Kompany, Sportvorstand Max Eberl und Sportdirektor Christoph Freund mit dem Nationalspieler. Dennoch sagte Wirtz dem FC Bayern fünf Tage später ab, der Spieler soll bei Kompany persönlich angerufen haben, während sein Vater Hans Eberl und Hoeneß informierte.
FCB-Coach Kompany soll am Tag der Meisterfeier ein einstündiges fußballtaktisches Vier-Augen-Gespräch mit Wirtz geführt haben. Dieser sagte allerdings ab, „weil er fürchtete, sich in einem Positionsgerangel mit Jamal Musiala aufzureiben“, so der SZ-Bericht. Denn wie Wirtz spielt auch sein Kumpel Musiala am liebsten im zentralen offensiven Mittelfeld.
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Die Zukunft von „Wusiala“
Das Szenario, dass die Spielweise der beiden Hochtalentierten nicht kompatibel wäre, wurde in den vergangenen Monaten bereits in zahlreichen Expertenrunden diskutiert. Es gab Argumente Pro und Contra. Dass sich allerdings nun offensichtlich auch Wirtz den Gegnern von „Wusiala“ anschließt, überrascht und ist eine Abkehr von seiner eigenen früher zur Schau getragenen Meinung.
„Wusiala“ ist (war?) die große deutsche Fußball-Hoffnung für die WM 2026. Was passiert mit dieser, wenn ein Teil dieses vermeintlich kongenialen Duos gar nicht daran glaubt? Was passiert künftig bei der deutschen Nationalmannschaft? Im Kalenderjahr 2025 stellte sich die Thematik noch nicht. Während Wirtz in den Nations League-Viertelfinalspielen gegen Italien verletzt ausfiel, ist Musiala für die nun anstehende Endrunde des Turniers noch nicht einsatzfähig.
Der FC Bayern muss sich nach dieser Entscheidung die wenigsten Sorgen machen. Beide Spieler haben zwar unterschiedliche Skills, gelten aber als in etwa gleichtalentiert. Musialas Bereitschaft, in Kompanys Spielsystem vor allem als Teamplayer zu agieren, kann ihm nicht hoch genug angerechnet werden. Einen auf ihn ausgerichteten Fokus, wie dies Wirtz offensichtlich in Liverpool versprochen wird, benötigt der Münchner nicht.