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Ex-Bayern-Spieler Xabi Alonso war der Wunschkandidat des Rekordmeisters für die Tuchel-Nachfolge, blieb jedoch lieber in Leverkusen, um dann nach Madrid zu wechseln.
Madrid / München - Als die Verantwortlichen des FC Bayern im Frühjahr 2024 händeringend nach einem Nachfolger für den glücklosen Thomas Tuchel suchten, war der ehemalige Spieler des Rekordmeisters Xabi Alonso (2014 – 2017) die erste Wahl an der Säbener Straße. Der Weltmeister von 2010 hatte im Herbst 2022 ein strauchelndes Bayer Leverkusen übernommen und stand zu dem Zeitpunkt mit seiner Werkself in der Bundesligatabelle weit vor dem Serienmeister aus München. Der Baske verlängerte jedoch sogar in Leverkusen und holte mit Bayer die erste Meisterschaft der Vereinsgeschichte.
Die Bayern, die sich aufgrund ihres exzellenten Kontakts zum Ex-Spieler sehr gute Chancen ausgerechnet hatten, gingen leer aus, mussten bis zur Verpflichtung von Vincent Kompany (und einige Zeit darüber hinaus) bei ihrer Trainersuche noch sehr viel Spott ertragen. Unter dem Belgier drehte der Rekordmeister jedoch den Spieß sehr schnell um, distanzierte Alonso und seine Werksmannschaft in der Bundesliga und deklassierte sie sogar in den CL-Achtelfinalspielen (3:0; 2:0).
Schon nach wenigen Monaten herrschen in Madrid Zweifel an Coach Xabi Alonso
Wie schon bei der FCB-Absage 2024 erwartet, ergriff Alonso jedoch die erste Gelegenheit, um bei Real Madrid, wo er von 2009 bis 2014 als Spieler aktiv gewesen war, anzuheuern. Durch den Abschied von Carlo Ancelotti ergab sich diese Möglichkeit bereits im vergangenen Sommer. Während in Fußball-Deutschland, speziell in München, mittlerweile jeder von Kompany schwärmt, man ihm beim FC Bayern zutraut, eine Ära zu starten, läuft es beim königlichen Starensemble unter Alonso wesentlich weniger rund. Die spanischen Medien schreiben von ersten Zweifeln am 43-jährigen Coach.
Xabi Alonso selbst wollte die Nullnummer bei Rayo Vallecano am Wochenende und damit das zweite Pflichtspiel ohne eigenen Treffer nicht überbewerten: „Wir wissen, wo wir stehen. Man muss die guten und die schlechten Momente abwägen können. Mir ist wichtig, dass wir uns weiterentwickeln, verbessern und eine positive, konstruktive Selbstkritik üben. Das ist Real Madrid, und jeder weiß, was das bedeutet.“
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Unter der Woche hatte Madrid in der Champions League mit 0:1 beim derzeit arg strauchelnden FC Liverpool (am Wochenende 0:3 bei ManCity) verloren. So schreibt Mundo deportivo aktuell, dass die Madrilenen „mit vielen Zweifeln“ in die Länderspielpause gehen würden.
Dabei haben die Königlichen bislang zehn der bisher zwölf Spiele in LaLiga unter dem neuen Coach Alonso gewonnen. Allerdings tat die eine Niederlage ausgerechnet gegen Atlético Madrid (2:5) besonders weh. Das Remis gegen Rayo befeuert nun die Kritik am ehemaligen Real-Profi, El Pais stellt fest: „Rayo deaktiviert mit großem Aufwand die Mannschaft von Xabi, die nach der Niederlage gegen Liverpool in Anfield niedergeschlagen ist“.
„Das alte neue Madrid entlarvt Xabi Alonso und macht seine Rede zunichte“, giftet das Journal Sport sogar und legt nach: „Das ursprüngliche Manifest des baskischen Trainers ist schon vor der Hinrunde hinfällig geworden: Von dem versprochenen Druck und der versprochenen Einstellungsänderung ist nichts zu spüren.“
Xabi Alonso angeblich nur die 1b-Lösung für den Real-Boss
Das Blatt hatte bereits vor dem trostlosen 0:0 von Zweifeln des Klub-Präsidenten Florentino Pérez an Xabi Alonso berichtet. Dieser soll zudem nach dem Ende von Ancelotti lediglich Plan B hinter Jürgen Klopp für den Vereinsboss gewesen sein. „Pérez sieht nirgendwo die ‚fußballerische Modernität‘ von Xabis Real Madrid, von der seine Berater sprachen“, so Sport in der letzten Woche, um nach dem nächsten Torlos-Auftritt noch einmal nachzulegen: „Xabi Alonso hat zunächst einmal seine eigene Rede verraten. Vor allem durch seine Unfähigkeit, sie bis zum Schluss aufrechtzuerhalten oder zu verteidigen.“
Dennoch steht Xabi Alonso mit seinem Team derzeit mit drei Punkten Vorsprung auf den Erzrivalen Barcelona in LaLiga an der Tabellenspitze und auch mit Platz 7 in der CL-Tabelle noch im Soll. So titelt As nun: „Besorgnis über den unerwarteten Einbruch“, betont aber auch: „Die Eindrücke aus den letzten beiden Spielen geben Anlass zur Sorge, aber es besteht noch kein Grund zur Panik.“
Alonso weiß offensichtlich die Real-Kabine nicht hinter sich
Allerdings brodelt es beim Rekord-CL-Sieger derzeit auch gewaltig hinter den Kulissen: Für Unruhe sorgte vor allem der Brasilianer Vinicius Junior nach seiner Auswechslung im Clásico, auf welche er äußerst wütend reagierte und gar mit einem Vereinswechsel drohte. Obwohl er sich später entschuldigte, ließ er dabei Alonso unerwähnt. Der Klub bestrafte seinen Star durchaus überraschend nicht und beschädigte damit die Autorität des Trainers.
Zudem sollen einige Spieler wie Valverde und Endrick unzufrieden mit ihren Rollen und Einsatzzeiten sein. Pérez wurde offensichtlich auch direkt über die wachsende Unzufriedenheit in der Kabine informiert und soll auch den körperlich nicht ganz fitten Zustand des Teams zur Kenntnis genommen haben: In Liverpool lief es vier Kilometer weniger als der Gegner. Konsequenz: Alonso steht unter massivem Druck und muss schnell konstante Ergebnisse, in Madrid bestenfalls mit Offensivspektakel, liefern. Derartige Probleme kennen Kompany und die Bayern derzeit nicht.
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