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Deutschland war beim EM-Härtetest in Frankreich zu Gast. Wir fassen die Stimmen rund um die Partie zusammen.
Lyon – Zwei echte Schwergewichte des Weltfußballs trafen am Samstagabend in Lyon aufeinander: Deutschland triumphierte mit 2:0 in Frankreich und meisterte den ersten großen Härtetest vor der EM 2024. Wir fassen die Stimmen rund um das Länderspiel hier zusammen.
Julian Nagelsmann nach dem Spiel im ZDF über ...
... Rudi Völler: „Ich verstehe mich echt außerordentlich gut mit Rudi auf menschlicher Ebene. Er ist natürlich auch einer, mit dem ich mich über Fußball austausche, der eine große Erfahrung hat. Er hat oft eine andere Perspektive. Er ist ein sehr, sehr guter Gesprächspartner und hat noch dazu auch immer eine gute Geschichte auf Lager. Er trägt auch immer zur Erheiterung der Gruppe bei. Das ist auch wertvoll.“
... den Sieg: „Großes Kompliment an die Mannschaft, das war schon sehr, sehr gut. Die ersten 25 Minuten waren sehr, sehr gut. Da können wir vielleicht ein Tor mehr schießen. Der Anstoß war so geplant, war herausragend von Standardtrainer Mads Buttgereit vorbereitet und dann auch gut ausgeführt. Das macht Flo natürlich sehr, sehr gut, wie er den verarbeitet. Ein überragender Schuss. Klar, das ist nicht alltäglich dieses Tor. Aber generell war die Variante überlegt. Aber auch ein wichtiger, guter Start. Ähnlich wie im September gegen Frankreich. Da war es die vierte Minute. Heute noch einen Tick schneller. Marc hat den einen von Mbappé dann gut gehalten, macht es richtig gut. In der zweiten Halbzeit haben wir uns nochmal gesteigert. Wir haben schon drei, vier echt gute Chancen gehabt. Auch als wir gewechselt haben. Deniz Undav und Maxi Mittelstädt haben nochmal zwei große Chancen gehabt. Beide sehr, sehr gut pariert tatsächlich. Am Ende bin ich schon sehr, sehr zufrieden.“
... Toni Kroos: „Unfassbar, ehrlich gesagt. Mit Ball, was er kann. Das wissen wir alle, dass er ein außerordentlicher Spieler ist. Aber auch, wie er sich reingehauen hat in Zweikämpfe. Die Bereiche, die man ihm in der Vergangenheit abgesprochen hat. Er hat unfassbar viel gearbeitet. Defensiv sehr stabil. Mit Ball und Taktgeber. Das, was mir gefällt, ist, man merkt ihm nicht an, dass er so erfolgreich ist. Ganz normal, er gliedert sich in die Gruppe ein. Du merkst da keinen großen Unterschied. Das ist schon sehr gut.“
... die Rolle von Kroos: „Im Prinzip ist das, was er bei Real seit Jahren macht. Dass er ein guter Verbindungsspieler ist zwischen offensiv und defensiv. Dass wir natürlich auch ihn brauchen in der Defensive. Dass er jetzt keiner ist, der ständig Ansprachen hält an die Gruppe. Aber natürlich einer ist, wo Spieler fußballerisches Vertrauen brauchen. Dass sie ihn anspielen können und immer anspielen können. Dass er jeden Ball fordert. Rudi Völler hat gesagt, der pinkelt Eiswürfel, seit er 18 ist. So ähnlich ist es wahrscheinlich. Du kannst ihn immer anspielen. Er hat einfach eine gute Ruhe. Das gibt den anderen Spielern drumherum auch eine Sicherheit. Dass sie wissen, wenn Stress oder Druck ist, bei Toni ist der Ball meistens gut aufgehoben.“
Rudi Völler nach dem Spiel im ZDF über ...
... den Sieg: „Schon nach ein paar Sekunden hat es natürlich unglaublich viel Spaß gemacht. Vor allem die erste Viertelstunde, die ersten 20 Minuten. Das war mit Sicherheit das Beste, was wir in den letzten Jahren gespielt haben. Danach haben die Franzosen zugelegt, sind über die schnellen Außen auch zu Chancen gekommen. Da hatten wir teilweise ein bisschen Glück. Aber es ist ein verdienter Sieg. Wir wollten in den letzten Spielen Euophorie entfachen. Ich glaube, mit so einem Spiel kann es gelingen.“
... Kroos: „Die Rückkehr war natürlich wichtig. Die Diskussion war groß in den letzten Wochen. Er hat eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass er nicht nur bei Real Madrid, sondern auch bei uns eine großartige Leistung bringen kann. Ich weiß nicht, wie viele Ballkontakte er in der ersten Viertelstunde hatte. Aber auch die anderen. Florian Wirtz macht ein Traumtor. Kai Havertz. Aber auch in der Defensive. Ich könnte ja fast alle nennen. Natürlich, gegen so eine französische Mannschaft, die sicher als Favorit in die EM reingehen, kannst du natürlich nicht alles wegverteidigen. Dass du auch immer Chancen zulassen musst, das war zu erwarten. Aber dafür haben wir natürlich auch eine Abwehr, die das verhindern kann. Ein guter Torwart, der wunderbar gehalten hat heute. Ich glaube, wir haben es verdient. Und natürlich, das Spiel hat gutgetan.“
... seine Zukunft: „Wir haben ja ein bisschen was verändert. Ein paar neue Gesichter dazu bekommen. Es gab auch ein paar Rückschläge. Aber das ist halt im Fußball so. Aber ich glaube schon, dass wir den DFB, und generell die Mannschaft, die Nationalmannschaft, auch die U-Mannschaften, auf gute Beine gestellt haben. Auch in der Ausbildung. Ja, bis jetzt macht es Spaß. Nicht nur, weil wir heute wirklich ein tolles Spiel hier gemacht haben. Aber es macht Spaß, warten wir mal ab.“
Kai Havertz nach dem Spiel im ZDF über ...
... das Spiel: „Heute hat es sehr viel Spaß gemacht. Vor allem die zweite Halbzeit, glaube ich, haben wir das Spiel gut kontrolliert. Wir hatten die eine oder andere gute Torchance und sind natürlich froh, gegen so einen Gegner zu gewinnen.“
... die Rollen im Team: „So kurz vor dem Turnier ist es schon extrem wichtig, dass jeder Spieler weiß, wo er dran ist. Das haben wir in den letzten Tagen besprochen. Jeder Spieler weiß jetzt so ungefähr um seine Rolle. Das ist natürlich extrem wichtig, vor allem in so einer Mannschaft, wo so viele Spieler sind.“
... die Spielweise: „Ich glaube, wir haben mit dem Ball super gespielt. Keiner hat sich versteckt. Jeder hat sich getraut, den Ball zu bekommen. Das hat es uns, glaube ich, extrem leicht gemacht, dann auch zwischen den Linien zu spielen.“
... sein Tor: „Hier zu treffen, war gut für mich. Und ich freue mich einfach, mit den Jungs Fußball spielen zu können. Wir haben so viel Qualität. Wenn man sieht, was hinter mir da steht, ist es schon überragend. Und dann macht es natürlich immer mehr Spaß.“
Toni Kroos nach dem Spiel im ZDF über ...
... den Sieg: „Wir können natürlich sehr zufrieden sein. Ich denke, dass wir einen guten Schritt nach vorne gemacht haben, einen wichtigen Schritt nach vorne gemacht haben. Das war uns eigentlich klar, weil es der letzte, ja, so langsam die letzten Schritte sind Richtung EM, sich so ein bisschen ein Gefühl zu holen und ja, das nehmen wir mit.
... seine Rückkehr und den damit verbundenen Erfolg: „Es wurde einiges geändert. Ich glaube, das war ja ein bisschen die Frage, ob das so schnell Früchte tragen kann, diese Veränderungen, die wir gemacht haben. Wir hatten eine wirklich gute Trainingswoche, aber das hat man auch schon oft gehört, dass es mit der Trainingswoche vor dem Spiel gut war und dann hat es nicht so geklappt. Aber wir konnten das super mitnehmen in das Spiel. Ich glaube, wenn ich zum Beispiel Maxi Middelstedt sehe, der sein erstes Länderspiel macht, wie abgeklärt er das gespielt hat heute, das ist absolut hervorzuheben. Und ja, dementsprechend können wir, glaube ich, sehr, sehr zufrieden sein.“
... das Wahnsinns-Tor von Wirtz nach acht Sekunden: „Die Standardtrainer haben ja genug Zeit gehabt jetzt vier Monate, um sich das alles auszudenken und das war, kann man sagen, in der Tat geplant.“
DFB-Präsident Bernd Neuendorf vor dem Spiel im ZDF über ...
... den Ausrüster-Wechsel: „Ich habe mich sehr gewundert über die letzten Tage und über einige Äußerungen, insbesondere aus der Politik. Das hat mich schon ein Stück weit fassungslos gemacht, was da gesagt wurde. Eigentlich ohne Kenntnis von Fakten, ohne Kenntnis von Hintergründen, sich so zu äußern.“
... die Hintergründe des Wechsels: „Die Hintergründe waren einfach so, wie wir es erläutert haben. Wir hatten ein Angebot, das weit über dem von anderen Konkurrenten lag. Insofern ist uns die Entscheidung fast abgenommen worden. Wir haben ganz klar hier entscheiden müssen. Ich werde mich nicht dafür entschuldigen, weil bei uns geht es darum, dass wir den Verband nicht schädigen. Das hätten wir mit Sicherheit getan, wenn wir auf dieses Angebot nicht eingegangen wären.“
... die Kritik von Wirtschaftsminister Habeck: „Ich muss sagen, ich finde die Äußerungen, insbesondere aus der Politik und auch vom Wirtschaftsminister, gerade von ihm, sehr eigenartig. Hier geht es um Wettbewerb, hier geht es um Marktwirtschaft. Sicherlich stehe ich auch gerne zur Verfügung, dem Minister, um die Hintergründe nochmal zu erläutern. Aber es ist auf jeden Fall sehr bemerkenswert, was da stattgefunden hat. Nochmal: Wir sind ein gemeinnütziger Verband und dieses Geld hilft uns ganz extrem, auch wenn es darum geht, unsere Amateure und den Fußball zu entwickeln, Talente, Nachwuchsförderung zu betreiben. Darum geht es im Kern. Und das ist das, wofür wir uns nicht entschuldigen müssen.“
... die Zukunft von Julian Nagelsmann: „Zunächst mal ist es so, das haben wir ja auch immer betont und das tun auch alle Seiten: Wir fühlen uns sehr wohl in dieser Konstellation, also auch mit Rudi Völler, mit Julian Nagelsmann, mit Andreas Rettig. Wir sind insgesamt ein gutes Team, verstehen uns wirklich gut, tauschen uns sehr intensiv aus, haben oft die gleichen Ansichten und klar ist jetzt auch der Wunsch des Trainers hinterlegt worden, Klarheit zu schaffen, möglichst vor der EM. Ich habe auch schon gesagt, diesem Wunsch werden wir uns nicht verschließen.
... eine mögliche Weiterbeschäftigung von Nagelsmann: „Wir werden jetzt, denke ich, nach den beiden Länderspielen, zeitnah die Gespräche dann suchen. Wir reden regelmäßig miteinander, aber wir werden dann einfach schauen, wie die Perspektive ist. Aber von unserer Seite aus ist es absolut wünschenswert, sehr harmonisch, wie gesagt. Und ja, ich glaube, von unserer Seite würde dem nichts entgegenstehen, aber klar, wir müssen miteinander sprechen und ich bin sehr zuversichtlich, dass wir dann auch zügig zu einem Ergebnis kommen.“
Bundestrainer Julian Nagelsmann vor dem Spiel im ZDF über ...
... die Frage, wie viel Mut er auf einer Skala von eins bis zehn hat: „Das sollen andere beurteilen. Aber wenn ich mich selbst beurteilen müsste, würde ich schon eine höhere Zahl nehmen als eine fünf auf jeden Fall. Ich glaube, wir haben wieder eine mutige Kaderentscheidung getroffen und auch heute, glaube ich, eine mutige Entscheidung von Beginn an. Das habe ich ja auch gesagt: Dass ich den Mut auch einfordere.“
... das anstehende Spiel: „Ich bin sehr, sehr gespannt. Ich glaube, nicht ganz so gespannt wie ihr, weil ich schon einen guten Eindruck vom Training hatte. Das ist natürlich schon ein kleiner Vorteil, dass ich die Jungs jetzt schon gesehen habe. Auch im Hotel, wie sie miteinander umgehen. Da holt man sich auch Feedback aus der Mannschaft, wie die Zusammenstellung ist auf menschlicher Basis, aber auch inhaltlich, fußballerisch und das Feedback war nur positiv. Von dem her bin ich gespannt, aber auch guter Dinge.“
... Kai Havertz als Stürmer: „Kai bringt für mich eine Komponente mit rein, die wir sonst wenig haben. Das ist einfach Tempo in die Tiefe. Wir haben mit den drei Zehnern dahinter eher Spieler, die alle gerne den Ball am Fuß wollen. Auch wenn Leroy wieder da ist: Das ist auch einer, der gerne den Ball am Fuß will. Das sind alles keine Spieler, die ständig tiefe Läufe machen. Machen sie schon, aber nicht so gerne. Da haben sie andere Stärken. Und Kai ist einer, der beides verkörpert. Er kann gut mit dem Rücken zum Tor spielen, kann Bälle festmachen. Er hat zuletzt viel getroffen in Arsenal. Er hat oft zentrale Spitze gespielt. Aber er hat eben auch die Fähigkeit, tief zu laufen. Das macht er schon sehr, sehr gut. Er hat einfach ein sehr gutes Tempo. Und die Komponente brauchen wir, wenn der Gegner mal tiefer verteidigt. Einfach noch einen Spieler zusätzlich, der auch mal hinter die Kette läuft.“
... Kroos und Andrich: „Toni hat zuletzt in Madrid, finde ich, extrem gute Zweikampfwerte gezeigt. Er macht das sehr, sehr gut. Ungewöhnlich mit dem Alter. Er ist stabiler geworden. Er macht das richtig gut. Und Rob ist einer, der gut Fußball spielt. Keiner, der nur holzt. Aber er ist von der physischen Präsenz her einer, den wir auch brauchen.“
... Marc-André ter Stegens Reaktion auf die Nachricht, dass er die Nummer zwei sein wird: „Mit einer guten Akzeptanz, das ist mal das Wichtigste. Sehr professionell, er hat es sehr erwachsen aufgenommen. Natürlich war er enttäuscht und traurig, ich glaube, das kann sich jeder vorstellen. Es war eines der unangenehmsten Gespräche von allen, die ich hatte, weil er es generell auch verdient hätte, im Tor zu stehen, von Beginn an, wie er es jetzt heute macht. Er wirkte jetzt nicht überrascht, aber er hätte natürlich lieber eine andere Botschaft bekommen, ich glaube, das ist normal. Er weiß, dass er immer da sein soll, weil einfach für beide Spieler eine gewisse Verletzten-Historie da ist, die dazu führen kann, dass vielleicht der eine mal ausfällt. Das ist bei Manuel der Fall und Marc muss da sein, das haben wir ihm im Gespräch gesagt. Er hat zwei herausragende Spiele jetzt und hat eine große Bedeutung für uns, auch wenn er die Botschaft so bekommen hat, wie er sie bekommen hat.“
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