Handball-Europameister feiert deutschen Auftakt – Sonderlob für Schlüsselspieler
VonMelanie Gottschalk
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Jan Immel wurde 2004 selbst Europameister. Bei der EM 2024 ist er Zuschauer – kann sich aber trotzdem in die Gefühlswelt des DHB-Teams hineinversetzen.
Frankfurt – Wer sich mit Handball auskennt, dem ist der Name Jan Immel sicher ein Begriff. Der heute 47-Jährige spielte viele Jahre in der Bundesliga, wurde darüber hinaus 2004 mit dem DHB-Team Europameister und gewann im selben Jahr Olympisches Silber. Mittlerweile ist Immel als Lehrer tätig, Handball hat aber natürlich immer noch einen Platz in seinem Leben – heute allerdings nur noch als Zuschauer.
Rekordkulisse bei Deutschland-Auftakt der Handball-EM 2024: „Highlight für jeden“
… die Rekord-Kulisse: „Das muss man selbst erlebt haben. Ich war nicht vor Ort, aber ich glaube, dass das ganz speziell ist, weil da wirklich fast 50.000 Menschen für Deutschland sind. Ich weiß nicht, wie viele Schweizer in der Menge waren, aber der Großteil ist für eine Mannschaft. Ich hatte nach dem Ende meiner Karriere das Vergnügen, das Weltrekordspiel zum ‘Tag des Handballs’ in Frankfurt mitzumachen, aber als Einlagespiel vor dem eigentlichen Spiel. Das war auch schon beeindruckend, weil du auf einmal merkst, wie weit das alles weg ist. Das ist nochmal was ganz anderes. Wir haben tagsüber gespielt, das war jetzt abends, mit anderen Lichtverhältnissen und so weiter. Aber zu sehen, dass die Leute mehr oder minder für ein Team da sind, ist ja eher ungewöhnlich und ein Highlight für jeden, der das erlebt hat.”
DHB-Team dominiert die Schweiz bei EM-Auftakt: „Erstes Turnierspiel ist immer eine besondere Sache“
… die deutsche Dominanz gegen die Schweiz: „Mit den Namen, die sie haben und auch Portner im Tor, der ja trotzdem gut gehalten hat, können die Schweizer dir, wenn es eng bleibt, richtig Probleme machen. Der Abwehrchef Röthlisberger ist natürlich ausgefallen, das tut den Schweizern, glaube ich, richtig weh. Die Deutschen hatten am Anfang ein bisschen Eingewöhnungszeit, aber das ist normal. Ein Spiel geht ja nicht gleich mit 7:0 oder 8:0 los, sondern es dauert immer einen Moment, bis man sich auf den Gegner einstellt, bis man sich eingespielt hat – und auch das erste Turnierspiel ist immer eine besondere Sache. Aber dann war es schon sehr dominant. Gleichzeitig muss ich aber auch sagen, dass ich ein bisschen enttäuscht von den Schweizern war, die weggebrochen sind. Natürlich sind sie wahrscheinlich deshalb weggebrochen, weil Abwehr und Torwart so überragend standen. Da wird es schwer für die Schweizer. Sie haben zusätzlich nicht die Breite, das hat man gemerkt. Da sind halt sieben oder acht Leute und dann wird es dünn.”
Handball-EM 2024: Der deutsche Kader im Kurzporträt
Europameister Jan Immel lobt Andreas Wolff: „Die Entspanntheit tut gut“
… die überragende Leistung von Andreas Wolff: „Ich habe mir im Vorfeld die Berichte in der ARD-Mediathek angeschaut, da gibt es ja Porträts über einzelne Spieler und Trainer. Ich glaube, er ist aufgrund seines Alters etwas ruhiger geworden, er hat ja auch Mentalcoaching genommen. Er sieht das ganze jetzt etwas entspannter und nicht mehr ganz so verbissen. Diese Entspanntheit tut gut. Man muss aber auch dazu sagen: Die Schweizer waren vielleicht nicht das Maß aller Dinge. Es wird sich erst zeigen, wenn wir stärkere Gegner vor der Brust haben. Aber auch der Angriff hat noch nicht überragt. Da war noch viel Stückwerk. Ich fand, Johannes Golla ist beispielsweise gar nicht zur Geltung gekommen. Bei jedem Turnier werden aber Torwart und Abwehr entscheidend sein, die werden den Ausgang größtenteils entscheiden.“
Nächster DHB-Gegner Nordmazedonien hat bei Handball-EM „schon richtig Druck“
… das nächste Spiel gegen Nordmazedonien: „Nordmazedonien hat jetzt auch schon richtig Druck, wenn sie noch eine Chance haben wollen. Das heißt, das wird auch nochmal ein ganz wichtiges Spiel. Die ersten beiden Spiele sind zum Reinkommen in das Turnier immer unglaublich wichtig. Nordmazedonien hat auch viele Spieler, die international unterwegs sind, die auch mal in Deutschland gespielt haben. Es ist eine Mannschaft, die durchaus auch mal provozieren kann und viel mit dem siebten Feldspieler agiert. Sehr unangenehm. Zudem haben sie einen Trainer, der zwar ein Trainernovize ist, aber als Spieler viele Länderspiele gemacht hat, in der Champions League gespielt hat. Sie haben mit Kiril Lazarov also einen sehr ausgefuchsten, ehemaligen Spieler. Es wird interessant, welche Taktik er fährt. Doch auch hier ist es ähnlich, wie bei der Schweiz: Sie haben nicht die Breite. Vielleicht unangenehm daran ist, dass man die Spieler nicht so gut kennt. Bei der Schweiz kennt man die Spieler eher als bei Nordmazedonien, die in Ligen spielen, die wir nicht kennen. Das wird die Aufgabe des Trainer-Teams sein, die Mannschaft darauf einzustellen. Die Mannschaft hat jetzt ein bisschen Luft, aber es ist auch gut, der Trainer konnte alle Spieler ins Turnier reinholen. Im Moment hat man den Eindruck, dass die Mischung stimmt. Wie gesagt, es gab noch keinen Härtetest, aber beispielsweise Hanne und Heymann, die hinten dran kommen, bringen ihre Qualitäten mit. Da muss man schauen, wie sich das entwickelt.“ (msb)