EM 2024

Deutschlands EM-Gegner in Gruppe A: Was sind die alle unangenehm

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Wer hätte ihn nicht gerne im Team: Granit Xhaka
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Deutschland ist klarer Favorit in Gruppe A - und trotzdem gilt Vorsicht: Schottland spielt schon lange kein Kick and Rush mehr, Ungarn ist ein kleiner Angstgegner und die Schweiz hat ein beneidenswertes Uhrwerk: Granit Xhaka.

Der alte Reflex ist: Man muss Zweiter in der Gruppe werden. Aber: Das ist gar nicht zwingend. Seit die Europameisterschaft von 16 auf 24 Teilnehmer aufgestockt wurde (2016 war das), kommen auch die vier besten Dritten weiter. Also ist die Vorrunde nicht mehr ganz so schicksalsträchtig, man kann sich sogar einen Aussetzer leisten. Hat die deutsche Mannschaft aber nicht vor. Sie hat Gegner zugelost bekommen, vor denen sie auf der Hut sein sollte, das gebietet schon der Professionalismus. Doch mit dem Heimvorteil, den sie bei ihren Spielen in München, Stuttgart und Frankfurt erleben wird, ist sie Favorit.

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Schottland, der Kontrahent zum Auftakt am 14. Juni in München, nötigte dem deutschen Bundestrainer Julian Nagelsmann durch ein Spiel Respekt ab, das es krachend verlor: 0:4 gegen die Niederlande. „Aber die Schotten hätten zur Halbzeit 5:0 führen müssen“, sagt der DFB-Coach. Er bittet, die Vorstellung vom traditionellen britischen Kick and Rush zu vergessen, „so spielen sie nicht mehr“. Außerdem: Schottlands Nationalteam sei auch kein Abbild der faden schottischen Liga, in der es wenig Konkurrenzkampf gibt, sondern: „Die meisten stehen in der Premier League unter Vertrag.“ Wie Andrew Robertson, der Kapitän, Klopp-Schüler beim FC Liverpool.

Ungarn: Sowas wie ein Angstgegner

Ein kleines England also, das aber lockerer an die Sache herangehen kann. Schon bei einem Turnier dabei zu sein gilt als Ereignis, die Fans werden für den vielleicht besten Support sorgen. Klassische Konstellation für einen Außenseiter, den es über die Vorrunde hinaustragen kann.

Wie unangenehm Ungarn (19. Juni, Stuttgart) zu bespielen ist, das haben deutsche Mannschaften in jüngerer Vergangenheit leidvoll erfahren. Bei der EM 2021 mühte sich die DFB-Elf in München zu einem 2:2 in der Vorrunde, man erinnert sich an Leon Goretzkas Herzjubel, in dem eine politische Botschaft steckte, aus dem aber auch die Erleichterung sprach, die Partie ohne Niederlage überstanden zu haben. Die setzte es dann aber in der Nations League 2022.

Da hatten die Deutschen gute Chancen, ihre Gruppe zu gewinnen und sich für das Final-Four-Turnier im Sommer 2023 zu qualifizieren, was ihr ausdrücklicher Wunsch war – doch die Vorsätze zerstoben mit einem 0:1 in Leipzig. Auch beim Hinspiel in Budapest (1:1) hatte man sich schwergetan, keinen Zugriff gefunden auf das vom Italiener Marco Rossi zu strenger taktischer Disziplin gecoachte Team. Das 0:1 im September 2022 war nach einem Jahr im Amt die erste Niederlage für Hansi Flick als Bundestrainer – und ein Vorbote des Niedergangs bei der WM in Katar und den Monaten danach.

Ohne Frage (und auch wenn das beim DFB niemand zugeben wird): Ungarn ist ein kleiner Angstgegner. Motiviert auch dadurch, dass einige ungarische Spieler wie die Leipziger Peter Gulacsi und Willi Orban (in einem früheren Leben Kapitän der deutschen U21-Nationalmannschaft), der Berliner Andras Schäfer und der Freiburger Roland Sallai einen engen Bezug zur Bundesliga haben. In der brillierte auch (für Leipzig) Dominik Szoboszlai, das beste Stück seines Landes, nun in Liverpool unter Vertrag.

Viele alte und aktuelle Bekannte wird man im Team der Schweiz antreffen. Die vermeintliche Nur-Wintersport-Nation hat sich mit wissenschaftlicher Trainerausbildung und Investition in den Nachwuchs im Fußball den Status einer konstanten Top-20-Nation erarbeitet, bei der es nicht mehr eine Überraschung, sondern Normalität ist, wenn sie sich für die großen Turniere qualifiziert. Bei der letzten EM kegelten die Eidgenossen im Achtelfinale via Elfmeterschießen die Franzosen raus, bei der WM in Katar ließ sie Kamerun und Serbien hinter sich und nervte Brasilien bei der 0:1-Niederlage. Der gute Eindruck wurde halt durch das 1:6 gegen Portugal im Achtelfinale pulverisiert.

Yakin unter Beobachtung

Für Murat Yakin war Katar das erste Turnier, das er als Trainer der „Schwyzer Nati“ verantwortete. Weil die EM-Qualifikation mit Gruppenplatz zwei hinter Rumänien) aber etwas schmucklos verlief, steht er unter kritischer Beobachtung. Doch beim Blick auf das ihm zur Verfügung stehende Personal muss ihm nicht bange sein. Da kommen etliche Spieler aus einer für sie herausragenden Vereinssaison: Spielmacher Granit Xhaka (Leverkusen), Ruben Vargas (Augsburg), Manuel Akanji (Manchester City), die Torhüter Yann Sommer (Inter Mailand) und Gregor Kobel (Dortmund).

Fazit aus deutscher Sicht: Auf zwei Gegner (Ungarn, Schweiz) wird man sich gut einstellen können. Schottland ist der unbekannte Faktor. Letzte Begegnung: 2015 in der Qualifikation zur EM 2016.

Seine Schusstechnick ist Kunst: Dominik Szoboszlai

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