WM-Ticket gesichert

Deutschland macht die Welle beim Kantersieg gegen Slowakei zur WM-Qualifikation

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Leroy Sané überzeugt mit zwei Toren. Die deutsche Mannschaft sichert sich das WM-Ticket 2026 ohne den Umweg über die Relegation.

Leipzig – Bereits in der 42. Minute fing die Mehrzahl der 42.000 Zuschauern in der Leipziger Arena an, den guten alten Gassenhauer „Oh wie ist das schön – so was ham wir lange nicht gesehn“ in vornehmlich sächsischer Tonart zu präsentieren. Es folgte La Ola, wohl schon mit Kennerblick auf den WM-Co-Austragungsland Mexiko.

Kollektive Freude im DFB-Team.

Denn kurz vor der Pause führte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bereits uneinholbar 4:0 gegen die Slowakei, und somit war früh klar: Deutschland kommt im nächsten März um eine Relegation zur Teilnahme an der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 vorbei. Stattdessen können die Buchungsmodalitäten für die Mammutveranstaltung im kommenden Sommer vorangetrieben werden.

Schlotterbeck und Kimmich geben Halt

Die Treffer zum 6:0-Erfolg für ein DFB-Team, das dem Hyperdruck tapfer trotzte, erzielten in seiner Phase der fußballerischen Wiederauferstehung Leroy Sané mit einem Doppelpack, Nick Woltemade mit seinem vierten Tor im dritten Spiel in Folge, Serge Gnabry sowie die eingewechselte Leipziger Heimschläfer Ridle Baku und Assan Ouedraogo.

Hilfreich ist dabei sicherlich gewesen, dass wie erwartet Joshua Kimmich und Nico Schlotterbeck rechtzeitig matchfit gemacht worden waren. Ein Verzicht auf diese beiden Führungskräfte hatte unbedingt vermieden werden sollen, sie gaben dem Team den Halt, der noch drei Tage zuvor beim 2:0-Sieg in Luxemburg nur in homöopathischen Dosen erkennbar gewesen war.

Sechsmal die Zwei – einer gar mit Bestnote: Deutschland-Noten gegen Slowakei

Sport - Fussball - UEFA Nations League - Viertelfinale - Deutschland vs Italien  23.03.2025
Oliver Baumann: Abgesehen von seiner Parade in der ersten Hälfte, als er sich ganz lang machen musste, um den Ball noch um den Pfosten zu lenken, war es ein ruhiger Abend. Note: 3 © IMAGO/Herbertz / Nico Herbertz
UEFA Nations League Spiel um Platz 3 - 24/25 - Deutschland - Frankreich
Joshua Kimmich: Der Kapitän meldete sich zurück – und gleich war ein anderer Zug im deutschen Spiel. Seine Flanke zum 1:0 durch Nick Woltemade war perfekt geschlagen. Seine Rolle als Rechtsverteidiger interpretierte er recht „zentrumlastig“ und unterstützte das Mittelfeld im Ballbesitz als dritter Mann. Note: 2 © IMAGO/osnapix / Marcus Hirnschal
Sport - Fussball - UEFA Nations League - Viertelfinale - Deutschland vs Italien  23.03.2025
Jonathan Tah: Die slowakischen Angreifer forderten den Abwehrchef kaum. Und wenn, dann war Tah zur Stelle. Note: 3 © IMAGO/Herbertz / Nico Herbertz
Nico Schlotterbeck: Ohne Einsatz im Kader
Nico Schlotterbeck: Beherzte Zweikampfführung, clevere Grätschen und eine starke Spieleröffnung: Schlotterbeck hielt die deutsche Abwehr weitgehend zusammen. Note: 2 © IMAGO/Revierfoto
Deutschland - Frankreich
David Raum: Auf der linken Seite wirkte der Leipziger in der Vorwärtsbewegung etwas isoliert, seine Flanken hatten nicht die gewohnte Präzision. Note: 3 © IMAGO/Revierfoto
Aleksandar Pavlović: Ohne Einsatz im Kader
Aleksandar Pavlović: Beeindruckend, wie präzise der Münchner einen Distanzball nach dem anderen aus dem Fußgelenk schüttelte. Pavlovic bewies unglaubliche Passstärke und Gefühl für den freien Raum. Note: 2  © IMAGO/Revierfoto
CALCIO
Leon Goretzka: Bis zu seiner sehenswerten Vorbereitung zum 2:0 durch Serge Gnabry war von Goretzka wenig zu sehen. Auffällig: Beim anschließenden Torjubel lief er nicht zum Torschützen, sondern ließ sich von seinen umstehenden Kollegen feiern. Note: 3 © IMAGO/STUDIO FOTOGRAFICO BUZZI SRL
Leroy Sanè: Ohne Einsatz im Kader
Leroy Sanè: Zweites Spiel nach seiner DFB-Begnadigung, zweiter starker Auftritt. Sané hatte gegen die Slowakei sichtlich Spaß auf dem Feld – nicht nur wegen seiner Vorlage und seinem Doppelpack. Der Linksfuß war viel unterwegs und haute sich rein. Er tat genau das, was Bundestrainer Julian Nagelsmann von ihm erwartet. Note: 1 © IMAGO/Franziska Gora
GER, Herren, UEFA NATIONS LEAGUE FINALS 2025, Halbfinale, Deutschland - Portugal
Serge Gnabry: Nach anfänglichem Pech im Torabschluss netzte der Münchner zum 2:0 ein. Auch defensiv arbeitete Gnabry fleißig zurück. Note: 2 © IMAGO/Ulrich Hufnagel
Deutschland - Frankreich
Florian Wirtz: Im Abschluss weiter unglücklich, das interessierte nach seinen beiden traumhaften Vorlagen am Montagabend aber niemanden mehr. Der deutsche Ausnahmefußballer arbeitete sich Schritt für Schritt aus seiner persönlichen Krise. Note: 2 © IMAGO/Revierfoto
UEFA Nations League Spiel um Platz 3 - 24/25 - Deutschland - Frankreich
Nick Woltemade: Überzeugte nicht nur als Torschütze, sondern konnte auch fußballerische problemlos mithalten. Woltemade ließ sich immer wieder fallen, um am Kombinationsspiel teilzunehmen und Räume zu schaffen. Starker Auftritt! Note: 2  © IMAGO/osnapix / Marcus Hirnschal
Felix Nmecha: Ohne Einsatz im Kader
Felix Nmecha (ab 46. für Pavlovic): Fügte sich problemlos ins Mittelfeldzentrum ein und überzeugte – wie schon zuletzt beim Sieg in Luxemburg. Note: 3 © IMAGO/Revierfoto
Malick Thiaw
Malick Thiaw (ab 64. für Schlotterbeck): Fügte sich gleich einmla mit einer Gelben Karte ein. Ohne Bewertung. © IMAGO/Michael Taeger
Ridle Baku: Ohne Einsatz im Kader
Ridle Baku (ab 64. für Kimmich): Übernahm die Position des Captains und traf sogar zum 5:0. Ohne Bewertung.  © IMAGO/Markus Ulmer
Nathaniel Brown für das DFB-Team.
Nathaniel Brown (ab 74. für Raum): Zweites Länderspiel für den SGE-Star. Ohne Bewertung. © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Meusel
Assan Ouedraogo
Alassane Ouedraogo (ab 77. für Wirtz): Feierte sein Debüt und setzte nach nicht einmal drei Minuten dem Ganzen mit seinem Treffer zum 6:0 die Krone auf. Ohne Bewertung.  © IMAGO/Michael Taeger
Finn Dahmen: Ohne Einsatz im Kader
Finn Dahmen: Ohne Einsatz im Kader © IMAGO/Maik Hölter/TEAM2sportphoto
Deutschland - Italien
Alexander Nübel: Ohne Einsatz im Kader © IMAGO/Dennis Ewert/RHR-FOTO
2024/25
Waldemar Anton: Fußballerisch kam der Dortmunder an seine Grenzen – und das gegen einen Fußballzwerg wie Luxemburg. Man mag sich kaum vorstellen, was Superstars bei einer Weltmeisterschaft mit Anton anstellen würden. Note: 5 © IMAGO/Germany v Portugal
Germany v France - UEFA Nations League
Karim Adeyemi: Ohne Einsatz im Kader © IMAGO/Photo Goal Pix/Matteo Ciambelli
CALCIO
Jamie Leweling: Ohne Einsatz im Kader © IMAGO/STUDIO FOTOGRAFICO BUZZI SRL
Kevin Schade: Ohne Einsatz im Kader
Kevin Schade: Ohne Einsatz im Kader © IMAGO/Avanti/Ralf Poller
Jonathan Burkardt: Ohne Einsatz im Kader
Jonathan Burkardt: Ohne Einsatz im Kader © IMAGO/Markus Ulmer
Said El Mala
Said El Mala: Nach dem Luxemburg-Spiel zur U21. © IMAGO/Marco Steinbrenner/DeFodi Images
Noah Atubolu: Ohne Einsatz im Kader
Noah Atubolu: Nicht im Kader © IMAGO/Ulrich Hufnagel

Für Schlotterbeck und Kimmich, die sich jeweils mit Monstergrätschen einführten und zur Belohnung nach einer guten Stunde vorzeitig gehen durften, waren wie erwartet Waldemar Anton und Baku auf die Bank gerutscht, wo auch der zuletzt wegen illegalen Waffenbesitzes in die Schlagzeilen geratene Karim Adeyemi nach seiner Gelbsperre wieder hockte. Denn an dem formstarken Sané gab es erst einmal kein Vorbei.

Bundestrainer Julian Nagelsmann hat somit die wichtigste Partie seiner inzwischen mehr als zweijährigen Bundestrainerkarriere schadlos überstanden, einer Karriere als Nationalcoach, die bisher mit so vielen Auf und Abs wie die Mexiko-Welle verlaufen ist – ehe er nun mit einem dicken Auf das Jahr 2025 beendete.

An der Aufstellung gab es diesmal nicht viel herumzumäkeln, wenngleich das zentrale defensive Mittelfeldduo Leon Goretzka/Aleksandar Pavlovic bei seinen bisherigen gemeinsamen Auftritten im Adlertrikot nie wirklich überzeugt hatte. Doch den von ihm hochgelobten Felix Nmecha statt des erfahrenen Goretzka von Beginn an aufzustellen, traute sich Nagelsmann denn doch nicht. Er brachte den Dortmunder zur Pause für Pavlovic.

Kein Fehler, wie man schon früh erkennen konnte. Das 2:0 bereiteten Goretzka und Pavlovic gar im Tandem in Präzisionsarbeit vor. Und zwar durch die Mitte, nachdem die Gastgeber das Spiel fast durchweg breit gemacht hatten.

Slowaken flüchten wie Mäuse vor Katzen

Es war bis kurz vor Spielbeginn ein gruseliger Abend in Leipzig mit kaltem Wind und Regen gewesen, der so ein bisschen mit der vermuteten Bibberstimmung im DFB-Team korrespondierte. Der November zeigte sich von seiner schlechten Seite, die deutsche Mannschaft von ihrer besten. Nagelsmann hatte seine Mannschaft „mutiger und zielgerichteter“ erleben wollen und die Devise ausgegeben. „Wenn wir 45 Meter vorm Tor sind, sind wir richtig gut, nur müssen wir da öfter hinkommen.“

Das gelang dem Team, in dem der Frankfurter Nathaniel Brown noch 20 Minuten Einsatzzeit bekam, sehr eindrucksvoll. Von Beginn an drückte Deutschland die wie elf Mäuse vor elf Katzen flüchtenden Slowaken in die Defensive. Das Pressing funktionierte nahezu im FC-Bayern-Style. Die armen Gäste wussten gar nicht, wo ihnen die Köpfe standen. Von dem Chaos in der deutschen Abwehr veranstaltenden Fußball aus dem Hinspiel war kaum einmal etwas zu sehen.

Florian Wirtz spielte klasse beim 6:0-Sieg über die Slowakei.

Auffällig auf deutscher Seite: Auch der zuletzt vielgescholtene Florian Wirtz spielte klasse. Zwei Treffer bereitete er mustergültig vor, beim zweiten hatte er sich den Ball zuvor sogar höchstpersönlich erkämpft, ehe seine gefühlvolle Chipflanke Sané erreichte. Zuvor fand sein 35-Meter-Pass denselben Sané nicht weniger präzise.

Es wird nun spannend zu beobachten, ob die Wundertüten von Julian Nagelsmann dieses Niveau bei den im März stattfindenden Testspielen kompensieren können. Oder ob die an Rückschlägen reiche bisherige Nagelsmann-Episode noch weitere weniger unterhaltsame Kapitel hinzufügt?

Rubriklistenbild: © IMAGO/Markus Ulmer

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