DFB-Kader

DFB-Elf: Nagelsmanns neue Rollenspiele

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Mal sehen, wer bei der EM das neue Trikot überstreifen darf: Julian Nagelsmann hat es zu entscheiden.
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Ein Überblick über die Personalrochaden im DFB-Team vor den Tests gegen Frankreich und die Niederlande.

Am Montag trudelten die deutschen Fußball-Nationalspieler und bis auf den erkälteten Aleksandar Pavlovic auch jenes halbe Dutzend, das bald Nationalspieler werden soll, in der noblen Herberge in Gravenbruch ein. Julian Nagelsmann hat seinen Kader vor den Tests in Frankreich am Samstag (21.00 Uhr/ZDF) und gegen die Niederlande (20.45 Uhr/RTL) am darauffolgenden Dienstag in Frankfurt ordentlich durchgerüttelt, mancher zuvor Etablierte blieb im Sieb hängen.

Des Bundestrainers neues Credo: „Es ist wichtig, dass wir nicht die mit den größten Namen von den größten Klubs finden, sondern die 23 Passenden zueinander.“ Denn: „Es ist selten so, dass eine Mannschaft mit 20 Topstars erfolgreicher ist als eine, die vielleicht 13, 14 Stammspieler hat und drei, vier Junge, die ein Stück weit dankbar und demütig sind, dass sie dabei sind.“

Wie stellt sich die Situation drei Monate vor der Eröffnungsspiel in München gegen Schottland dar? Ein Überblick:

Tor: Nagelsmann hat neulich bereits durchblicken lassen, dass der ihm beim FC Bayern nicht gerade zugeneigte Manuel Neuer den Vorzug vor André ter Stegen erhalten wird. Aktuell will es sich öffentlich dazu nicht äußern, ehe er mit den Keepern gesprochen hat. Nur so viel: „Marc ist ein sehr intelligenter und reflektierter Spieler, der Dinge vorhersehen kann.“ Für die bei der EM offene Position hinter Neuer und ter Stegen haben Oliver Baumann (Hoffenheim) und Bernd Leno (Fulham) den Frankfurter Kevin Trapp überholt. Nagelsmanns Begründung: „Olli und Bernd sind einen Tick besser drauf als Trappo, auch stabiler in der Spieleröffnung, als es Kevin derzeit ist.“

Innenverteidigung: Mats Hummels beantwortete seine Nichtnominierung non-verbal mit einem Flugkopfballtor, das Borussia Dortmund den Sieg gegen Eintracht Frankfurt bescherte. Für den DFB-Kader reichte es auch deshalb nicht, weil Oldtimer Hummels kein Startelfkandidat für die Viererkette ist, auf die sich Nagelsmann neu festgelegt hat. „Wenn wir Mats in den ersten elf gesehen hätten, wäre es etwas anderes.“ Als Backup hinter Antonio Rüdiger und Jonathan Tah sind Waldemar Anton und Robin Koch eingeplant. Denn: „Es geht darum, die Spieler hinten dran zu finden, die die Backup-Rolle ideal ausfüllen.“ Die nicht berücksichtigten „Schlotti (Nico Schlotterbeck) und Niklas (Süle) wissen, was ich verlange und was fehlt“.

Außenverteidiger: Nagelsmann zieht links David Raum und Maxi Mittelstädt Union-Verteidiger Robin Gosens vor. Zudem könne auch Jan-Niklas Beste aus Heidenheim „problemlos links hinten spielen“. Der wie Beste erstmals nominierte Stuttgarter Mittelstädt habe statistische Bestwerte als „einer der Top vier Verteidiger der Welt“ vorzuweisen. Für Gosens ist die Nichtnominierung hart. Er hat bei den Niederlagen gegen die Türkei und Österreich wegen der Geburt seines Sohnes gefehlt, zuvor bei den guten Spielen gegen die USA und Mexiko gehörte er aber zur Startelf. Rechts stehen Nagelsmann Joshua Kimmich und Benjamin Henrichs zur Verfügung, der Stuttgarter Joshua Vagnoman, von Nagelsmann ausdrücklich namentlich erwähnt, scharrt mit den Hufen.

Doppelsechs: Toni Kroos ist zurück, Nagelsmann lobt dessen europaweit beispiellosen Topwerte im Passspiel nach vorne: „Wer heute noch Querpass-Toni schreibt, hat gar keine Ahnung von Fußball.“ Kroos wird bei der EM an der Seite von Pascal Groß oder Robert Andrich die Doppelsechs ausfüllen. Nagelsmann hat auch den Stuttgarter Angelo Stiller im Blickfeld: „Er war sehr nahe dran.“ Leon Goretzka ist vorerst außen vor, „ich sehe zwei andere vor ihm und weitere Spieler, die die Rolle dahinter besser ausfüllen können.“ Aleksandar Pavlovic zum Beispiel. Denn, so der Bundestrainer: „Er ist bei den Bayern einer der dominantesten Spieler.“

Offensives Mittelfeld: Für die drei Positionen sind in Abwesenheit des rotgesperrten Leroy Sané aktuell Kapitän Ilkay Gündogan sowie Flo Wirtz und Jamal Musiala vorgesehen. Das ist nominell Weltklasseniveau, wie nirgendwo sonst im DFB-Team. Die Jokerrolle wurde Chris Führich zugewiesen. Aus seiner überstandenen Verletzung dürfte Serge Gnabry drängen. Oder der nicht nominierte Julian Brandt. Nagelsmann: „Julian ist ein Härtefall, der eine ordentliche Saison spielt.“

Angriff: In die Rubrik „klassischer Mittelstürmer“ fällt nur Niclas Füllkrug. Ausfüllen können diese Rolle auch der in England gestählte Kai Havertz, der schnelle Maxi Beier, der umtriebige Deniz Undav, der nicht berücksichtigte Karim Adeyemi oder der unverwüstliche Thomas Müller, der laut Bundestrainer auch wertvoll ist, wenn er nicht spielt: „Er ist ein Gesicht des deutschen Fußballs. Diese Rolle kann er immer ausfüllen.“ Müller akzeptiere das. „Alle Spieler, die damit klarkommen, haben die Chance, beim Turnier dabei zu sein. Alle, die damit nicht klarkommen, dürfen es ehrlich kommunizieren, haben dann keine Chance, dabei zu sein und ersparen sich vielleicht damit selbst Ärger.“

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