VonMarius Eppschließen
Woran liegt‘s denn nun? Der DFB macht in der Krisenbewältigung keine gute Figur – und gibt den Fans wenig Anlass zur Hoffnung. Ein Kommentar.
München – Aufbruchstimmung vor der EM 2024 im eigenen Land? Fehlanzeige. Stattdessen macht sich die deutsche Nationalmannschaft ein Jahr vor dem großen Highlight zum Gespött. Die spanische Zeitung Mundo Deportivo bezeichnete die Leistung der DFB-Elf gegen Kolumbien als „lächerlich“, die französische L‘Equipe als „hoffnungslos“. Die italienische Gazzetta dello Sport feixt: „Für Deutschland geht es immer weiter bergab.“
| Hansi Flick | |
|---|---|
| Geboren: | 24. Februar 1965 (Alter 58 Jahre), Heidelberg |
| Bundestrainer seit: | August 2021 |
| Länderspiel-Bilanz: | 12 Siege, 7 Unentschieden, 5 Niederlagen |
| Ehefrau: | Silke Flick |
DFB-Krise: Flick und Völler geben kein gutes Bild ab
Die sportliche Talfahrt ist nichts Neues, tatsächlich begann sie schon vor fünf Jahren bei der WM 2018. Doch die drei Testspiele ohne Sieg markieren nach der verkorksten Winter-WM schon wieder den nächsten Tiefpunkt. Hinzu kommt: Nicht nur die Mannschaft auf dem Platz enttäuscht auf ganzer Linie – auch das Krisenmanagement der DFB-Vertreter sorgt für Kopfschütteln.
Im Fokus der Öffentlichkeit stehen vor allem Hansi Flick und Rudi Völler. Doch Bundestrainer und Nationalmannschafts-Direktor geben ein ganz schwaches Bild ab, wenn es darum geht, die schlechten Leistungen der Mannschaft zu analysieren. Kernaussage Flicks vor dem Spiel gegen Polen: „Kritisiert mich, aber lasst die Spieler in Ruhe!“
Verwirrung beim DFB: Flick nimmt Spieler in Schutz, Völler haut drauf
Lauscht man Völlers Worten, hört sich das Ganze irgendwie anders an: „Es ist definitiv eine Qualitätsfrage. Der ein oder andere ist an seine Grenzen gekommen.“ Während Flick keine Kritik an den Spielern duldet, schoss sich Völler regelrecht auf diese ein, einigen drohte er sogar mit dem EM-Aus. Flick sei dagegen „die ärmste Sau“. Ja, was denn nun? Innerhalb des DFB gibt es offenbar ziemlich unterschiedliche Auffassungen, wie die Krise bewältigt werden soll.
Flick wusste nach der Kolumbien-Pleite, dass er die Argumente nicht auf seiner Seite hat. Es wirkt aber wenig schlüssig, wenn er auf der einen Seite erkennt, dass seine Experimente „in die Hose gegangen“ seien, auf der anderen Seite aber stur behauptet: „Meine Idee vom Fußball ist die richtige.“
Nationalmannschaft tief im Schlamassel: Flick argumentiert wie ein Kind
Flicks Antwort auf die Frage, was ihn denn für die EM so positiv stimme? „Weil ich davon überzeugt bin.“ Eltern kennen derartige Aussagen von trotzigen Kindern – als Bundestrainer ist das eher keine Argumentation, mit der man die Fans auf seine Seite zieht.
Völler und auch Neuendorf gehen mit ihrer bedingungslosen Jobgarantie für Flick das Risiko einer Blamage bei der Heim-EM ein. Über die Spieler ließ „Tante Käthe“ seit seinem Amtsantritt nichts kommen, Stichwort „soll mir doch keiner sagen, die Argentinier sind besser als wir“. Nun stellt er öffentlich die Qualitätsfrage. Eine Führung im Schlingerkurs und eine Mannschaft ohne jede Stabilität – nein, momentan deutet nicht viel auf einen DFB-Aufschwung hin.
Rubriklistenbild: © IMAGO/Hans-Jürgen Schmidt

