- VonNiklas Kirkschließen
Die U17 des DFB trotzt der spanischen Überlegenheit im WM-Viertelfinale. Dabei glänzt sie mit Attributen, die man bei der Nagelsmann-Elf aktuell vermisst.
Jakarta – Die deutsche U17-Nationalmannschaft steht im Halbfinale der diesjährigen Weltmeisterschaft. Vor gut 8.000 Zuschauern in Jakarta widerstand sie einer spielerisch überlegenen spanischen Mannschaft und kämpfte sich ohne Gegentor in die Phase der letzten vier. Großer Mutmacher war dabei der leidenschaftliche Einsatz, den etwa die A-Nationalmannschaft in den letzten beiden Partien schuldig geblieben ist.
| U-17-Fußball-Weltmeisterschaft | |
|---|---|
| Austragungsort: | Indonesien |
| Endspiel: | 2. Dezember 2023, in Surakarta |
| Titelverteidiger: | Brasilien |
DFB-Bubis zeigen es Nagelsmann-Elf – Abwehrverbund rettet U17 vor frühem Rückstand
Die Marschrichtung legte Trainer Christian Wück vor der Partie klar fest. Hatte aus seiner Sicht vor allem die „individuelle Klasse“ seiner Spieler zum 3:2-Sieg über die USA im Viertelfinale verholfen, durfte man sich auf diesen Individualismus gegen Spanien nicht allein verlassen. Zu groß wäre die Gefahr, dass die Elf von José Lana die Fehleranfälligkeit, die phasenweise gegen die USA zu sehen war, bestrafen würde.
Und in der Tat übernahm „La Roja“ von Beginn an die Kontrolle über das Spiel. Mehrere hochkarätige Chancen spielten sie sich dabei in der ersten Hälfte hinaus. Vor allem dem Abwehrverbund um Eric da Silva Moreira und Finn Jeltsch war es zu verdanken, dass die DFB-Elf unbeschadet durch die Halbzeit kam. In der 17. Minute etwa, warf sich da Silva Moreira in einen Abschluss aus nur sechs Metern und verhinderte den sicheren Rückstand. Zudem konnte sich das Team auf Torhüter Max Schmitt verlassen, der kurz vor der Pause gegen Hernandez parierte.
DFB-Bubis zeigen es Nagelsmann-Elf – U17 trotzt dem spanischen Dauerdruck
Eben jener Schmitt war es auch, der kurz nach der Pause hellwach war und in der 53. Minute einen Schuss des omnipräsenten Guiu entschärfte. Getreu der einfachen Formel, dass man ein Tor kassieren wird, wenn man selbst keines schießt, ging der DFB-Nachwuchs schließlich in Führung. Bei einem Vorstoß der deutschen Mannschaft, holte Paris Brunner in der 64. Minute einen Strafstoß heraus, den er anschließend höchstpersönlich verwandelte.
Was folgte war ein langer spanischer Sturmlauf, der dank üppiger Nachspielzeit bis zur 101. Minute andauerte. Dabei wurde es immer wieder brenzlig im deutschen Strafraum. Max Schmitt konnte sich hier abermals auszeichnen, als er in der 89. Minute einen schwierigen Ball von Lopez hielt. Der Rest war kollektiver Kampf, in dem die Mannschaft dem Dauerdruck standhielt. Immer wieder wurden die Spanier an Abschlüssen und Flanken gehindert, immer wieder halfen sich die deutschen Spieler in Zweikämpfen aus. Mit der letzten geklärten Freistoßflanke wurde die Mannschaft von Christian Wück schließlich erlöst.
DFB-Bubis zeigen es Nagelsmann-Elf – tugendhafter als die A-Nationalmannschaft?
Am Ende steht ein Sieg, in dem nicht die großen spielerischen Mittel entscheidend waren. Viel mehr schaffte es die Mannschaft durch Leidenschaft und Laufbereitschaft das Tor bis zum Ende für den Gegner zu vernageln. Ist die U17 ihrer A-Nationalelf damit etwa voraus? Nach den zuletzt enttäuschenden Leistungen des DFB-Teams, kamen neben eklatanten defensiven Mängeln, auch der generelle Einsatzwille zur Sprache.
Etwa von Stefan Kuntz, dem vor allem das fehlt, was oft das Label „deutsche Tugenden“ erhält: Leidenschaft, Laufbereitschaft, Identifikation, defensive Stärke und der Umstand nie aufzugeben. Vorbei seien die Zeiten, in dem deutsche Mannschaften als unbequeme Gegner galten. Doch auch aus dem Kreis der Nationalmannschaft selbst räumte man die mangelnde Emotionalität ein, etwa in Person von Kapitän Ilkay Gündogan und Trainer Julian Nagelsmann.
DFB-Bubis bei der U-17-WM: Im Halbfianle wartet Argentinien oder Brasilien
Während die A-Nationalmannschaft in eine unruhige Winterpause geht, ist der Weg der U17 noch nicht zu Ende. Kommenden Dienstag (28. November, 9.30 Uhr) wird sie im Halbfinale auf Argentinien oder Titelverteidiger Brasilien treffen. Unabhängig vom Ergebnis hat sie dabei schon eines bewiesen, was man beim DFB verloren geglaubt hat: Dass eine Mannschaft mit kollektivem Kampf, ohne Gegentor ein Spiel gewinnen kann. (nki)
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