Unverdienter Platzverweis?

DFB-Sportdirektorin Künzer beschützt Spielerin nach Platzverweis mit peinlicher Einordnung

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Deutschland erreichte das Halbfinale der Frauen-EM. Kathrin Hendrich sah die Rote Karte. Verdient? DFB-Sportdirektorin Nia Künzer nimmt die Spielerin in Schutz.

Basel — Am Ende konnte auch Kathrin Hendrich wieder lachen und ausgelassen feiern. Beim 6:5 n.E. im Viertelfinale der Frauen-EM gegen Frankreich flog die Innenverteidigerin mit Rot vom Platz. Nach Ansicht von DFB-Sportdirektorin Nia Künzer war der Platzverweis, der durch den Video-Schiedsrichter zustande kam, sehr hart.

DFB-Sportdirektorin Künzer sieht bei Roter Karte keine Absicht

Es lief die 13. Spielminute, als Hendrich ihrer Gegenspielerin Griedge Mbock Bathy in den Haarzopf greift, und das bei einem französischen Freistoß. Ohne Not, denn der Ball verfehlt Mbock Barthy weit, sorgt Hendrich dafür, dass sich der Video-Schiedsrichter einschaltet. Da die Aktion auch noch innerhalb des eigenen Strafraums passierte, kassierte Deutschland eine Doppelbestrafung, und das nicht unverdient.

Die 33-Jährige, die für die gesperrte Carlotta Wamser (Rot gegen Schweden, ein Spiel Sperre) in die Startelf rückte, muss runter, dazu erhalten die Französinnen einen Elfmeter. Nach der Partie äußerte sich auch DFB-Sportdirektorin Nia Künzer zur unnötigen Aktion. Dabei ergreift sie Partei für Hendrich, ihre Einschätzung wirft Fragen auf.

Fußball-Europameisterschaft der Frauen - alle Titelträger im Überblick

1984 Schweden: Bei der Turnier-Premiere 1984 setzten sich die Schwedinnen im Elfmeterschießen mit 4:3 gegen England durch
1984 Schweden: Bei der Turnier-Premiere 1984 setzten sich die Schwedinnen im Elfmeterschießen mit 4:3 gegen England durch. © IMAGO/Lars Jansson/EXP/TT
1987 Norwegen: Drei Jahre später unterliegt der amtierende Europameister Schweden dem Gastgeber Norwegen. Das Finale im skandinavischen Duell endet mit 2:1.
1987 Norwegen: Drei Jahre später unterliegt der amtierende Europameister Schweden dem Gastgeber Norwegen. Das Finale im skandinavischen Duell endet mit 2:1. © IMAGO/Hanssen, Eystein
1989 BR Deutschland: Beim Heimturnier 1989 legen die DFB-Damen den Grundstein für eine große Ära. Im Finale gelingt ein 4:1 gegen Titelverteidiger Norwegen.
1989 BR Deutschland: Beim Heimturnier 1989 legen die DFB-Damen den Grundstein für eine große Ära. Im Finale gelingt ein 4:1 gegen Titelverteidiger Norwegen. © IMAGO/HORSTMUELLER GmbH
Beim Turnier in Dänemark trifft die deutsche Mannschaft abermals im Finale auf Norwegen. Dank eines 3:1 nach Verlängerung kann der Titel verteidigt werden.
1991 Deutschland: Beim Turnier in Dänemark trifft die deutsche Mannschaft abermals im Finale auf Norwegen. Dank eines 3:1 nach Verlängerung kann der Titel verteidigt werden. © IMAGO/Brun, Agnete
1993 Norwegen: Bei der vierten Finalteilnahme in Folge kehrt Norwegen zurück auf Europas Fußballthron. Im Finale schlägt die Mannschaft Gastgeber Italien mit 1:0.
1993 Norwegen: Bei der vierten Finalteilnahme in Folge kehrt Norwegen zurück auf Europas Fußballthron. Im Finale schlägt die Mannschaft Gastgeber Italien mit 1:0. © IMAGO/Lise Åserud
1995 Deutschland: Deutschland zum Dritten! Auf dem Betzenberg schlägt die DFB-Elf Schweden mit 3:2.
1995 Deutschland: Deutschland zum Dritten! Auf dem Betzenberg schlägt die DFB-Elf Schweden mit 3:2. © imago sportfotodienst
1997 Deutschland: Für den 2:0-Sieg gegen Italien erhält die deutsche Mannschaft politische Ehren. Es ist der vierte Frauen-EM-Titel in der Verbandsgeschichte.
1997 Deutschland: Für den 2:0-Sieg gegen Italien erhält die deutsche Mannschaft politische Ehren. Es ist der vierte Frauen-EM-Titel in der Verbandsgeschichte. © imago sportfotodienst
Mit dem 1:0-Erfolg über Schweden gelingt beim Heimturnier 2001 der Titel-Hattrick
2001 Deutschland: Mit dem 1:0-Erfolg über Schweden gelingt beim Heimturnier 2001 der Titel-Hattrick. © imago sportfotodienst
2005 Deutschland: Immer wieder Deutschland! Auch beim Turnier in England ist die Mannschaft nicht zu stoppen und besiegt Norwegen im Endspiel mit 3:1.
2005 Deutschland: Immer wieder Deutschland! Auch beim Turnier in England ist die Mannschaft nicht zu stoppen und besiegt Norwegen im Endspiel mit 3:1. ©  via www.imago-images.de
Feier mit Symbolkraft: Nach dem abermaligen Triumph bei der EM in Finnland wird die Mannschaft nach dem 6:2-Erfolg gegen England am Frankfurter Römer empfangen.
2009 Deutschland: Feier mit Symbolkraft. Nach dem abermaligen Triumph bei der EM in Finnland wird die Mannschaft nach dem 6:2-Erfolg gegen England am Frankfurter Römer empfangen. © imago sportfotodienst
2013 Deutschland: 2013 gelingt beim Turnier in Schweden der sechste Titel in Serie. Ein 1:0 gegen Norwegen bedeutet den bislang letzten deutschen EM-Sieg.
2013 Deutschland: 2013 gelingt beim Turnier in Schweden der sechste Titel in Serie. Ein 1:0 gegen Norwegen bedeutet den bislang letzten deutschen EM-Titel. © IMAGO/Pontus Orre/Aftonbladet/TT
2017 Niederlande: Das vorläufige Ende der DFB-Dominanz. Beim Turnier in den Niederlanden können sich die Gastgeberinnen zum ersten Mal zur Europameisterin krönen. Im Finale schlagen sie Dänemark mit 4:2.
2017 Niederlande: Das vorläufige Ende der DFB-Dominanz. Beim Turnier in den Niederlanden können sich die Gastgeberinnen zum ersten Mal zur Europameisterin krönen. Im Finale schlagen sie Dänemark mit 4:2. © Matt West/BPI/Shutterstock
2022 England: Und wieder siegen die Gastgeberinnen. Gegen England muss die DFB-Elf ein bitteres 1:2 nach Verlängerung hinnehmen. Für England ist es der erste EM-Titel.
2022 England: Und wieder siegen die Gastgeberinnen. Gegen England muss die DFB-Elf ein bitteres 2:1 nach Verlängerung hinnehmen. Für England ist es der erste EM-Titel. © IMAGO/Jonathan Brady

Künzer erkennt in TV-Aufnahmen kein Ziehen

„Sie schaut in eine ganz andere Richtung und bleibt mit den Händen in den Haaren hängen. Sie hat nicht in die Haare gegriffen. Wir möchten auf jeden Fall unterstreichen, dass keine Absicht vorliegt“, so Künzer in ihrem Statement. Was aber erkennt Künzer, die 2003 durch ein Golden Goal den WM-Titel für Deutschland sicherte, in den TV-Bildern?

Nach Absprache mit der Rot-Sünderin erklärt Künzer: „Ihr ist es wichtig zu sagen, dass sie nicht an den Haaren gezogen hat. Man sieht in den TV-Aufnahmen, dass sie in eine ganz andere Richtung schaut. Sie war natürlich sehr enttäuscht, aber auch froh, dass das Spiel so ein Ende genommen hat.“

Kathrin Hendrich sah im EM-Viertelfinale gegen Frankreich Rot.

Künzers Meinung sorgt für Unverständnis

Ganz so wohlwollend wie Nia Künzer fasst Fußballexpertin Kathrin Lehmann den Hendrich-Patzer im ZDF nicht auf. „Haare ziehen ist, wie wenn ich jemandem eine scheuern würde. Das ist glatt Rot. Und weil sie im Sechzehner drin war, ist es auch ein Elfmeter“, so das klare Statement.

Auch Martina Voss-Tecklenburg, ehemalige Bundestrainerin, vertritt diese Meinung und bescheinigt Hendrich einen Blackout. „Die Regel besagt das so. An den Haaren ziehen, die Intensität, mit Absicht: Rote Karte. Es gibt keine andere Entscheidung.“ Mit ihrer Meinung, das Haareziehen wäre unabsichtlich gewesen, steht Künzer also so ziemlich alleine da.

Nicht nur Hendrich fehlt im Halbfinale

Kathrin Hendrich selbst hatte nach dem Platzverweis keine Einsicht gezeigt, war sichtlich geschockt ob der Entscheidung. Noch weiß sie nicht, welches Strafmaß die UEFA ansetzt. Da Carlotta Wamser aber im Halbfinale gegen Spanien zurück sein wird, dürfte die deutsche Mannschaft die Rote Karte relativ schnell abhaken können. Anders sieht es bei Sarai Linder (verletzt ausgewechselt) und Sjoeke Nüsken (zweite Gelbe Karte) aus. (is)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Marc Schueler

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