DFB-Sportdirektorin Künzer beschützt Spielerin nach Platzverweis mit peinlicher Einordnung
VonIsabella Strehmann
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Deutschland erreichte das Halbfinale der Frauen-EM. Kathrin Hendrich sah die Rote Karte. Verdient? DFB-Sportdirektorin Nia Künzer nimmt die Spielerin in Schutz.
Basel — Am Ende konnte auch Kathrin Hendrich wieder lachen und ausgelassen feiern. Beim 6:5 n.E. im Viertelfinale der Frauen-EM gegen Frankreich flog die Innenverteidigerin mit Rot vom Platz. Nach Ansicht von DFB-Sportdirektorin Nia Künzer war der Platzverweis, der durch den Video-Schiedsrichter zustande kam, sehr hart.
DFB-Sportdirektorin Künzer sieht bei Roter Karte keine Absicht
Es lief die 13. Spielminute, als Hendrich ihrer Gegenspielerin Griedge Mbock Bathy in den Haarzopf greift, und das bei einem französischen Freistoß. Ohne Not, denn der Ball verfehlt Mbock Barthy weit, sorgt Hendrich dafür, dass sich der Video-Schiedsrichter einschaltet. Da die Aktion auch noch innerhalb des eigenen Strafraums passierte, kassierte Deutschland eine Doppelbestrafung, und das nicht unverdient.
Die 33-Jährige, die für die gesperrte Carlotta Wamser (Rot gegen Schweden, ein Spiel Sperre) in die Startelf rückte, muss runter, dazu erhalten die Französinnen einen Elfmeter. Nach der Partie äußerte sich auch DFB-Sportdirektorin Nia Künzer zur unnötigen Aktion. Dabei ergreift sie Partei für Hendrich, ihre Einschätzung wirft Fragen auf.
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„Sie schaut in eine ganz andere Richtung und bleibt mit den Händen in den Haaren hängen. Sie hat nicht in die Haare gegriffen. Wir möchten auf jeden Fall unterstreichen, dass keine Absicht vorliegt“, so Künzer in ihrem Statement. Was aber erkennt Künzer, die 2003 durch ein Golden Goal den WM-Titel für Deutschland sicherte, in den TV-Bildern?
Nach Absprache mit der Rot-Sünderin erklärt Künzer: „Ihr ist es wichtig zu sagen, dass sie nicht an den Haaren gezogen hat. Man sieht in den TV-Aufnahmen, dass sie in eine ganz andere Richtung schaut. Sie war natürlich sehr enttäuscht, aber auch froh, dass das Spiel so ein Ende genommen hat.“
Ganz so wohlwollend wie Nia Künzer fasst Fußballexpertin Kathrin Lehmann den Hendrich-Patzer im ZDF nicht auf. „Haare ziehen ist, wie wenn ich jemandem eine scheuern würde. Das ist glatt Rot. Und weil sie im Sechzehner drin war, ist es auch ein Elfmeter“, so das klare Statement.
Auch Martina Voss-Tecklenburg, ehemalige Bundestrainerin, vertritt diese Meinung und bescheinigt Hendrich einen Blackout. „Die Regel besagt das so. An den Haaren ziehen, die Intensität, mit Absicht: Rote Karte. Es gibt keine andere Entscheidung.“ Mit ihrer Meinung, das Haareziehen wäre unabsichtlich gewesen, steht Künzer also so ziemlich alleine da.
Nicht nur Hendrich fehlt im Halbfinale
Kathrin Hendrich selbst hatte nach dem Platzverweis keine Einsicht gezeigt, war sichtlich geschockt ob der Entscheidung. Noch weiß sie nicht, welches Strafmaß die UEFA ansetzt. Da Carlotta Wamser aber im Halbfinale gegen Spanien zurück sein wird, dürfte die deutsche Mannschaft die Rote Karte relativ schnell abhaken können. Anders sieht es bei Sarai Linder (verletzt ausgewechselt) und Sjoeke Nüsken (zweite Gelbe Karte) aus. (is)