DFB-Star Florian Wirtz: Hoffentlich nur normale Probleme eines Hochbegabten
VonFlorian Schimak
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Deutschland patzt in der Slowakei. Florian Wirtz spielt unter seinen Möglichkeiten. Ausgerechnet er muss jetzt Verantwortung übernehmen.
Bratislava – Bereits weit vor dem Anpfiff des ersten Spiels der DFB-Auswahl in der WM-Qualifikation gegen die Slowakei standen die beiden im Fokus. Aus nachvollziehbaren Gründen reisten Florian Wirtz und Nick Woltemade doch mit einem irren Ablöserucksack auf den Schultern bei der Nationalmannschaft an.
Der eine wechselte für fixe 135 Millionen von Bayer Leverkusen zum FC Liverpool, der im Erfolgsfall weitere 15 Millionen an die Werkself überweisen muss. Und der andere wurde vom VfB Stuttgart für 85 Millionen an Newcastle United abgegeben. Macht zusammen deutlich mehr als 200 Millionen Euro.
Bratislava-Blamage des DFB-Teams: Irre Ablösesummen – aber keine Leistung
Zum Vergleich: Der teuerste slowakische Spieler, der am Donnerstagabend die DFB-Elf mit 2:0 in Bratislava besiegte, wechselte kürzlich für 25 Millionen zu Atletico Madrid. Der Unterschied: David Hanko lieferte ab und erzielte den verdienten 1:0-Führungstreffer für die Slowaken – als Linksverteidiger.
Während Angreifer Woltemade in den 90 Minuten gänzlich blass blieb und nicht eine gefährliche Szene vorzuweisen hatte, war Wirtz zumindest phasenweise (wenn auch nur sehr kurze Phasen) auffällig. Allerdings ist das nicht der Anspruch des 22-Jährigen. Viel mehr wollte und sollte Wirtz die Mannschaft eigentlich mit anführen.
Einmal gibt‘s sogar die 6: Deutschland-Noten gegen Slowakei
Denn neben Joshua Kimmich wird es in Sachen Führungsspieler beim DFB-Team sehr dünn. Antonio Rüdiger, der es qua seiner Erfahrung sein sollte, erwischte gegen die Slowakei einen Katastrophenabend. Auch Jonathan Tah, der seit Sommer beim FC Bayern dort den Abwehrboss geben soll, gab der Mannschaft keinen Halt an diesem Abend.
„Er ist einer unserer besten Spieler“, adelte Julian Nagelsmann den Neu-Liverpooler Wirtz am Mittwochabend noch auf der PK. Dabei dürfte dem Bundestrainer auch aufgefallen sein, dass Wirtz an der Mersey bislang noch nicht so dominant auftritt wie in Leverkusen. „Neuer Klub, neue Liga, neue Kultur, neues Stadion“, nahm Nagelsmann dafür als Erklärung.
Alles nachvollziehbar, zumal Wirtz bewusst den schwereren Schritt in Richtung Liverpool wagte, wie er kürzlich im kicker verriet, um aus seine Komfortzone auszubrechen und erwachsen zu werden. Alles normale Probleme eines Hochbegabten.
Die Aktion vor dem Hanko-Tor könnte man also als spätpubertäres Verhalten einstufen. Dem Treffer ging nämlich ein Ballverlust von Wirtz voraus, der sich anschließend – anstatt nachzusetzen – auf einen verbalen Infight mit Gegenspieler Duda einließ und so unter anderem Debütant Nnamdi Collins alleine ließ. Dinge, die passieren können, aber nun nicht mehr sollten.
Der Weg zum Erwachsenwerden ist steinig und nicht immer leicht. Der eine macht die Schritte früher, ein anderer verharrt womöglich länger in einer bestimmten Phase. Nicht ohne Grund hat Nagelsmann seine Nummer 17 in die Pflicht genommen, weil er für eine erfolgreiche Nationalmannschaft einen Wirtz braucht, der nicht mehr nur noch der talentierte Youngster ist.
Florian Wirtz: Hoffentlich nur normale Probleme eines Hochbegabten
Diese seltene Qualität, die Florian Wirtz mitbringt, wird schon am Sonntagabend gegen Nordirland gefragt sein. Damit könnte er auch seine Akklimatisierung in Liverpool beschleunigen und wichtiges Selbstvertrauen tanken. Einfach ausgedrückt könnte man sagen: Das DFB-Team braucht Florian Wirtz dringend – und umgekehrt. (smk)