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DFL-Abstimmung: Knapper geht es nicht

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Der Protest der Fans hat nichts gebracht: 24 Klubs stimmten dem Investorendeal zu – das reicht gerade so.
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Die 36 Fußball-Bundesligisten entscheiden mit dem Mindestvotum, dass ein Investor in die DFL einsteigt. Die Kritik aus der Fanszene lässt nicht lange auf sich warten.

Nicht eine Stimme weniger hätte es sein dürfen. Mit 24 von 36 Stimmen erreichte die Abstimmung der Fußball-Bundesligisten der ersten und zweiten Liga am Montagnachmittag am Frankfurter Flughafen gerade so die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit, die nötig war, damit im neuen Jahr ein Investor 950 Millionen zahlt, um 20 Jahre lang bis zu acht Prozent der Medienrechte der Deutschen Fußball-Liga zu erwerben.

Eintracht Frankfurts Finanzchef Oliver Frankenbach zeigte sich „zufrieden“ mit dem Ergebnis. Der Vorsitzende von Mainz 05, Stefan Hofmann, sagte, man habe zwar dafür gestimmt, „aber nicht aus voller Überzeugung“. Das zeigt, wie schwierig vielen Klubs die historische Entscheidung gefallen ist. Denn sie bedeutet ja auch, dass zwar knapp eine Milliarde Euro auf die DFL-Konten fließen, über zwei Jahrzehnte hinweg aber auch mutmaßlich mehr als zwei Milliarden Euro inklusive Zins und Zinseszins zurück an den potenziellen Investor gezahlt werden müssen.

Viel Geld, das mit einer neuen Streamingplattform, mehr als den lediglich drei bisher vorhandenen Bundesligabüros in den USA, Südamerika und Asien, mehr Reisen der Bundesligisten nach Übersee und einem verstärkten Kampf gegen illegales Streaming von Bundesligaspielen erst einmal erwirtschaftet werden muss.

Entsprechend intensiv dürften nun die Verhandlungen der beiden DFL-Geschäftsführer Steffen Merkel und Marc Lenz mit den interessierten Hedgefonds werden. Der international topvernetzte Leverkusener Geschäftsführer Fernando Carro sagte zu dem Abstimmungsergebnis: „Das ist kein Blankocheck.“ Jetzt müsse die DFL-Geschäftsführung „hart verhandeln.“

Das wollen Merkel und Lenz umgehend angehen. Noch im Dezember werden die zunächst sechs Bewerber aus der Private Equity-Branche, die auf Renditen von 15 bis 17 Prozent hoffen, ihre Angebote präzisieren. Bis März kommenden Jahres soll das komplexe Vertragswerk fixiert werden. Ab April wird die DFL dann die nationalen TV- und Streamingrechte für 2025 bis 2029 ausschreiben. Sollten dabei - wie zuletzt - nicht viel mehr als 1,1 Milliarden Euro pro Saison erwirtschaftet werden können, müssten die Klubs umgehend zwischen sechs und acht Prozent (je nach Ausgang der abschließenden Verhandlungen) dieser Summe an den neuen Partner abgeben - rund 100 Millionen Euro würden in den Kassen der Klubs fehlen.

Die Hoffnung ist aber, dass mit einer Heuschrecke im Anflug vor allem der Wert der Auslandsrechte sich dynamisch entwickelt. Mit einem eigenen Streamingangebot hofft die DFL, sich viel bessere Marktchancen erkämpfen zu können und weltweit spürbar mehr als die derzeitigen lediglich 200 Millionen Euro pro Saison einzunehmen. Man wird sehen, ob das funktioniert.

Zur Einordnung: Die englische Premier League kassiert aus der internationalen Vermarktung ihrer Medienrechte mehr als das Zehnfache der Fußball-Bundesligen eins und zwei zusammen, nämlich mehr als zwei Milliarden Euro pro Saison. Aus der Inlandsvermarktung nehmen die Engländer immerhin noch fast das Doppelte der Deutschen Fußball-Liga ein, knapp unter zwei Milliarden Euro nämlich. „Wir bilden uns jetzt nicht ein, uns mit der Premier League messen zu können“, sagte Bayern Münchens Vorstandschef Jan-Christian Dreesen, dennoch sei die Entscheidung, die getroffen wurde, zukunftsweisend für die Bundesliga.

Die Abstimmung erfolgte geheim. Darauf wies hinterher auch Hannover 96-Geschäftsführer Martin Kind hin, der den Convention Center des Frankfurter Flughafens als Erster Klubvertreter überaus eilig verließ, weil er seine (offenbar pünktliche) Bahn noch erreichen wollte. Die Situation in Hannover ist besonders sensibel. Denn der Verein als Mehrheitsgesellschafter hatte Kind beauftragt, gegen einen Investoren zu stimmen. Hat der Unternehmer sich daran gehalten? Eine Frage, die besonders aufgrund der knappen Abstimmung hochinteressant ist. Kind sei „außenvertretungsbemächtigt“, erklärte DFL-Geschäftsführer Steffen Merkel. Zum Innenverhältnis bei den Niedersachsen könne er sich nicht äußern.

Der Aufsichtsratschef Hans-Joachim Watzke fehlte in Frankfurt krankheitsbedingt. DFL-Geschäftsführer Marc Lenz bezeichnete die 24 Ja-Stimmen für einen Strategischen Partner (bei zehn Gegenstimmen und zwei Enthaltungen) als „sehr gute Grundlage, um handeln zu können“. Er verwies ausdrücklich auf die „roten Linien“, die nicht überschritten werden dürften. Will heißen: Ein potenzieller Investor bekomme „keinen Zugriff auf sportliche Themen“. Also zum Beispiel auf Ansetzungen von Spielen. Das ist die große Furcht vor allem von Fanorganisationen, die sich gegen den Einstieg eines Investors ausgesprochen hatten.

Entsprechend kritisierte das Fanbündnis „Unsere Kurve“ den beschlossenen Investoreneinstieg. „Die wohlfeilen Worte der DFL in der Corona-Pause haben sich endgültig in Luft aufgelöst. Geld steht über allem“, heißt es in einer Erklärung. „Die Einzigartigkeit des deutschen Fußballs wird für ein aussichtsloses Rattenrennen mit der Premier League über Bord geworfen.“ Die DFL spräche von Weiterentwicklung, „Unsere Kurve von Rückschlag“, so die Organisation. „Die Folgen dieser Entscheidung verschärfen die ungleichen Chancen in den deutschen Ligen zugunsten eines zunehmend künstlichen Produktes der internationalen TikTok-Welt.“

Das DFL-Präsidium tagt nun bereits am Dienstag, um das weitere Prozedere zu besprechen.

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