Legendäre FCB-Geschichte

Heute vor 59 Jahren: Der Startschuss zur Weltklasse – Beckenbauer schießt die Bayern zum Pokalsieg

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Knapp ein Jahr nach seinem Bundesligaaufstieg feierte der FC Bayern mit der jungen Generation um Franz Beckenbauer seinen ersten großen nationalen Titel. Dabei war sogar das Double möglich.

Frankfurt / München - Am 4. Juni 1966 trafen die Bayern im DFB-Pokalfinale vor 62000 Zuschauern im ausverkauften Frankfurter Waldstadion – davon die Mehrheit auf ihrer Seite – auf den Meidericher SV, welcher sich nur ein halbes Jahr später in MSV Duisburg umbenannte. Die Partie war der Startschuss zur ersten herausragenden Epoche der Vereinsgeschichte, zur absoluten Weltklasse.

Aufsteiger Bayern verpasst Meisterschaft nur denkbar knapp

Es fehlte damals nicht viel und der FC Bayern wäre schon in ihrer ersten Bundesligasaison Deutscher Meister geworden – am Ende fehlten auf den Deutschen Meister 1966, den TSV 1860 München, gerade einmal drei Pünktchen. Diese wurden u.a. im ersten Bundesligaspiel der Vereinsgeschichte am 14. August 1965 im Lokalderby bei den Löwen liegen gelassen.

Die Heimtrikots des FC Bayern der letzten 20 Jahre – ein Trikot wurde schon vor der Saison zum Klassiker

In der Saison 2005/06 ging der FC Bayern mit diesem roten Klassiker an den Start. Den Spielern um Mehmet Scholl und Martin Demichelis scheint es gefallen zu haben.
In der Saison 2005/06 ging der FC Bayern mit diesem roten Klassiker an den Start. Den Spielern um Mehmet Scholl und Martin Demichelis scheint es gefallen zu haben. © IMAGO / Martin Hoffmann / Sven Simon
Saison 2006/07: Ein Jahr später hatte sich das Design bereits deutlich verändert. Nun zierten drei Streifen die Ärmel und Hosen des Trikots.
Saison 2006/07: Ein Jahr später hatte sich das Design bereits deutlich verändert. Nun zierten die Trikots drei Streifen auf den Ärmeln und Hosen. © IMAGO / ActionPictures
Das Trikot der Saison 2007/08 sorgte mit seinen weißen Querstreifen für eine Menge Aufsehen. Neuzugang Frack Ribéry präsentierte das Trikot seines neuen Arbeitgebers damals stolz.
Das Trikot der Saison 2007/08 sorgte mit seinen weißen Querstreifen für eine Menge Aufsehen. Neuzugang Frack Ribéry präsentierte das Trikot seines neuen Arbeitgebers damals stolz. © IMAGO / MIS / Dean Pictures
Im Jahr danach liefen die Bayern-Stars im selben Heimtrikot auf. Lediglich das Auswärts- und das Europapokaltrikot veränderten sich.
Im Jahr danach liefen die Bayern-Stars im selben Heimtrikot auf. Lediglich das Auswärts- und das Europapokaltrikot veränderten sich. © IMAGO / MIS
2009/10 kamen die Bayern-Trikots dann wieder etwas klassischer daher. Auf weiße Streifen wurde verzichtet. Lediglich am Kragen, den Ärmeln und den Hosen waren weiße Details eingearbeitet.
2009/10 kamen die Bayern-Trikots dann wieder etwas klassischer daher. Auf weiße Streifen wurde verzichtet. Lediglich am Kragen, den Ärmeln und den Hosen waren weiße Details eingearbeitet. © IMAGO / Lackovic / Ralph Peters
2010/11 sah das dann schon wieder ganz anders aus. Die weißen Streifen waren zurück. Diesmal aber nicht quer, sondern längs.
2010/11 sah das dann schon wieder ganz anders aus. Die weißen Streifen waren zurück. Diesmal aber nicht quer, sondern längs. © IMAGO / Ulmer/Cremer
Das Heimtrikot der Saison 2011/12 wurde von den Bayern-Star Arjen Robben, Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger präsentiert. Goldene Details zierten das neue Prachtstück.
Das Heimtrikot der Saison 2011/12 wurde von den Bayern-Star Arjen Robben, Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger präsentiert. Goldenen Details zierten das neue Prachtstück. © IMAGO / Ulmer/Cremer
2012/2013 gab es keine Veränderungen am Heimtrikot. Das golden-rote Design kam bei Fans und Spielern offenbar gut an.
2012/2013 gab es keine Veränderungen am Heimtrikot. Das golden-rote Design kam bei Fans und Spielern offenbar gut an. © IMAGO / Ulmer/Cremer
Das änderte sich jedoch in der Saison 2013/14 wieder. Weiße Streifen ersetzten fortan die goldenen Details. Arjen Robben erzielte übrigens bereits im CL-Finale 2013 sein legendäres Tor in diesem Trikot.
Das änderte sich jedoch in der Saison 2013/14 wieder. Weiße Streifen ersetzten fortan die goldenen Details. Arjen Robben erzeilte übrigens bereits im CL-Finale 2013 sein legendäres Tor in diesem Trikot. © IMAGO / Annegret Hilse/ Sven Simon
Deutlich unkonventioneller wurde es dann in der Saison 2014/15. Blau-rote Längsstreifen machten das neue Bayern-Trikot zu einem echten Hingucker, auch wenn die Kombination auf den ersten Blick ungewöhnlich war.
Deutlich unkonventioneller wurde es dann in der Saison 2014/15. Blau-rote Längsstreifen machten das neue Bayern-Trikot zu einem echten Hingucker, auch wenn die Kombination auf den ersten Blick ungewöhnlich war. © IMAGO / Ulmer
Das Längsstreifen-Experiment hielt jedoch nicht allzu lange an. Schon in der Saison 2015/16 kehrte der FCB wieder zu seinen traditionellen rot-weißen Farben zurück.
Das Längsstreifen-Experiment hielt jedoch nicht allzu lange an. Schon in der Saison 2015/16 kehrte der FCB wieder zu seinen traditionellen rot-weißen Farben zurück. © imago sportfotodienst
Dabei blieb es auch in der darauffolgenden Saison. Ein leicht veränderter Kragen und Ärmel, sowie weiße statt rote Hosen, machten den Unterschied zum Vorgänger jedoch eindeutig.
Dabei blieb es auch in der darauffolgenden Saison. Ein leicht veränderter Kragen und Ärmel, sowie weiße statt rote Hosen, machten den Unterschied zum Vorgänger jedoch eindeutig. © IMAGO / ActionPictures/Ulmer
2017/18 feierten erneut Streifen ein Comeback. Diesmal jedoch deutlich dünner und in weiß gehalten.
2017/18 feierten erneut Streifen ein Comeback. Diesmal jedoch deutlich dünner und in weiß gehalten. © IMAGO / Sven Simon
Ein neues Jahr, ein neues Bayern-Trikot. Robert Lewandowski und Co. liefen in der Saison 2018/19 wieder in fast komplett roten Outfits auf. Ein paar weiße Streifen auf den Schultern und der Hose komplettieren den Look.
Ein neues Jahr, ein neues Bayern-Trikot. Robert Lewandowski und Co. liefen in der Saison 2018/19 wieder in fast komplett roten Outfits auf. Ein paar weiße Streifen auf den Schultern und der Hose komplettieren den Look. © FrankHoermann/SVEN SIMON
2019/20: In der Saison danach gab es sogar noch ein bisschen mehr Rot zu sehen. Die weißen Streifen auf Schultern und Hosen wurden durch rote Details ersetzt.
2019/20: In der Saison danach gab es sogar noch ein bisschen mehr rote Details. Die weißen Streifen auf Schultern und Hosen wurden durch rote Details ersetzt. © IMAGO / Sven Simon
2020/21 gab es auf den Trikots von Thomas Müller und seinen Kollegen wieder weiße Streifen zu sehen.
2020/21 gab es auf den Trikots von Thomas Müller und seinen Kollegen wieder weiße Streifen zu sehen. © IMAGO / ActionPictures
So sah das Heimtrikot der Saison 2021/22 aus. Zwei verschiedene Rot-Töne trafen in diesem Design auf weiße Akzente.
So sah das Heimtrikot der Saison 2021/22 aus. Zwei verschiedene Rottöne trafen in diesem Design auf weiße Akzente. © IMAGO / ULMER Pressebildagentur
2022/23 folgt die Rückkehr zu einem roten Trikot mit weißen Querstreifen. Damit erinnert das Design ein wenig an einige ältere Trikot-Designs.
2022/23 folgt die Rückkehr zu einem roten Trikot mit weißen Querstreifen. Damit erinnert das Design ein wenig an einige ältere Trikot-Designs. © IMAGO / Sven Simon
In der Saison danach können die Bayern-Fans dann wieder ein völlig anderes Design bestaunen. Diesmal ist das Trikot hauptsächlich weiß und wird von roten Details und roten Hosen ergänzt.
In der Saison danach können die Bayern-Fans dann wieder ein völlig anderes Design bestaunen. Diesmal ist das Trikot hauptsächlich weiß und wird von roten Details und roten Hosen ergänzt. © IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON
In der Saison 2024/25 hieß es wieder: Voller Fokus auf Rot. Die Shirts von Upamecano und Co. kommen auf den ersten Blick schlicht daher. bei genauerer Betrachtung zeigen sich jedoch einige Details.
In der Saison 2024/25 hieß es dann wieder: Voller Fokus auf Rot. Die Shirts von Upamecano und Co. kommen auf den ersten Blick schlicht daher. bei genauerer Betrachtung zeigen sich jedoch einige Details.  © IMAGO / Laci Perenyi
Auch um das mögliche Heimtrikot der Spielzeit 2025/26 gab es bereits eine Menge Wirbel. Leaks der Seite „Footy Headlines“ sollen das neue Design zeigen.
Auch um das mögliche Heimtrikot der Spielzeit 2025/26 gab es bereits eine Menge Wirbel. Leaks der Seite „Footy Headlines“ sollen das neue Design zeigen. © Footy Headlines

Der spätere Meister gewann äußerst glücklich, nicht auch zuletzt aufgrund einiger fragwürdiger Schiedsrichterentscheidungen, mit 1:0. Dies hätte aber – das Rückspiel im Januar 1966 wurde souverän mit 3:0 gewonnen – keine Rolle gespielt, wären die Bayern nicht im Meisterschaftsendspurt eingebrochen: 2:6 Punkte aus den letzten vier Bundesligapartien begruben die Titelhoffnungen endgültig.

Komplizierter Weg des FCB ins Endspiel

Den Einzug ins Pokalfinale schafften die Bayern auf spektakuläre Art und Weise. So mussten sie am 2. Januar 1966 ein Qualifikationsspiel gegen den Pokalsieger von 1965, den BVB, spielen und gewannen im Grünwalder Stadion nach Toren von Gerd Müller und Rainer Ohlhauser mit 2:0. Die Borussen dagegen vergoldeten ihren Vorjahres-Pokalsieg mit dem Gewinn des Europapokals der Pokalsieger (2:1 n.V. gegen den FC Liverpool), dem ersten Europapokalsieg eines deutschen Klubs überhaupt. Die Bayern waren dann ein Jahr später auch in diesem Wettbewerb der BVB-Nachfolger.

Auch in den nächsten Runden mussten die Bayern Schwerstarbeit verrichten und einen prominenten Ligakonkurrenten nach dem anderen eliminieren: Eintracht Braunschweig, 1. FC Köln, HSV und den 1. FC Nürnberg.

„Heimspiel“ bei großer Hitze

Bayerns jugoslawischer Coach Zlatko „Tschik“ Čajkovski vertraute im Frankfurter Endspiel folgender Mannschaft: Sepp Maier – Hans Nowak; Werner Olk; Hans Rigotti; Franz Beckenbauer – Peter Kupferschmidt; Rudolf Nafziger – Gerd Müller; Rainer Ohlhauser; Dieter Koulmann; Dieter Brenninger. Auswechslungen waren damals noch nicht möglich.

Franz Beckenbauer im DFB-Pokalfinale 1966: In jungen Jahren umkurvte er noch als Mittelfeldakteur elegant die Gegenspieler.

Zum oben bereits angesprochenen „Heimvorteil“ in Frankfurt ist in der 75-Jahres-Vereins-Chronik „Parade der Meister“ zu lesen: „Die Bayern mussten sich vorkommen wie zu Hause auf Giesings Höhen. Von einem Wald rotweißer Fahnen waren sie begrüßt worden“. Eine - im heutigen Kontext - herrliche Anspielung auf die eigene Heimat!

Bayern kommt besser ins Spiel, Duisburg geht in Führung

Es war ein Samstagnachmittagsspiel – Anpfiff um 16 Uhr – bei glühender Hitze. Wohl auch deswegen starteten beide Teams zunächst verhalten, Tempo und Intensität steigerten sich aber von Minute zu Minute. Die ersten beiden großen Torchancen hatte Gerd Müller, er scheiterte aber am deutschen Nationaltorhüter Manfred „Cassius“ Manglitz (4 Länderspiele von 1965-70; WM-Teilnehmer 1970), der jeweils glänzend parierte, auch gegen Rainer Ohlhauser.

Die Meidericher nutzten dagegen die erste große Tormöglichkeit in der 28. Minute: Nachdem der 20-jährige Franz Beckenbauer einen Zweikampf gegen den Duisburger Mittelstürmer Mielke verloren hatte, schloss dieser unhaltbar für Sepp Maier (damals 22) zum 1:0 für den MSV ab.

Der FCB dreht das Spiel

Die Bayern waren aber keineswegs von diesem Rückstand geschockt. Nur drei Minuten später – die Meidericher Fans hatten gerade „So ein Tag, so wunderschön wie heute…“ angestimmt – glich Ohlhauser per Kopfball zum 1:1 aus. Der überragende Manglitz war dieses Mal chancenlos.

Mit dem 1:1 wurden auch die Seiten gewechselt und trotz der erbarmungslosen Hitze steigerte sich das rasante Spiel nochmals. Zehn Minuten nach der Pause gingen die Münchner erstmals in Führung: Solo von Rudi Nafziger, seine anschließende hohe Flanke wird von Dieter „Mucki“ Brenninger überragend verwandelt – 2:1.

Spannendes Spiel bis zum großen Auftritt von Beckenbauer

Die Vorentscheidung? Die Bayernfans auf den Rängen feierten bereits – doch auch sie waren noch zu früh dran. Denn in der 72. Minuten glich der MSV durch einen umstrittenen Foulelfmeter durch Heidemann zum 2:2 aus. Wieder hatten die Bayern eine sehr schnelle Antwort. Nach einem Foul an Nafziger bekamen sie selbst einen Elfmeter zugesprochen, viele sprachen damals von einer „Konzessionsentscheidung“.

Nachdem keiner der Spieler hatte schießen wollen, bestimmte Coach Čajkovski Brenninger zum Schützen. Eine gute Entscheidung, denn der „Mucki“ verwandelte in der 77. Minute ganz sicher: Sein zweiter Treffer an jenem Endspielnachmittag brachte die Bayern abermals – mit 3:2 – in Führung.

Dieser Artikel entstand in einer Content-Partnerschaft mit fcbayerntotal.com

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Meiderich bäumte sich gegen die drohende Niederlage noch einmal auf. Sepp Maier, der ebenso wie Manglitz einen glänzenden Tag erwischte, musste einen spektakulären Fallrückzieher von Mielke auf gleiche Weise entschärfen. Und dann kam der Franz …

In der 82. Minute fiel dann die endgültige Entscheidung im Spiel: Der spätere „Kaiser“ Franz Beckenbauer schaltete sich in das Angriffsspiel ein und erzielte nach einem herrlichen Doppelpass mit Ohlhauser das 4:2.

München die Hauptstadt des bundesdeutschen Fußballs

In „Die Meisterelf“ von Reporterlegende Eberhard Stanjek kann man folgendes Fazit zum Spiel lesen:

Nach einem dramatischen, großen Endspiel zweier hervorragender Mannschaften erringt Bayern München also zum zweiten Mal nach 1957 den DFB-Pokal. In München haben die Fußballfans erneut Gelegenheit zum Feiern. Nach dem Triumphzug der Löwen … eine Woche später die große Bayern-Schau für den Pokalsieg. München war plötzlich die Hauptstadt des bundesdeutschen Fußballs geworden.“

Rubriklistenbild: © imago sportfotodienst

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