„Die brauchen einen Zauberer“: Dieser BVB wirkt untrainierbar
VonLars Pollmann
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Der BVB erlebt eine Demütigung beim VfL Bochum. Man kann nur Mitleid mit Trainer Niko Kovač haben. Didi Hamann erachtet das Team als untrainierbar.
Bochum/Dortmund – Borussia Dortmund hat in der Bundesliga mit einer 0:2-Niederlage beim Tabellenschlusslicht VfL Bochum einen neuen Tiefschlag eingesteckt. Nach dem Sieg in der Champions League bei Sporting unter der Woche war die Hoffnung groß, dass es endlich eine echte Trendwende geben würde. Stattdessen muss sich der BVB nach der Blamage in Bochum einmal mehr viele kritische Fragen gefallen lassen.
Trainer Niko Kovač hatte für den 3:0-Sieg in Portugal unter der Woche viel Lob erhalten, im Gegenzug die Niederlage beim Nachbarn im Ruhrgebiet am Kroaten festzumachen, wäre viel zu kurz gegriffen. Eher schon kann einem Kovač leidtun, der eine verunsicherte Mannschaft übernommen hat, der es selbst an den simpelsten fußballerischen Basics fehlt, um ein (wenn auch kleines) Revierderby in Bochum anzunehmen.
Mit seiner Kritik traf Sky-Experte Dietmar Hamann am Samstag den Nagel auf den Kopf.
Didi Hamann sieht beim BVB „Hopfen und Malz verloren“
„Sebastian Kehl hat vor dem Spiel gesagt, sie müssen erwachsen spielen. Aber sie spielen wie eine Jugendmannschaft. Professionalität, Seriosität und Leidenschaft sind nicht zu sehen, seit Saisonbeginn vor acht Monaten“, tobte der Ex-Nationalspieler. „Wenn das mit einem Jugendspieler passiert, sagst du nach acht Monaten: Entweder er ist in der Pubertät, oder er ist schlecht in der Schule, oder hat die erste Freundin.“
Da es sich beim BVB aber nicht um Jugendspieler handelt, sondern um Millionäre, die für die Gehälter beim VfL Bochum nicht einmal eine halbe Saison bestreiten würden, verschlug es Hamann fast die Sprache. „Bei der Truppe weiß ich gar nicht mehr, was ich sagen soll. Da ist Hopfen und Malz verloren. Die brauchen keinen Trainer, die brauchen einen Zauberer“, sagte der Experte nach der hochverdienten 0:2-Niederlage, die im zweiten Durchgang hätte deutlicher ausfallen können.
BVB legt auf der nach oben offenen Enttäuschungsskala nach
Mit anderen Worten hält Didi Hamann den BVB für untrainierbar. Mit dieser Frage wurde dann auch Kovač konfrontiert, der aber eher ausweichend antwortete. „Wir haben in der Champions League ein gutes Spiel gemacht, aber man muss nach drei, vier Tagen wieder spielen und die Gier haben und das nötige Selbstverständnis, dass man solche Spiele in der Bundesliga zieht. Das ist unsere Hausaufgabe, alles andere ist Schlag auf der Torte“, reagierte Kovač.
Für den Übungsleiter ist mit der Blamage in Bochum ein Bundesliga-Fehlstart perfekt, für den ihm selbst noch der geringste Vorwurf zu machen ist. „Es ist total unwichtig, was meine Person angeht, dass ich zwei Niederlagen kassiert habe. Es geht darum, dass wir einen ganz anderen Anspruch haben, jeder Spieler auch die Fähigkeiten hat, die Ansprüche nach oben zu schrauben“, sagte Kovač.
Das Schlimme ist dabei, dass die Ansprüche durch die bisherige Saison schon auf ein Mindestmaß heruntergeschraubt sind. Jeder BVB-Fan hatte nach dem Sieg in Lissabon die Befürchtung, dass die Mannschaft mal wieder auf ein Highlight einen Rückfall folgen lassen würde. Am Samstag in Bochum legte das Team auf der nach oben offenen Enttäuschungsskala einen neuen Bestwert auf.
BVB holte nur vier Punkte seit der Beurlaubung von Nuri Şahin
Auch dem letzten Beobachter wird völlig klar, dass die Probleme weitaus tiefer gehen, als in Person von Nuri Şahin an der Seitenlinie zu stehen. Seit dessen Beurlaubung holte der BVB in vier Bundesliga-Partien vier Punkte, rutschte damit in der Tabelle um einen Rang ab, während sich der Rückstand auf die Champions-League-Ränge von sieben auf acht Punkte vergrößerte.
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„Es ist egal, welcher Trainer draußen steht. Die Mannschaft muss von sich aus aus den Pötten kommen, Leistung bringen, ganz, ganz schnell den Turnaround schaffen. Jeder einzelne muss sich anschauen, bessere Leistung bringen und keine Ausreden suchen“, sagte Nico Schlotterbeck, der zurzeit als einer von sehr wenigen Profis halbwegs stabile Darbietungen zeigt.
Warnung vor einer „Horror-Saison“, die der BVB längst erlebt
„Wir können nicht einmal alle zwei Wochen eine gute Leistung bringen, das muss alle drei, vier Tage kommen. Wenn du weißt, was dich in Bochum erwartet, musst du das Spiel annehmen. Das haben wir nicht geschafft. Dann kommst du in einen Strudel rein“, schätzte der Innenverteidiger ein.
Mehr als Durchhalteparolen und die auf tönernen Füßen stehende Hoffnung, dass sich die Dinge irgendwie fügen müssen, hat auch Schlotterbeck nicht mehr parat. „Wenn wir das nicht hinbekommen, sind wir zu Recht da, wo wir gerade stehen. Das müssen wir schnell hinkriegen, sonst ist es eine Horror-Saison“, so der Nationalspieler – als wäre der BVB nicht längst in einer Horror-Saison gefangen.
Der erhoffte Neue-Besen-Effekt ist in Dortmund jedenfalls schnell und nachhaltig verpufft. „Wir dürfen nicht anfangen, Panik zu verbreiten. Wir sind nicht in Panik, aber müssen schleunigst die Spiele gewinnen“, meinte Kovač. Wie das gelingen soll, mit einer offenbar untrainierbaren Mannschaft, wird auch Kovač derzeit kaum wissen.