Mögliche Eintracht-Transfers

Die Eintracht in der Champions League, aber mit wem?

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Bald in einem Team? Nur in welchem? Jonathan Burkardt und Robin Koch (re.).
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Bei Eintracht Frankfurt stehen mal wieder einige Veränderungen im Kader an, auch wenn der Umbruch nicht so groß ausfallen soll

Im Moment des großen Erfolgs, des allumfassenden Glücksgefühls richtete Cheftrainer Dino Toppmöller den Blick aufs große Ganze und blickte praktisch aus der Vogelperspektive auf den wuchtigen Traditionsverein Eintracht Frankfurt, gerade auf die Führungsebene. „Harmonie und Ruhe sind die Schlüssel des Erfolges“, sagte er. „Deswegen haben wir die eine oder andere Grenze verschieben können.“ Bis hinein in die Champions League.

Dino Toppmöller wird sich nach den beiden abschließenden Freundschaftsspielen beim FSV Geislitz am Dienstag und SC Weimar am Mittwoch (beide 18 Uhr) in den wohlverdienten Urlaub verabschieden, er wird auch mal ein paar Tage durchschnaufen können. Doch wer ihn kennt, der weiß, dass sich schon sehr bald alles wieder um das geliebte Spiel drehen wird. Das deutete er noch in Freiburg an: „Wir wissen um die Verantwortung, die auf uns wartet.“ Ein Tanz auf drei Hochzeiten mit der Königsklasse als Sahnehäubchen.

Und ganz sicher wird die Eintracht es so halten wie in dieser Saison, also allen Wettbewerbe mit derselben Wertigkeit begegnen, keinen priorisieren. Dazu muss Sportvorstand Markus Krösche wieder einen Kader basteln, der der Dreifachbelastung standhält.

Und tschüss, Hugo?

Ein großartiger Umbruch ist nicht geplant, die Mannschaft soll im Kern zusammenbleiben. Was nicht bedeutet, dass es nicht den einen oder anderen Abgang geben wird, der den Klub schmerzen wird. Da ist zuvorderst Angreifer Hugo Ekitiké, der von allerlei Premier-League-Spitzenklubs umworben wird. Die Eintracht wird den 22-Jährigen nicht halten können und wollen, wenn Ekitiké einen Wechselwunsch äußerst und sich ein Abnehmer findet, der bereit ist, die Frankfurter Forderung zu erfüllen. Die wird um die 80, eher 90 bis 100 Millionen Euro liegen.

Sportchef Krösche bestätigte am Sonntag in Sport1, dass der Franzose ein Verkaufskandidat ist. „Hugo ist ein außergewöhnlicher Spieler, er ist von den Fähigkeiten einer der interessantesten Stürmer, die es auf dem europäischen Markt gibt“, sagte der 44-Jährige und schob den Ball weiter zu Ekitiké. „Aber das muss letztlich Hugo entscheiden. Wenn ein Spieler schneller wächst als der Verein, lassen wir ihn ziehen, wenn unsere Forderung erfüllt wird. Das ist unser Credo, das ist ein Gesetz, an dem wir festhalten. Das haben wir auch bei Omar Marmoush so gemacht, ihm haben wir zugesagt, dass er gehen kann, wenn so ein Klub kommt.“ Es kam so einer, Manchester City im Winter, und zahlte 80 Millionen Euro. Es wäre jetzt sogar noch ein saftiger Zuschlag fällig geworden, wenn die Eintracht die Champions League verpasst hätte. Doch auf diesen Bonus verzichten die Hessen gern.

Und es ist keinesfalls so, dass die Eintracht durch die Qualifikation für die Königsklasse im Geld schwimmen würde. Es ist immer noch alles ziemlich auf Kante genäht. Das zeigt allein die Aussage von Vorstandssprecher Axel Hellmann, der einräumte, dass der Klub ohne den Marmoush-Verkauf auf einen 30-Millionen-Euro-Verlust zugesteuert wäre.

Bekannt ist zudem, und das vergessen viele: Um die sportliche Wettbewerbsfähigkeit auf hohem oder sogar höchstem Niveau zu bewahren, reinvestiert der Verein die Einnahmen wieder in Zugänge. Und da ist die Rede nicht mehr von drei, vier Millionen, sondern das geht oft in einen Bereich von acht bis zwölf Millionen Euro. Umso bitterer, wenn ein Zugang wie Elye Wahi, der noch sehr viel teurer war, mehr als 20 Millionen, bisher auf ganzer Linie enttäuschte.

Und der Eintracht droht auch Ungemach in der hinteren Linie. Abwehrchef Robin Koch steht auf der Leverkusener Wunschlist als Nachfolger für Jonathan Tah ganz weit oben. Der 28-Jährige, der eine hervorragende Runde spielte und sich in Frankfurt pudelwohl fühlt, hat eine Ausstiegsklausel in seinem Vertrag verankert, die es ihm ermöglicht, für rund 20 Millionen Euro den Verein zu wechseln.

Begehrter Koch

Die Eintracht würde dem Nationalspieler diese Option gerne „abkaufen“ und den Vertrag gegen eine ordentliche Gehaltserhöhung verlängern. Doch ob 3,5 Millionen Euro da reichen, wenn der potente Spitzenklub Bayer Leverkusen den Spieler wirklich will und mit einem ungleich höheren Salär (bis sechs Millionen) lockt?

Für Robin Koch wäre der Schritt freilich bei aller wirtschaftlichen Verlockung ungewöhnlich: Er identifiziert sich mit der Eintracht, liebt diesen pulsierenden Standort, kann auch hier Champions League spielen und nimmt eine tragende Rolle ein. Viele Argumente sprechen da nicht für einen Wechsel – im Grunde nur ein einziges.

Auch bei Verteidiger Tuta könnte es zu einer Veränderung kommen, eine Vertragsverlängerung scheint zurzeit weit weg, ein Wechsel nicht unwahrscheinlich. Bei dem ebenfalls begehrten Mittelfeldspieler Hugo Larsson gibt es hingegen keine Bewegung, der Spieler würde gerne noch ein Jahr in Frankfurt bleiben. Und die Eintracht sieht keine Veranlassung, ihn abzugeben – außer es käme ein wirklich unmoralisches Angebot. Eines aber stellte Sportboss Krösche generell klar: „Wir werden unsere Transferstrategie nicht verändern, das haben wir auch nach dem Europa-League-Sieg nicht gemacht.“ Also Harakiri wird es nicht geben in Frankfurt.

Und auf der Zugangsseite stehen neben allen möglichen Namen wie Arnaud Kalimuendo (23, Stürmer, Stade Rennes), Dilane Bakwa (22, Rechtsaußen, Racing Straßburg), Noah Sadiki (20, defensives Mittelfeld, Union Saint-Gilloise) oder Jan-Carlo Simic (19, Innenverteidiger, RSC Anderlecht) vor allem Ritsu Doan und Jonathan Burkardt auf der Einkaufsliste. 20, 25 Millionen Euro würde jeder von ihnen wohl kosten.

Bei beiden Spielern sieht sie sich in einer guten Position, auch wenn beide andere Angebote haben: Der Freiburger Doan würde gerne in der Premier League spielen, doch der Frankfurter Trainer Dino Toppmöller ist ein großer Fan des Japaners. Die Hessen werden alles versuchen. Und beim Mainzer Burkardt ist die Frage, ob noch andere Bewerber ernsthaft reingrätschen: Bayern und Leverkusen sollen Interesse haben. Oder aber Burkardt bleibt in Mainz. Man wird sehen.

Wendiger Dribbler: Freiburg-Flitzer Ritsu Doan.
Begehrter Torjäger: Hugo Ekitiké.

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