Frühzeitiges Ausscheiden drohte mehrmals

Die Fußball-Welt feiert den „schlechtesten Champions League Sieger“ der Geschichte

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Nach dem grandiosen 5:0-Finalsieg über Inter Mailand feiert die Fußball-Welt CL-Sieger Paris Saint Germain - nach einem Fehlstart in den Wettbewerb und Negativrekorden.

München / Paris – Nach dem Champions League Finale in München galt wie so oft der ABBA-Titel aus den 1970er Jahren „The Winner takes it all.“ Der französisches Serienmeister Paris Saint Germain hatte im wohl einseitigsten Endspiel der Historie der europäischen Fußballkönigsklasse den italienischen Konkurrenten aus Mailand mit 5:0 in alle Bestandteile zerlegt und wird nun durchaus zurecht für diese beeindruckende Leistung gefeiert. Dabei gerät völlig in Vergessenheit, wie schwer sich der Scheichklub lange Zeit in diesem Wettbewerb getan hat.

Internationale Presse feiert PSG nach 5:0

Während der Spiegel die Finaldemonstration mit „Souveränes PSG krönt sich zu Europas bestem Fußballteam. Gegner Inter Mailand wurde deklassiert“ fast schon sachlich nüchtern betrachtet, steht der Kommentar der französischen Liberation stellvertretend für die internationalen Lobeshymnen: „Die Pariser Mannschaft spielte ein wunderbares Spiel, noch eleganter und brillanter als alles, was es bisher auf europäischer Ebene gegeben hatte.“

Die Marca, eigentlich die Hauspostille von Real Madrid, bemerkt zum Kantersieg im Endspiel, dem höchsten der Königsklassengeschichte: „Luis Enrique liefert sein Meisterwerk ab - eine Vorstellung für die Geschichte. Es ist etwas ganz anderes, eine Champions League zu gewinnen – und das auch noch als echtes „Großes Team“. Genau das hat Enriques PSG geschafft. In München haben sie Inter Mailand in nur 20 Minuten vom Platz gefegt, um ihnen anschließend eine historische Klatsche zu verpassen.“

Wenn sich ein Team am Ende einer langen Saison mit dem ersten Henkelpott der erst 55-jährigen Vereinsgeschichte belohnt, wird oft vergessen, wie schwer der Start von PSG in den bedeutendsten Wettbewerb des Klubfußballs gewesen war.

Klub-Boss umjubelt, DJ-Star mittendrin und Pokal-Küsse: Paris Saint-Germain feiert Champions-League-Kantersieg

PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi klatscht mit den Pariser Spielern beim Champions-League-Finale ab.
Der Boss ist stolz: PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi klatscht die Gewinner ab. © IMAGO/Joris Verwijst
Ousmane Dembélé greift nach der Champions-League-Trophäe nach dem Finale gegen Inter Mailand.
Kann es kaum erwarten, die silberne Trophäe anzufassen: Ousmane Dembélé. © IMAGO/Mateusz Porzucek
Paris Saint-Germains Verteidiger Achraf Hakimi küsst die Champions-League-Trophäe nach dem Sieg gegen Inter Mailand.
Knutscher für den Henkelpott: 1:0-Torschütze Achraf Hakimi gönnt sich schon mal eine Kostprobe. © IMAGO/Branislav Racko
Unter Konfetti-Regen: PSG-Kapitän Marquinhos wird sehnsüchtig mit dem Henkelpott von seinen Teamkollegen erwartet.
Unter Konfetti-Regen: Marquinhos wird sehnsüchtig mit dem Henkelpott von seinen Teamkollegen erwartet. © IMAGO/PsnewZ
Kapitän Marquinhos reckt die Champions-League-Trophäe nach dem Finale zwischen Paris und Inter Mailand in die Höhe.
Der Moment, auf den alle bei Paris gewartet haben: PSG-Verteidiger und -Kapitän Marquinhos reckt die Champions-League-Trophäe in die Höhe. © IMAGO/Goal Sports Images
Kapitän Marquinhos hält die Champions-League-Trophäe in den Händen, die Teamkollegen feiern mit.
Emotionen pur: PSG feiert den höchsten Champions-League-Finalsieg der Geschichte. © IMAGO/Branislav Racko
Paris‘ Offensivmann Désiré Doué hebt die Champions-League-Trophäe gen Himmel.
Hat sich die Trophäe redlich verdient: Doppeltorschütze Désiré Doué. © IMAGO/Branislav Racko
Die Spieler von Paris Saint-Germain nehmen ein Siegerfoto vor der Kurve der PSG-Fans auf.
Der Champions-League-Sieger 2025 post vor der PSG-Fankurve.  © IMAGO/Pierre Teyssot
Ousmane Dembélé und Achraf Hakimi sprinten mit der Champions-League-Trophäe in Richtung der Pariser Fankurve.
Dembéle und Hakimi sprinten mit der Trophäe in Richtung der Pariser Fans. © IMAGO/Markus Ulmer
Presnel Kimpembe wird von den Ordnern beim Champions-League-Finale eng bewacht.
Alle Hände voll zu tun für die Ordner: Presnel Kimpembe und der CL-Pokal werden eng bewacht. © IMAGO/Vitalii Kliuiev
Willian Pacho präsentiert nach dem Champions-League-Finale zwischen Paris und Inter.
Ex-Eintracht-Verteidiger Willian Pacho präsentiert stolz die Siegermedaille. © IMAGO/Branislav Racko
DJ Snake hält den Champions-League-Pokal nach dem Finale gegen Inter Mailand in den Händen.
DJ Snake hält den Champions-League-Pokal in den Händen. © IMAGO/Jose Breton
PSG-Kapitän Marquinhos jubelt ausgelassen mit dem Henkelpott nach dem Sieg gegen Inter Mailand.
Ikonisch: Marquinhos jubelt ausgelassen mit dem Henkelpott. © IMAGO/Michael Zemanek/Shutterstock
PSG-Star Vitinha mit der Champions-League-Trophäe auf dem Kopf.
Vitinha setzt sich den Henkelpott auf den Kopf. © IMAGO/PsnewZ
Marquinhos und Presnel Kimpembe weinen nach dem Champions-League-Sieg.
Können ihre Tränen nicht mehr zurückhalten: Marquinhos und Kimpembe. © IMAGO/Goal Sports Images
PSG-Offensivmann Ousmane Dembélé sitzt mit dem Champions-League-Pokal auf dem Rasen.
Ousmane Dembélé hängt mit dem Champions-League-Pokal ab. © IMAGO/Michael Zemanek/Shutterstock
Die ehemaligen BVB-Teamkollegen Achraf Hakimi und Ousmane Dembélé posieren mit dem Champions-League-Pokal.
Verstehen sich gut: die Ex-BVB-Stars Achraf Hakimi und Ousmane Dembélé mit dem Henkelpott. © IMAGO/Michael Zemanek/Shutterstock
Désiré Doué lässt sich mit cooler Sonnenbrille und der CL-Trophäe ablichten.
Désiré Doué mit cooler Sonnenbrille und der CL-Trophäe. © IMAGO/Jose Breton
Gianluigi Donnarumma posiert mit dem Champions-League-Pokal nach dem Endspiel gegen Inter Mailand.
Erinnerungsfoto: Torwart-Star Gianluigi Donnarumma mit dem Henkelpott. © IMAGO/Vitalii Kliuiev
Paris-Keeper Gianluigi Donnarumma küsst seine Freundin Alessia Elefante nach dem Champions-League-Spiel gegen Inter.
Gianluigi Donnarumma küsst seine Freundin Alessia Elefante am Spielfeldrand. © IMAGO/Dennis Agyeman
PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi küsst den Henkelpott nach dem Champions-League-Finale.
PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi küsst den Henkelpott. © IMAGO/Michael Zemanek/Shutterstock
Nasser Al-Khelaifi wird von der Pariser Mannschaft nach dem 5:0 gegen Inter auf Händen getragen.
Nasser Al-Khelaifi wird von der Mannschaft auf Händen getragen. © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON
PSG-Trainer Luis Enrique reckt die Champions-League-Trophäe in die Höhe.
PSG-Erfolgscoach Luis Enrique reckt auf Schultern getragen den Henkelpott in die Höhe. © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON
Luis Enrique hält einen PSG-Fanschal nach dem Champions-League-Duell gegen Inter Mailand hoch.
Stolz auf Klub und Fans: Trainer Luis Enrique. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Wolfgang Frank
PSG-Trainer Luis Enrique feiert mit seiner Ehefrau und seinen Kindern den Champions-League-Finalsieg gegen Inter Mailand.
Glückliche Familie: Luis Enrique (rechts im Bild) feiert den CL-Sieg gegen Inter Mailand mit Ehefrau und Kindern. © IMAGO/Gerhard Schultheiß

Niederlage beim FC Bayern fast schon das frühzeitige CL-Aus

Als PSG Ende November 2024 am 5. Spieltag der Ligaphase der Champions League beim FC Bayern antrat, konnte man fast schon davon ausgehen, dass eine Niederlage das frühzeitige Ausscheiden bedeuten muss.

Nach einem 1:0-Sieg über die spanische Überraschungsmannschaft Girona zum CL-Auftakt verlor das Team von Luis Enrique beim FC Arsenal mit 0:2, kam gegen Eindhoven zuhause über ein 1:1 nicht hinaus und unterlag gar im heimischen Prinzenpark mit 1:2 gegen Atlético Madrid.

Auch in München war der französische Serienmeister über 90 Minuten trotz der knappen 0:1-Niederlage eher chancenlos. Nach fünf Spielen schien mit lediglich vier Punkten und 3:6 Toren selbst die Qualifikation für die CL-Zwischenrunde, für die man zumindest 24. von 36 Teilnehmern sein musste, erheblich in Gefahr zu sein.

Die Pariser Siegesfeier im heimischen Prinzenpark. Der Scheich war omnipräsent.

Qualifikation für CL-Zwischenrunde am seidenen Faden

Nachdem PSG am sechsten CL-Spieltag beim 3:0 in Salzburg beim in der vergangenen Saison extrem schwächelnden österreichischen Serienmeister der vergangenen Jahre durchschnaufen hatte können, schien die Qualifikation für die „Top24“ im Januar-Heimspiel gegen Manchester City nicht nur in Gefahr, sondern bereits ausgeträumt: 0:2 nach 53 Minuten.

Ousmane Dembélé, Bradley Barcola, João Neves und Gonçalo Ramos drehten die Partie aber auf bemerkenswerte Weise komplett. Der 4:2-Sieg war wohl das Schlüsselerlebnis für den späteren CL-Sieg.

Trotzdem wäre PSG ausgeschieden, hätte es am 8. und letzten Liga-Spieltag nicht souverän mit 4:1 beim chancenlosen VfB Stuttgart gewonnen, der damit selbst aus dem Wettbewerb ausschied.

Der ganz große Trumpf der Pariser

Ganz im Gegensatz zum FC Bayern hatte PSG in dieser Spielzeit, welche es nun zum ersten Mal mit dem Triple abschloss, quasi keine Verletzungssorgen. Die Pariser konnten in dieser Saison fast immer in Bestaufstellung antreten. Ab dem Jahresbeginn ließ Enrique in den entscheidenden Partien eine eingespielte Truppe auflaufen. Abwehr - Nuno Mendes, William Pacho, Marquinhos, Achraf Hakimi - und Mittelfeld - Fabián Ruiz, Vitinha, João Neves - blieben unverändert. Auch wenn jetzt behauptet wird, dass das Paris der 0:1-Niederlage in München eine „ganz andere Mannschaft“ war. Diese Sieben standen auch in der Allianz Arena in der Startelf.

Im Achtelfinale hätte die CL-Reise von PSG dennoch schon beendet sein können. Gegen den Liga-Gewinner Liverpool wurde das Heimspiel trotz hoher Überlegenheit mit 0:1 verloren, an der Anfield Road jedoch das Rückspiel mit demselben Ergebnis und nach einer torlosen Verlängerung das Elfmeterschießen gewonnen. Auch das Weiterkommen im CL-Viertelfinale gegen Underdog Aston Villa war kein Spaziergang: Nach einem 3:1-Heimsieg und einer 2:0-Führung in Birmingham nach 27 Spielminuten hatte sich zwar ein „Spaziergang ins Halbfinale“ angedeutet. Eine halbe Stunde später stand es jedoch aus Pariser Sicht 2:3. Bis zum Schlusspfiff drohte die Verlängerung.

Dieser Artikel entstand in einer Content-Partnerschaft mit fcbayerntotal.com

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PSG-Negativrekorde als CL-Sieger

Im Finale gewann Paris zwar mit 5:0 gegen ein völlig indisponiertes Inter Mailand, der höchste Sieg in einem Königsklassenfinale in der Wettbewerbsgeschichte. Bislang gab es nie einen größeren Unterschied als vier Tore, darunter die Frankfurt-Niederlage gegen Real Madrid (1960 mit 3:7) und der FCB-Triumph gegen Atlético (1974 mit 4:0). Aber die französischen Hauptstädter stellten auch zwei bemerkenswerte Negativrekorde in der 70-jährigen Historie auf.

Nie verlor ein Henkelpott-Gewinner zuvor zwei Heimspiele und erlitt insgesamt fünf Schlappen. Einen komplett niederlagenlosen Triumph feierten zwar nur die wenigsten Sieger, aber im Durchschnitt waren es ein bis zwei Pleiten. Schon deren vier von Real Madrid in seiner unfassbaren Comeback-Serie 2021/22 waren die Ausnahme und der bisherige Negativrekord.

Der Vergleich mit den Vorgängern

Verloren die Königlichen 2021/22 satte viermal - dabei jeweils im Achtel-, Viertel- und Halbfinal-Auswärtsspiel, schaffte es der FC Bayern in der Corona-Saison 2019/20 alle elf Spiele zu gewinnen - mit dem legendären Torverhältnis von 43:8.

Nachfolger Chelsea verlor eine Partie auf dem Weg zum CL-Sieg 2020/21, die PSG-Vorgänger ManCity (2022/23) und Real Madrid (2023/24) blieben dagegen wieder komplett ohne Niederlage.

Apropos „Rekord-Champion“ FC Bayern: Bei den vorangegangen fünf Königsklassen-Triumphen blieben die Münchner nie ohne Niederlage: Zwei 1973/74 bei zehn Spielen, eine 1974/75 (7), eine 1975/76 (9), zwei 2000/01 (17), zwei 2012/13 (13).

Paris Saint Germain: Ein überragender Finalsieger, aber mit fünf Niederlagen (11 Siege, ein Unentschieden), darunter zwei zuhause im Prinzenpark, auch neuer doppelter Negativrekordhalter. Statistisch der „schlechteste CL-Sieger“ der Wettbewerbsgeschichte.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Abdullah Firas/ABACA

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