Benfica Lissabon als Vorbild?

Die Ursache für die portugiesischen Verhältnisse bei der Eintracht

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Günstig erwerben und für hohen Preis veräußern: Sportvorstand Markus Krösche hat bei Eintracht Frankfurt portugiesische Strategien eingeführt.

Frankfurt - Talente holen, schleifen und für viel Geld verkaufen: Benfica Lissabon und der FC Porto waren in dieser Hinsicht europaweit jahrelang federführend unterwegs. In den Spielzeiten von 2012 bis 2018 haben es die beiden portugiesischen Spitzenklubs auf die Spitze getrieben. Benfica belegte mit einem Überschuss von rund 380 Millionen Euro in diesem Zeitraum Rang eins, Porto folgte mit einem ebenfalls herausragenden Saldo von 269,59 Millionen Euro.

Benfica und Porto waren lange Meister der Transferüberschüsse

Das Rezept war klar: Porto und Lissabon bedienten sich vor allem im südamerikanischen Raum. Die „Juwele“ konnten sich ohne Sprachbarriere an Europa gewöhnen und vollständig auf die sportliche Entwicklung konzentrieren. Nach wenigen Jahren war dann meist Schluss und es folgte für ein Vielfaches dessen, was man bezahlt hat, der Sprung in die Topligen nach Spanien, England, Italien oder Deutschland.

Eintracht-Sportchef Markus Krösche hantiert geschickt auf dem Transfermarkt

Im Sommer 2021 heuerte Markus Krösche als neuer Sportvorstand von Eintracht Frankfurt an. Innerhalb von dreieinhalb Jahren hat er die zuvor von Fredi Bobic eingeführte Strategie noch einmal beschleunigt. Die Hessen sind jung und wertvoll wie nie zuvor aufgestellt. Die Überschüsse wachsen unaufhaltsam weiter. Ob Jesper Lindström (für sieben Millionen Euro gekauft und für über 30 Millionen Euro verkauft), Randal Kolo Muani (kam ablösefrei und ging für 95 Millionen Euro), Omar Marmoush (kam ablösefrei und ging für über 80 Millionen Euro) oder Willian Pacho (kam für knapp über zehn Millionen Euro und ging für 40 Millionen Euro) - die Eintracht ist auf dem Transfermarkt in eine neue Dimension vorgedrungen.

Eintracht hat Porto in den vergangenen dreieinhalb Jahren abgelöst

Und sie hat Porto in dieser Zeitspanne abgelöst. Benfica (Überschuss von 271,07 Millionen Euro), Ajax Amsterdam (232,51 Millionen Euro), LOSC Lille (176,4 Millionen Euro) und Salzburg (173,02 Millionen Euro) stehen noch vor den Frankfurtern (140,63 Millionen Euro). Der Weg, den Lissabon und Porto gegangen sind, dient bei näherer Betrachtung durchaus als Vorbild. Interessanterweise kristallisieren sich zwei Märkte heraus.

Zunächst richtet sich der Blick stets nach Frankreich. Die finanziell angeschlagene Ligue 1 bietet enorm viel Talent zu einem vergleichsweise guten Preis. Schlägt ein Spieler ein, rauscht der Marktwert - Beispiel Kolo Muani - rasant in die Höhe. Stagniert eine Entwicklung, stürzen die Preise nicht sofort vollständig in den Keller. Und da ist überraschenderweise auch der skandinavische Markt. Lindström, Jens Petter Hauge, Hugo Larsson, Rasmus Kristensen und Oscar Höjlund starteten ihre Karriere in Dänemark, Schweden und Norwegen. Sie kamen entweder auf direktem Weg oder über Umwege in Frankfurt an.

Krösche hat vor allem die Märkte in Frankreich und Skandinavien im Blick

Die Talente aus diesen Ländern sind traditionell etwas kostspieliger, dafür bekommt die Kabine neben guten Fußballern zumeist auch sehr gut integrierbare und charakterstarke Profis. Und auch hier gilt, wie das Beispiel Hauge zeigt: Es gibt auch nach schwierigen Zeiten weiterhin einen gewissen Markt und noch eine respektable Ablöse. Die Gerüchte rund um Angreifer Mathias Kvistgaarden von Bröndby IF überraschen daher nicht. Krösche blickt bei der Suche nach neuem Potenzial unter anderem gerne nach Skandinavien.

Frankfurt ist somit zwar keine Eins-zu-Eins-Kopie von Benfica und Porto. Doch angesichts der Werte, die der Kader hat, wäre es kein Wunder, wenn Lissabon in den kommenden Transferperioden weiter eingeholt wird von den Hessen. Sollten die sportlichen Erfolge im Einklang bleiben mit den Triumphen auf dem Transfermarkt, dann steht der Eintracht eine goldene Zukunft ins Haus.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Oliver Vogler

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