Kein Bekenntnis

Eintracht: Was wird aus Dino Toppmöller?

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Infrage gestellt: Eintracht-Trainer Dino Toppmöller.
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Überraschung in Frankfurt: Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche vermeidet ein klares Bekenntnis zum Chefcoach – das kann Folgen haben.

Eigentlich näherte sich das Pressegespräch mit Markus Krösche schon seinem Ende, ganz allmählich nur steuerte es schleppend auf Trainer Dino Toppmöller hin, und da bat jemand den Frankfurter Sportvorstand doch noch mal um eine Einschätzung zum Wirken des 43-Jährigen in seinem ersten Jahr als Chefcoach in der Bundesliga; in einer Saison, die ruckelte und hakte, die aber immerhin als Tabellensechster abgeschlossen wurde, der zweitbesten Platzierung der Eintracht seit 30 Jahren. „Es war sicherlich nicht einfach für ihn, wir hatten einen großen Umbruch, spielten in drei Wettbewerben, es gab viele Leistungsträger, die uns verlassen haben“, zählte Krösche auf. „Darauf hat ein Trainer wenig Einfluss. Auch den Switch vom Co-Trainer zum Cheftrainer zu schaffen, ist noch mal ein Prozess.“

In der Folge entwickelte sich folgender Dialog, ziemlich genau so aufgeschrieben, wie er ablief.

Nachfrage: „In wieweit finden Sie, dass er den Prozess gut hinbekommen hat oder nicht so gut?“

Antwort: „Ich glaube, wir müssen uns alle immer steigern. Platz sechs ist das, was zählt.“

Nachfrage: „Was macht Hoffnung oder Mut, dass Dino der richtige Mann ist, um zu mehr Konstanz zu finden.“

Antwort: „Es liegt immer an uns allen, auch an den Spielern, dass wir uns weiterentwickeln. Dass wir widerstandsfähig sind, haben wir heute gezeigt, das ist erst mal ein wichtiger Punkt.“

Nachfrage: „Also bleibt Dino Toppmöller auch Trainer in der neuen Saison?“

Antwort: „Lasst uns mal heute, wir sind Sechster geworden, wir hatten ein sehr intensives, emotionales Spiel, wir haben zwei wichtige Spieler verabschiedet, die eine Ära bei der Eintracht geprägt haben, und darum geht es heute.“

Nachfrage: „Da bleibt aber eine Hintertür offen.“

Antwort: „Nein, warum sollen wir über Personalien diskutieren? Die ganze Zeit diskutieren wir über Personalien, das ist nicht der richtige Moment.“

Nachfrage: „Aber die Diskussion wäre ja überflüssig, wenn Sie jetzt sagen würden: Er bleibt Trainer.“

Antwort: „Ich habe es ja gesagt, für ihn war es ein schwieriger Job, ein Lernprozess. In den nächsten Tagen geht es darum, was können wir besser machen, wie können wir uns weiterentwickeln. Dino hat kein einfaches Jahr gehabt.“

Ende, Aus, Abgang Markus Krösche. Staunen bei den Medienschaffenden nach einem erstaunlichen Auftritt des Eintracht-Sportchefs. Nur die wenigsten waren nach dem erfolgreichen Abschluss der Saison davon ausgegangen, dass der Abend mit einem Nicht-Bekenntnis zu Dino Toppmöller enden würde.

Was aber bedeuten die (nicht) gesprochenen Worte des Managers? Klar ist, dass der 43-Jährige die Zügel anzieht und sie schon vor acht Tagen nach einem matten 1:1 bei Borussia Mönchengladbach angezogen hat. Markus Krösche signalisiert ganz deutlich, dass er etwas anderes erwartet als das, was die Mannschaft in dieser Saison angeboten hat. „Uns war bewusst, dass es nach diesem großen Umbruch wackeln und stottern kann“, sagt er. „Aber wir haben über weite Strecken keinen guten Fußball gespielt, das wissen wir schon, so selbstkritisch sind wir. Es war eine Saison mit sehr vielen Tiefen und ab und zu Höhen.“ Eine sehr treffende Umschreibung.

Und so handelt der Sportboss nun quasi antizyklisch. Denn er hat den unerfahrenen Coach über die gesamte Spielzeit hinweg geschützt und gestützt. Nun aber, nachdem das sportliche Ziel erreicht ist, mit Hängen und Würgen und einer Punktzahl, die eine Mannschaft normalerweise ins Mittelfeld der Liga bugsiert und nicht in die Europa League, erhöht er den Druck auf den Chefcoach und vermeidet es, ihm eine Jobgarantie auszustellen. Ja, er stellt Dino Toppmöller infrage. Das stärkt den Saarländer natürlich nicht, sein Standing ist ohnehin nicht das beste, bei den Fans hat er wenig Kredit, auch intern gibt es Kritiker.

Und doch bedeuten Krösches Ausführungen nicht zwangsläufig, dass der Trainer in der neuen Saison nicht mehr Dino Toppmöller heißen wird. Im Zuge einer allumfassenden Analyse werden die Verantwortlichen die Spielzeit sezieren und dann entscheiden, was das beste ist. Das ist richtig so, denn ein Einfach-Weiter-So nach dem Prinzip Hoffnung kann es nach dieser Runde nicht geben, selbst wenn die Platzierung nicht nur in Ordnung, sondern gut ist. Aber davon sollten sich die Macher nicht blenden lassen, und das machen sie auch nicht. Alles muss auf den Prüfstand, das ist zwingend geboten.

Wie also geht es dann weiter? Gut möglich, dass es die Eintracht womöglich doch mit einem neuen, unverbrauchten Fußballlehrer versuchen wird, der die dann weiter verstärkte Mannschaft auf ein anderes Niveau heben soll. Er würde zumindest unbelastet an die Sache herangehen, hätte mit dieser schwierigen und für alle Beteiligten kräftezehrenden Saison nichts zu tun.

Das wäre anders, sollte es mit Toppmöller weitergehen und er eine zweite Chance erhalten. Er stünde vom ersten Tag an mächtig unter Druck und müsste sofort liefern. Denn eines ist spätestens seit Samstag ganz klar: Die Schonzeit ist vorüber.

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