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Der Wechsel von Waldemar Anton zu Borussia Dortmund ist jetzt offiziell. Ein Kommentar, warum seine Flucht aus Stuttgart für so viele Irriationen sorgte.
Stuttgart - Wie tickt Waldemar Anton? Eine Frage, die auch für Journalisten, die regelmäßig mit ihm gesprochen haben, schwer zu beantworten ist. Nicht, dass es in der PR-perfektionierten Fußballwelt ansonsten leicht wäre, doch der bisherige Kapitän des VfB Stuttgart trieb es mit seinen Antworten, für die er sich gerne an der Floskelmaschine bediente, gerne auf die Spitze.
Er denke von Spiel zu Spiel und er gebe immer hundert Prozent, könnten zwei seiner Top-Antworten gewesen sein, die er in seiner Zeit als VfB-Profi gab. Zuletzt kam schließlich hinzu, wie wohl er sich doch in Stuttgart fühle und er nicht wisse, warum er wechseln sollte.
Das Bild von Ex-VfB-Kapitän Waldemar Anton in der Öffentlichkeit
Klar, um sich vor dem teils wilden Business zu schützen, ist es wichtig, sich abzuschirmen. Dabei hilft es, sich genau zu überlegen, was man von seiner Privatperson preisgibt. Und je nachdem, welchen Ruf sich ein Profi in der Öffentlichkeit wünscht, werden weitere Strategien erarbeitet. Bei Anton wirkte es oft so, als ob er auch in Sachen fußballerischen Analysen nach den Partien am liebsten so wenig wie möglich auffallen wollte. So entstand das Image eines recht profillosen Profifußballers.
Eine Entscheidung, die an sich völlig legitim ist. Doch egal als welcher Mensch Anton in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden will, um bei den Fans nicht an Beliebtheit einzubüßen, hätte die Darstellung dieser Persönlichkeit schlüssig sein müssen. Und sie war auch lange schlüssig. In der vergangenen Saison kam Anton sogar immer öfter ohne allzu viele Floskeln aus seinem Schneckenhäuschen heraus. Für seine Verhältnisse fast schon mutig, rief er als erster das Ziel aus, das europäische Geschäft zu erreichen.
Anton hinterlässt beim VfB Stuttgart verbrannte Erde
Doch diese erst aufkeimende Veränderung seines Images riss er nun mit der skurrilen Kommunikation rund um seinen BVB-Wechsel komplett ein. Nicht nur, weil er erst im Frühjahr seinen Vertrag verlängert hatte und vereinsintern sowie in der Außendarstellung vorgab, sich zum VfB zu bekennen. Sondern auch, weil seine ursprüngliche Selbstvermarktungsstrategie, Loyalität vorzugaukeln und möglichst nicht aufzufallen, in sich zusammengebrochen ist.
Beweis gefällig? In der Pressemitteilung des VfB ließ er verlauten: „Es fällt mir nicht leicht, den VfB zu verlassen.“ Beim BVB-Statement klang sein Abgang jedoch weniger wehmütig: „Relativ schnell ist mir klar geworden, dass ich das machen will.“ Ja, so klingt es eben, wenn ein Fußballer seine PR-Strategie ad absurdum führt; nicht anecken will und eine ehrliche Begründung umschifft. Dass es auch anders geht, hat beispielsweise Wataru Endo bei seinem Abgang bewiesen, der ein herzzerreißendes Abschiedsvideo veröffentlichte. Ihm liegen die VfB-Fans heute noch zu Füßen.
Anton wird dagegen schnell in Vergessenheit geraten. Denn Fans haben eben ein gutes Gespür, wer es mit ihnen ernst meint. So hinterlässt er jetzt in Stuttgart verbrannte Erde und auch in Dortmund dürfte sich der eine oder andere Anhänger, trotz Antons propagierter Vorfreude auf die Gelbe Wand, veralbert vorkommen.
Rubriklistenbild: © Sven Simon/IMAGO

