Dortmund vor Mega-Vertrag: BVB-Fans brauchen starke Nerven
VonLars Pollmann
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Der BVB schließt wohl einen wichtigen Vertrag ab. Die Kooperation soll 300 Millionen Euro einbringen, wird bei vielen Fans aber Unmut auslösen.
Dortmund – Beim zweiten Gruppenspiel der FIFA Klub-WM in den USA spielt Borussia Dortmund am Samstag gegen die Mamelodi Sundowns (12 Uhr Ortszeit, 18 Uhr deutscher Zeit, alle TV-Infos) mit einer auffälligen Änderung.
Auf dem Trikot der Schwarzgelben wird erstmals das Logo des neuen Hauptsponsors Vodafone prangen. Mit dem Telekommunikationsunternehmen hatte der BVB erst kürzlich einen langfristigen Vertrag abgeschlossen. Nun steht der nächste Mega-Deal bevor.
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BVB kann Gesamtvolumen von rund 300 Millionen Euro kassieren
Nach Informationen der Ruhr Nachrichten und von BILD wird die Partnerschaft mit Ausrüster Puma vorzeitig um sechs Jahre bis 2034 verlängert. Der aktuelle Vertrag läuft noch bis 2028, doch beide Seiten wollen die erfolgreiche Zusammenarbeit deutlich ausweiten.
Die Zahlen des neuen Deals sind beeindruckend: Rund 28 Millionen Euro fix pro Saison kann der BVB offenbar einkalkulieren. Hinzu sollen erfolgsabhängige Prämien von bis zu drei Millionen Euro und Sachleistungen im Wert von zwei Millionen Euro jährlich kommen. Damit würde Puma acht Millionen Euro mehr pro Saison als bisher zahlen.
In sportlich erfolgreichen Jahren könnte der BVB damit zwischen 30 und 35 Millionen Euro kassieren. Hochgerechnet auf die neun Jahre Vertragslaufzeit ergibt dies das genannte Gesamtvolumen von rund 300 Millionen Euro. In der Bundesliga kassiert nur der FC Bayern bei Ausrüster Adidas (deutlich) höhere Summen von angeblich bis zu 60 Millionen Euro jährlich.
BVB winkt zusätzliches Handgeld von über 25 Millionen Euro
Für die vorzeitige Unterschrift erhält der BVB dem Vernehmen nach eine sogenannte „Signing Fee“ in Höhe von mehr als 25 Millionen Euro. Nach BILD-Informationen sollen die Verhandlungen bereits abgeschlossen sein und die Verträge in Kürze unterschrieben werden, die Ruhr Nachrichten gehen noch nicht ganz so weit.
Im Zweifel steht der Deal aber wohl nicht mehr, zumal die Verbindung zwischen Puma und dem BVB längst über den gewöhnlichen Umfang eines Ausrüster-Sponsorings hinausgeht. Der Sportartikelhersteller aus Herzogenaurach hält seit über einem Jahrzehnt auch etwas mehr als fünf Prozent der Anteile an der BVB-Aktie. Im Aufsichtsrat der BVB KGaA sitzt stets auch ein Puma-Boss, aktuell ist das Chief Commercial Officer Matthias Bäumer.
Für Klubchef Hans-Joachim Watzke deutet sich der letzte große Abschluss vor seinem geplanten Rücktritt als Geschäftsführer Ende 2025 an. Aus wirtschaftlicher Sicht wäre der Deal ein Coup, der dabei helfen kann, die langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, insbesondere im Zusammenhang mit dem Sponsoring von Vodafone, das zunächst bis 2030 vereinbart wurde.
Kritik der BVB-Fans an Puma-Designs hält an
Während die Vereinsführung über die finanziellen Aussichten jubeln wird, dürfte unter den Fans eine bestenfalls geteilte Stimmung herrschen. Viele BVB-Anhänger kritisieren seit Jahren die Trikot-Designs von Puma. Zu wenig Schwarz-Gelb, zu wenig Tradition, zu viel Kommerz – die Vorwürfe sind vielfältig und halten sich hartnäckig.
Auch wenn erfolgreiche Sondertrikots wie die „Kohle & Stahl-Edition“ aus dem Jahr 2019 zeigen, dass außergewöhnliche Designs sehr gut funktionieren können, ist der Aufschrei unter den Fans immer wieder groß. Zuletzt war das auch bei den Trikots für die FIFA Klub-WM der Fall.
„Das grenzt an Körperverletzung“, ärgerte sich ein Fan in den sozialen Medien, „wieso sind da Fleischbällchen drauf?“, fragte ein anderer User spöttisch. „Karnevalskostüm“, lautet das knappe Urteil eines dritten Nutzers.
Viele Fans bemängeln, dass die traditionelle BVB-Identität zugunsten von Marketingstrategien verwässert wird und kritisieren, dass sich ihr Klub und Puma von der Basis weg bewegen, um neue Kundenstämme zu erschließen. Jetzt müssen sie sich auf viele weitere Jahre mit Puma-Designs einstellen.
BVB ist das deutsche Aushängeschild von Puma
Aus Vereinssicht ist der Mega-Deal jedoch von großer positiver Bedeutung. In Zeiten des immer härter umkämpften Transfermarkts und steigender Spielergehälter braucht der BVB jeden Euro, um mit der internationalen Konkurrenz mithalten zu können. Die Champions-League-Teilnahme allein reicht längst nicht mehr aus, um die Finanzlücke zu den europäischen Topklubs so klein wie möglich zu halten.
Für Puma ist die Ausweitung der Partnerschaft nur logisch: Der BVB ist das große Aushängeschild des Konzerns in Deutschland, bei dem RB Leipzig und Borussia Mönchengladbach nicht mithalten können, was die Außenwirkung über die Landesgrenzen hinaus anbelangt. International gehören unter anderem Manchester City und die AC Mailand zu den Aushängeschildern des Unternehmens.
BVB spielt seit 2012 in Puma-Trikots
Das markante Puma-Logo mit der Raubkatze ist seit 2012 auf den Trikots des BVB zu sehen. Beim erwarteten Vertragsabschluss wäre die Zusammenarbeit also auf über 20 Jahre ausgelegt.
Für die BVB-Fans bedeutet das: Sie müssen noch lange mit den Puma-Designs leben – oder sie ignorieren. Der Trost liegt in den sportlichen Möglichkeiten, die der finanzielle Zugewinn eröffnet. Wenn der BVB mit den Puma-Millionen um Titel mitspielen kann, werden auch die größten Design-Kritiker ihre Trikots stolz tragen.
Spöttisch könnte man sagen, dass es beim BVB inzwischen ohnehin jedes Jahr so viele Jerseys gibt, dass fast für jeden Geschmack etwas dabei ist.