Krise

Dortmunder Coach Terzic wackelt

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Sinnbild der Krise: Emre Can (re.), Kapitän des BVB. IMAGO / RHR-Foto
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BVB-Trainer hat keinen Kredit mehr – was auch an der Schwäche von Kapitän Can liegt.

Wenn es eine Nachricht wert ist, zu welcher Uhrzeit der Trainer eines Bundesligaklubs mit seinem Auto davon fährt, sollte allen Beteiligten klar sein: Hier ist Krise angesagt. So vermeldete TV-Sender Sky am Montagmittag: „BVB-Trainer Edin Terzic hat um 11.34 Uhr bereits das Gelände verlassen, obwohl das Spielersatz-Training noch läuft.“ Tatsächlich ein unüblicher Vorgang, Terzic leitet in aller Regel selbst die Einheiten der Auswechselspieler des Vortages. Der Klub klärte auf: Der Trainer hatte sich „krankheitsbedingt“ früher aus dem Staub gemacht. Und ja: Schon am Sonntagabend, nach dem unerklärlichen 2:3 (2:1) gegen die TSG Hoffenheim, hörte sich der 41-Jährige angeschlagen an. Doch der Reporter des Bezahlsenders legte sich fest: „Nach Sky-Infos wackelt der Coach, steht bei den Bossen unter strenger Beobachtung.“

Es ist nicht das erste Mal, dass der Fast-Meister-Trainer der Vorsaison in dieser Spielzeit wohl ernsthaft um seinen Job bangen muss. Schon zum Weihnachtsfest war Edin Terzic nach zuvor nur drei Punkten aus fünf Bundesliga-Spielen heftig angezählt worden.

Verheerende Bilanz

Der Coach durfte weitermachen, in den Ex-Meister-Spielern Nuri Sahi und Sven Bender wurden ihm zwei neue Co-Trainer zur Seite gestellt. Die jüngste Bilanz mit nur einem Sieg aus den vergangenen fünf Pflichtspielen ist allerdings verheerend für einen Klub, der die Qualifikation zur Champions League erreichen muss. So ungern BVB-Boss Hans-Joachim Watzke während der Saison den Trainer tauscht: Strauchelt der BVB am Samstag (15.30 Uhr/Sky) bei Union Berlin, wird der gebürtige Mendener kaum zu halten sein.

Terzic wird sich in dieser Woche – womöglich vom Krankenbett aus – intensiv Gedanken machen, wem er in dieser Phase das Vertrauen schenkt. Emre Can, das scheint sicher nach dem Spiel am Sonntag gegen Hoffenheim, wird es nicht sein. Beim 30-Jährigen ist der Punkt erreicht, an dem ihn der Trainer aus der Schusslinie nehmen sollte – auch wenn eine Verbannung des Kapitäns stets einen Nebenschauplatz eröffnet.

Can wirkte nach seinem Katastrophen-Pass vor dem 0:1 auf den ebenfalls schläfrigen Nico Schlotterbeck komplett verunsichert. Stets ging ein Raunen durchs Dortmunder Publikum, wenn Can in Ballnähe war. Die Formkrise des (Ex-)Nationalspielers, der in der Nachspielzeit die Großchance zum 3:3 vergab, steht sinnbildlich für den Zustand der Mannschaft.

EM nur noch ein Traum

Für Terzic ist die schwache Saison des Spielführers ein Problem. Der Trainer hatte den Sechser nach einer starken Rückserie im Sommer zum Nachfolger von Marco Reus gemacht. Terzic setzte voll auf Can, wehrte sich intern gegen die Verpflichtung des Mexikaners Edson Alvarez von Ajax Amsterdam, der nun bei West Ham United reüssiert. Eine fatale Entscheidung. Denn dass hochstehende Gegner den Borussen immer wieder Kopfzerbrechen bereiten und der Spielaufbau krankt, liegt auch an Can, der unter Bedrängnis zu häufig falsche Entscheidungen trifft.

„Ich möchte wieder besser spielen. Die Hinrunde war jetzt keine Katastrophe, aber es geht sicher besser“, sagte Can zu Beginn des Jahres. „Und das erwarte ich auch von mir. Ich möchte bei der EM auf jeden Fall dabei sein.“ Ein Traum, der kaum in Erfüllung gehen dürfte. Viel mehr geht es für den gebürtigen Frankfurter darum, wieder Fuß zu fassen und Vertrauen ins eigene Spiel zu finden. Unter Terzic? Oder unter einem neuen Coach? Darauf wird der Kapitän zunächst wohl keinen Einfluss mehr haben.

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