VonDaniel Michelschließen
Sport und Politik kollidieren, wenn Celtic Glasgow im Champions League-Spiel auf den FC Bayern trifft. Der Nahost-Konflikt spielt eine große Rolle.
München – In Glasgow gehört „You’ll Never Walk Alone“ von „Gerry and the Pacemakers“ zu den beliebten Stadionhymnen von Celtic. Die Anhänger des schottischen Vereins sind für ihre leidenschaftliche Unterstützung bekannt. Derzeit gibt es jedoch oftmals Spannungen mit den Fans von Celtic.
Celtic ist Irland verbunden
Celtic Glasgow hat Verbindungen zur irischen Nationalbewegung. Diese Verbindung resultiert aus dem historischen Konflikt, in dem das protestantische Großbritannien das katholische Irland politisch dominierte.
Während der Nordirland-Konflikt, der im 20. Jahrhundert durch Terrorakte der IRA und UDA geprägt war, seit 2005 als beendet gilt, fühlen sich viele Celtic-Anhänger im Nahostkonflikt den Palästinensern verbunden. Sie sehen Parallelen in den Erfahrungen von Unterdrückung und Widerstand.
Celtic-Fans schießen über das Ziel hinaus
Deshalb kleiden die Celtic-Fans ihr Stadion phasenweise mit palästinensischen Fahnen und Bannern ein. Ungeachtet der Debatte, ob politische Botschaften im Fußballstadion erlaubt sein sollten, wird ein Teil der Fans für ihre Solidarität mit den Palästinensern kritisiert. Ihnen wird oft vorgeworfen, in antisemitische und den Terror verherrlichende Tendenzen abzudriften.
So kam es im Oktober 2023 zu einem Eklat. Am 7. Oktober hatten die Hamas und andere bewaffnete Gruppen Israel angegriffen, über 1000 Menschen getötet und viele als Geiseln genommen. Kurz nach diesem Vorfall zeigten die Celtic-Ultras ein Banner, das den „Sieg für den Widerstand“ feierte.
Trotz der Bemühungen der Klubführung, Maßnahmen zu ergreifen, setzten die Fans ihre politischen Kundgebungen fort. Auch bei Auswärtsspielen, wie in Dortmund während der Ligaphase der Champions League, tragen die Celtic-Anhänger diesen Konflikt in die Stadien.
Auch beim Spiel gegen FC Bayern gab es politische Botschaft
Beim Hinspiel des Champions-League-Playoff vergangene Woche gegen den FC Bayern waren ebenfalls politische Botschaften zu sehen. Ein Banner forderte: „Show ‚Israel‘ the Red Card“, wobei das Wort Israel in blutroten Buchstaben geschrieben und in Anführungszeichen gesetzt war, was offenbar das Existenzrecht Israels infrage stellen sollte.
FC Bayern besitzt jüdische Wurzeln
Beim Rückspiel in München ist nun erneut eine politische Botschaft der Celtic-Fans zu erwarten. Dies ist besonders brisant, da der FC Bayern von Juden gegründet wurde und eine enge Verbindung zu Israel hat. Der ehemalige Bayern-Spieler Noussair Mazraoui geriet in die Kritik, als er nach dem Angriff auf Israel in den sozialen Medien die Palästinenser unterstützte. Sowohl Fans als auch die Klubführung äußerten deutliche Kritik an ihm, es musste zu einer Aussprache mit Bayerns israelischen Ersatzkeeper Daniel Peretz kommen. Dienstagabend droht nun womöglich ein neuer Eklat.
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