Die Reaktionen nach der schwachen Leistung im MetLife Stadium offenbaren eine bemerkenswerte Diskrepanz: Während Trainer Niko Kovač sein Team diplomatisch in Schutz nimmt, gehen die BVB-Spieler schonungslos mit sich selbst ins Gericht.
Das torlose Remis gegen den brasilianischen Traditionsverein war über weite Strecken einseitig. Nur den Paraden von Gregor Kobel war es zu verdanken, dass der BVB nicht mit einer hochverdienten Niederlage in das Turnier startete. Kovač bemühte sich nach dem Schlusspfiff sichtlich um Schadensbegrenzung.
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Kovač nimmt BVB in Schutz: „Der Platz war definitiv ein Faktor“
„Wir müssen damit leben – und wir können auch damit leben. Es war sicherlich nicht das beste Spiel von uns, aber für das erste Spiel war es in Ordnung“, relativierte der Trainer die schwache Leistung seiner Mannschaft bei DAZN.
Besonders auffällig: Kovač führte gleich mehrere Entschuldigungen ins Feld. „Man muss auch bedenken: Wir haben am 17.5. das letzte Spiel gehabt, heute ist der 17.6. – also ein Monat, wo wir im Grunde genommen kaum zusammen waren“, erklärte der Ex-Profi. In der Pressekonferenz schob Kovač nach: „Der Platz war definitiv ein Faktor. Der Ball lief nicht so, wie wir es aus Europa gewohnt sind.“
BVB-Spieler lassen keine Ausreden gelten
Völlig anders klangen die Einschätzungen der Dortmunder Akteure. Niklas Süle ließ bei seiner Generalkritik am BVB-Auftritt keine Ausflüchte gelten: „Da gibt es auch keine Ausreden wegen der Bedingungen. Der Platz ist schon ziemlich kacke, der Ball ist nicht mal gesprungen. Aber das sind alles nur dumme Ausreden.“
Die Absage an Kovačs Rechtfertigungsversuche könnte deutlicher kaum ausfallen. Süles weitere Analyse traf den Kern des Problems: „Wir waren mit Ball schwach. Wir hatten uns deutlich mehr vorgenommen.“
Pascal Groß ergänzte diese Einschätzung um wichtige taktische Aspekte: „Die Brasilianer waren besser im Zweikampf, sie haben intensiver gespielt, wir haben keinen Zugriff bekommen. Wir waren oft einen Schritt zu spät.“ Seine ehrliche Bewertung: „Es ist kein Beinbruch – aber wir müssen uns deutlich steigern.“ Das gilt nicht zuletzt für den Nationalspieler selbst, an dem die Partie völlig vorbeilief.
Julian Brandt lieferte die präziseste inhaltliche Analyse des Abends: „Sie waren galliger, aber auch deswegen, weil wir immer wieder durch das Zentrum gespielt haben. Eigentlich waren unsere Lösungen auf außen, wir haben sie aber nicht genutzt.“
Die Spieler wussten, was zu tun gewesen wäre – konnten es aber nicht umsetzten. „Lange Bälle gegen Thiago Silva, da kann man sich denken, dass das nicht unbedingt die beste Lösung ist“, wurde Brandt in seiner Kritik deutlich.
„Antizyklischer“ Führungsstil von Kovač beim BVB
Überbewerten muss man den Auftakt des BVB bei der Klub-WM nicht. Die längere Pause seit dem Bundesliga-Finale, die späte Anreise in die USA und die ungewohnten Bedingungen auch mit der Anstoßzeit um 12 Uhr mittags sind Faktoren, die es zu berücksichtigen gilt.
Die Spieler hingegen übernehmen Eigenverantwortung und zeigen zumindest nach außen hin die Haltung, die für eine Wende bei der Klub-WM nötig ist. Süles Versprechen klingt entschlossen und zielgerichtet: „Wir werden einiges investieren in den nächsten Tagen, um es im zweiten Spiel besser zu machen“
Die ehrlichen Worte von Süle, Groß und Brandt lassen hoffen, dass die Dortmunder aus diesem ernüchternden Auftakt die richtigen Schlüsse ziehen werden. Und auch Kovač wird intern gewiss mit mehr aufwarten als mit Schutzbehauptungen.