Machtpolitik

So errichten Eberl und Freund die neue „Spezlwirtschaft“ beim FC Bayern

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Wer als Funktionär beim FC Bayern machtpolitisch überleben will, braucht beim deutschen Rekordmeister gute Freunde. Die Sportchefs Max Eberl und Christoph Freund sind sich dieser Tatsache offenbar bewusst.

München – Im Münchner Stadtbezirk Sendling hat die „Spezlwirtschaft“ an der Implerstraße Ecke Oberländerstraße unlängst den Betrieb eingestellt. In Giesing an der Säbener Straße scheint dagegen eine neue „Spezlwirtschaft“ eröffnet zu haben. Wohlgemerkt: Bei der „Spezlwirtschaft“ in Sendling handelt es sich um eine Gaststätte, bei der „Spezlwirtschaft“ an der Säbener Straße geht es um Machtstrukturen und wie Funktionäre Beziehungsgeflechte beim FC Bayern aufbauen. Denn der Ausdruck „Spezl“ steht in Bayern für „gute Freunde“.

Es geht um Vertrauen

Vorweg sei gesagt: Es ist nichts Verwerfliches oder Illegales, sich Freunde, Bekannte, Weggefährten oder sogar Familienangehörige beruflich an seine Seite zu holen. Es geht dabei oftmals um Vertrauen und Rückhalt in einem vermeintlich gefährlichen Arbeitsumfeld, indem man seinen begehrten Job vor Rivalen absichern und sich die nötige Freiheit schaffen muss, um erfolgreich arbeiten zu können.

Beim FC Bayern also, einem der erfolgreichsten Unternehmen in Deutschland, gehört es zum Alltag, dass Freunde, Bekannte, Weggefährten und Familienangehörige sich legal gegenseitig zu Jobs verhelfen. Dazu gab es auch in der Vergangenheit regelmäßig Berichte in den Medien.

Salihamidzic holte Ex-Teamkollegen zum FC Bayern

Neu ist in diesem System, dass mit der Abdankung von Patron Uli Hoeneß und Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge neue Bayern-Bosse sich neue Freunde in den Klub holen. Ex-Manager Hasan Salihamidzic etwa brachte einige Ex-Teamkollegen wie Miroslav Klose, Martin Demichelis und Halil Altintop in den Verein. Der frühere Vorstandsboss Oliver Kahn wiederum wirbelte die höchste Ebene der Münchner durch und zog Weggefährten aus seiner Zeit als Unternehmer mit zum FC Bayern – gleichzeitig baute er auf seinen Bruder Axel als Medienberater.

Kahn und Salihamidzic sind seit 2023 bekanntlich Geschichte, jetzt haben zwei andere Funktionäre beim FC Bayern das Sagen: Sportvorstand Max Eberl und Sportdirektor Christoph Freund. Auch dieses Duo holt sich offensichtlich „Spezeln“ ins Boot. Auffällig ist zum Beispiel die schnelle Beförderung von René Maric. Die Taktikblogger-Ikone erhielt einst einen Job bei RB Salzburg, als Freund dort die Geschicke geleitet hatte. Für Maric ging es danach als Co-Trainer weiter zu Borussia Mönchengladbach. Manager zu dieser Zeit in Gladbach war: Max Eberl.

Der steile Karriereaufstieg von Maric

Nun wurde Maric im November 2023 aus der Arbeitslosigkeit herausgeholt und bekam beim FC Bayern im Jugendbereich eine Anstellung als „Entwicklungscoach“. Dann ging es Schlag auf Schlag mit den Beförderungen: über Chefcoach für die U19-Auswahl hin zum Co-Trainer der Profi-Mannschaft zur Saison 2024/25. Eine Begründung für den steilen Karriereaufstieg gab es für die Öffentlichkeit auch: Maric kenne den neuen Chefcoach Vincent Kompany von einem gemeinsamen Trainerlehrgang. Womöglich dient Maric neben seiner Taktikexpertise also als Verbindungsmann zwischen dem eingespielten Trainerteam um Kompany und der Vorstandsriege um Eberl und Freund.

Christoph Freund (l.) und Max Eberl (r.) zeigen sich als starkes Duo beim FC Bayern.

Neben Maric hat die vergangenen Tage eine weitere Personalie aufhorchen lassen: Markus Weinzierl ist ab sofort Leiter der Nachwuchsabteilung des FC Bayern. Diese Entscheidung der Bayernführung lässt die Frage aufkommen: Welche Qualifikation besitzt eigentlich Weinzierl für diesen Job, ist er doch nicht gerade in den vergangenen zwei Jahrzehnten in der Jugendförderung von Fußballstars aufgefallen.

Weinzierl verbucht Erfolge mit FC Augsburg

Weinzierl lieferte jedoch fantastische Arbeit als Chefcoach beim FC Augsburg ab. Er führte die bayerischen Schwaben in den Europapokal und sorgte mehrfach für den Klassenerhalt des FCA. Bei Traditionsklubs wie Schalke 04, dem VfB Stuttgart und dem 1. FC Nürnberg scheiterte der 49-Jährige dagegen kläglich. Die Biografie wirkt demnach nicht gerade Bayern-like, wobei Weinzierl in den 1990er-Jahren für die Amateure des FC Bayern gespielt hatte.

So gelangt man wiederum zum Thema „Spezlwirtschaft“ an der Säbener Straße. Denn Weinzierl und Sportvorstand Eberl stammen aus demselben Landkreis in Niederbayern und sind als Jugendliche gemeinsam zu Auswahlmannschaften gefahren. Dabei ist nach fussball.news-Informationen eine große Freundschaft zwischen den beiden Fußballern entstanden.

So wollte Eberl später Weinzierl als Trainer in Gladbach verpflichten. Allerdings fanden beide nicht den passenden Time-Slot für ein Engagement. So blieben die beiden Freunde weiter im Austausch, konnten aber nie für einen Klub gemeinsam arbeiten – bis jetzt!

Ersatz für Kompany?

Und wer strategisch weiterdenken will: In der vergangenen Saison gab der FC Bayern frühzeitig die Trennung von Chefcoach Thomas Tuchel zum Saisonende bekannt. Zeitweise gab es wohl auch die Überlegung, Tuchel vorzeitig zu entlassen. Im Regelfall nehmen Bundesligaklubs dann für eine Überbrückungszeit von ein paar Wochen den Co-Trainer oder den Coach der 2. Mannschaft als Interimstrainer zur Hilfe. Bei den Münchnern gab es aber keinen Übungsleiter, der der Qualifikation nach dafür ernsthaft infrage gekommen wäre.

Für die Saison 2024/25 hat Eberl dagegen vorgesorgt. Für den Fall der Fälle hat er einen erfahrenen Bundesligatrainer parat – der dazu noch ein wirklich guter „Spezl“ von ihm ist.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Markus Ulmer

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