VonIngo Durstewitzschließen
Der Eintracht-Verteidiger Philipp Max blickt auf ein ziemlich vermurkstes Jahr zurück. Das Eintracht-Klassenbuch.
Vor einem Jahr sprühte der Frankfurter Linksverteidiger Philipp Max vor Optimismus. Im Eintracht-Trainingslager im österreichischen Windischgarsten gab er sich bescheiden und reflektiert, aber auch selbstbewusst und hungrig. Über die Eintracht wollte er sich unbedingt für eine Rückkehr in die Nationalmannschaft empfehlen, zumal ja die EM im eigenen Land vor der Türe stand. „Es ist ein Riesentraum, bei einem großen Turnier dabei zu sein“, sagte der nun 30-Jährige.
Zweimal stand er kurz davor, zweimal ist er nicht berufen worden. „Ich werde jetzt alles daran setzen, um auf mich aufmerksam zu machen und vielleicht auf den Zug aufzuspringen.“ Wichtig sei in diesem Zusammenhang, „dass wir international spielen“.
Was Philipp Max da noch nicht wissen konnte: Die Eintracht spielte international, er aber erst mal nicht. Und der Traum von der EM? Geplatzt, ehe er richtig begonnen hatte. So blieb ihm jetzt nur, gute Wünsche zu schicken an den Kollegen Robin Koch, der es geschafft hat in den Kreis der auserwählten DFB-Kicker: „Robinho, herzliche Glückwünsche zur EM-Teilnahme, hast Du dir mehr als verdient.“
Rätsel um Toppmöller
Es war ein verflixtes Jahr für den Sohn der Schalker Legende Martin Max, eines, das er wahrscheinlich am liebsten schnell wieder vergessen würde. Oberflächlich betrachtet. Andererseits ist Philipp Max so nicht gestrickt. Immer dann, wenn es Widerstände gibt, wenn etwas aus dem Ruder läuft, hat er die Fähigkeit, gegenzusteuern und sich neu zu justieren. So wie zu Saisonbeginn, als Trainer Dino Toppmöller sich für jedermann völlig überraschend dazu entschied, den Routinier nicht für die Conference-League-Spiele zu nominieren. Ein Brett für Max, eine derbe Enttäuschung. Und eine drakonische Maßnahme, die in der Mannschaft nicht gut ankam. Der harte Kern des Teams fragte sich, weshalb ausgerechnet Max, der vielleicht nicht die beste Form hatte, aber ein integrer Typ ist und wichtig fürs Binnenklima, außen vor blieb, während fast alle anderen berufen wurden, auch solche, die sonst gar nicht im Profikader geführt wurden, Mehdi Loune, Harpreet Ghotra oder Dario Gebuhr etwa. Natürlich auch Niels Nkounkou, der direkte Konkurrent, nur ein paar Tage zuvor verpflichtet.
Eintracht-Zeugnis
Eintracht Frankfurt läuft am Ende auf Rang sechs ein, kann aber die Menschen in der abgelaufenen Saison nicht begeistern. Im FR-Abschlusszeugnis reicht es daher nur für die Note 3- für den Bundesligisten.
Das große Klassenbuch gibt’s dieses Mal in Serienform und loser Folge. Spieler für Spieler im Porträt – vom Primus über den Musterschüler bis hin zu den Sitzenbleibern.
Heute im Check: Philipp Max.
Das führte intern zu schlechter Stimmung, die Führungsspieler waren maximal irritiert. Und bis heute weiß niemand, weshalb Toppmöller diese harte Entscheidung so traf. Max musste sich von diesem Keulenschlag erst erholen. Er hat einen Mentaltrainer konsultiert, viele Gespräche geführt, versucht, die Schuld bei sich zu sehen und nicht bei anderen. Der Austausch mit Vertrauten sei fruchtbar gewesen, „gut für die Seele“, er habe die „innere Gier“ und den „inneren Schweinehund“ in sich geweckt. „Ich hatte zwei Möglichkeiten: Entweder den Kopf in den Sand zu stecken, dem Trainer, meinen Mitspielern und den Leuten um mich herum die Schuld zu geben. Oder Gas zu geben“, sagt er. „Das habe ich getan. Ich wollte zeigen, dass es eine falsche Entscheidung war.“
Philipp Max hat sich langsam aus dem Tal gekämpft, aber seine Leistungen blieben trotzdem wechselhaft. Den Zweikampf gegen Niels Nkounkou hat er nicht für sich entscheiden können, obwohl der Franzose doch ein sehr unsicherer Kantonist ist; bei ihm weiß man nie, was kommt, er ist das Gegenteil von Verlässlichkeit. Dafür aber insgesamt spektakulärer und offensivstärker als Max, der stets pendelte zwischen Bank und Startformation. Das zeigen auch die Zahlen: 34 Mal im Kader, 17 Mal in der ersten Elf. Das ist nichts, was den Linksverteidiger zufriedenstellen kann.
Und merkwürdigerweise war er auch zum Schluss wieder außen vor: In den letzten vier Begegnungen saß er über 90 Minuten draußen. Ob es an seinem Lapsus gegen den FC Augsburg lag, der zum zwischenzeitlichen 0:1 führte? Kann sein, dann aber würden Fehler bei Philipp Max gleich doppelt so schwer wiegen wie bei anderen. Tuta, Nkounkou oder Eric Dina Ebimbe hätten daran gemessen noch sehr viel weniger spielen dürfen.
Philipp Max wird sich, so oder so, neu sortieren. Und wieder angreifen. So wie sein ganzes Profileben, denn in den Schoß gefallen ist ihm nie etwas. „Bei mir war es so, dass ich mir immer alles erarbeiten musste.“ So wird es ab Juli wieder sein. Ausgang offen.
