VonIngo Durstewitzschließen
Eintracht Frankfurt verzückt die Fans beim 3:1-Erfolg gegen die enttäuschende TSG Hoffenheim mit Zaubertoren und einer Doppel-Attraktion im Sturm.
Am Samstagabend hat der Fußballtrainer Dino Toppmöller auf dem Mainzer Lerchenberg einen ähnlich abgeklärten Auftritt hingelegt wie die von ihm angeleitete Eintracht-Mannschaft ein paar Stunden zuvor im Frankfurter Stadtwald. Als Gast der ZDF-Institution „Sportstudio“ gewährte der Eintracht-Coach tiefe Einblicke in seinen Job und ihn als Menschen und gab sportlich, en passant, die Richtung für die neue Saison vor: „Wir erhoffen uns mehr Spektakel, das Salz in der Suppe sind die Tore“, sagte der 43-Jährige. „Wir wollen mit einer anderen Energie die Zuschauer mitnehmen und das Stadion noch mehr elektrisieren.“
Hat zuvor im nahen Frankfurter Waldstadion schon ganz gut geklappt. Anschließend beeindruckte der frühere Profi noch an der Torwand, vier Treffer, klassisch zwei oben, zwei unten. „Wow, Wahnsinn“, entfuhr es Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein. Es war, man kann das zweifellos so formulieren, der perfekte Tag für den in der vergangenen Saison nicht selten gescholtenen Dino Toppmöller, und es war der perfekte Tag für Eintracht Frankfurt.
Mehr zu Eintracht Frankfurt
Am Nachmittag nämlich waren die Hessen im ersten Heimspiel der Saison förmlich über die TSG Hoffenheim hinweggefegt - zumindest in einigen Phasen der Partie. Da spielte sich die Mannschaft fast schon in einen Rausch, zauberte im Glutofen Waldstadion nach Herzenslust, die drei Treffer zum 3:1-Erfolg waren allesamt herausragend initiiert und abgeschlossen worden. Eines schöner als das andere. Eindrucksvoll.
Selbst als der umtriebige Hoffenheimer Andrej Kramaric kurzzeitig auf 1:2 stellte und die Hoffnung der Kraichgauer wiederbelebte (54.), schlug die Eintracht nicht mal 120 Sekunden später eiskalt zurück. Mario Götzes Traumzuspiel nutzte Omar Marmoush zur Entscheidung, zack, 3:1, Deckel drauf. Ja ja, ausgerechnet Omar Marmoush, der tags zuvor mit seinem Treuebekenntnis zur Eintracht die Frankfurter Fangemeinde in Hochstimmung versetzt hat.
Überhaupt: Omar Marmoush und Sturmpartner Hugo Ekitiké, das Duo Infernale, waren in der Kombination zu viel für die insgesamt enttäuschenden Sinsheimer. Die beiden Angreifer verzauberten das Publikum, mit ihrem Tempo, ihrer Raffinesse und Dribbelstärke waren sie nicht zu halten, einfach zu schnell und zu gut für die Hoffenheimer Deckung, die einem fast schon leidtun konnte. Die Tore waren spektakulär, grandios herausgespielt: Das 1:0: Niels Nkounkou perfekt auf Marmoush, Marmoush perfekt auf Ekitiké, Ekitiké perfekt im Abschluss gegen Torwart Oliver Baumann (24.).
Eintracht-Sieg gegen Hoffenheim: Brillant herausgespielt
Das 2:0 war ebenso brillant herausgespielt, „überragend“, wie Toppmöller befand. Wieder bediente Marmoush seinen Sturmpartner und dessen Steckpass in den Lauf von Hugo Larsson war alleine schon das Eintrittsgeld wert. Der Schwede erzielte formvollendet das 2:0 (33.). „Tolle Mannschaftsleistung“, jubilierte Sportvorstand Markus Krösche. „Wir haben große Qualität.“ In fast allen Mannschaftsteilen.
Die Abwehr ist durch die Zugänge der robusten und abgezockten Rasmus Kristensen und Arthur Theate auf ein anderes Niveau gehoben worden, „sie machen uns besser“, urteilte der Trainer. Besonders beeindruckend bei diesen beiden: Sie spielen so, als würden sie schon seit Jahren in dieser Mannschaft stehen, sind voll drin und gehen voran. Kristensen etwa pusht die Kameraden permanent. „Rasmus gibt viele Kommandos“, sagt Mitspieler Larsson und fügt lachend hinzu: „Auch wenn er mich ganz schön viel anschreit.“
Doch gerade im Angriff hat die Eintracht eine neue Attraktion erschaffen, einen spektakulären und explosiven Traumsturm, der in dieser Verfassung die Chance hat, die Bundesliga zu erobern. Marmoush, auf der geliebten linken Seite eingesetzt, und Ekitiké im Zentrum ergänzen sich hervorragend, harmonieren bemerkenswert gut. Die Chemie stimmt. „Sie finden sich immer mehr, die Abläufe funktionieren mehr und mehr“, sagte Sportchef Krösche. Coach Toppmöller flankiert: „Durch ihr Tempo sind sie sehr schwer zu verteidigen. Jeder im Stadion hat Freude, diese Spieler zu sehen“, sagte er und machte gleich ein bisschen Druck. „Die Messlatte liegt nach diesem Spiel noch mal höher.“
Gerade Ekitiké macht einfach da weiter, wo er in der vergangenen Saison aufgehört hat, als er die Eintracht fast im Alleingang in die Europa League schoss. Auch jetzt hat er schon wieder drei Tore und zwei Vorlagen nach drei Pflichtspielen auf dem Konto – an fünf der sieben Eintracht-Treffern war er also beteiligt. Ein herausragender Wert. Nahezu absurd, dass nicht wenige im Frankfurter Umfeld anfangs die Qualität des Angreifers infrage stellten. Ekitiké ist ein Ausnahmekönner.
Findet auch Sportvorstand Krösche: „Er hat unheimliche Fähigkeiten und ein gutes Spielverständnis, auch die nötige Ruhe.“ Ginge es nach dem Eintracht-Manager, ist der gerade mal 22-Jährige zu Höherem berufen. „Wenn er so weitermacht, hat er große Chancen, französischer Nationalspieler zu werden. Definitiv.“ Doch natürlich hat Krösche noch Verbesserungspotenzial bei dem 20-Millionen-Einkauf ausgemacht, bedachte ihn mit einem dezenten Hinweis: „Defensiv hat er schon noch ein paar Themen.“
Trainer Toppmöller vergaß in dem ganzen Trubel um das furiose Sturmduo klugerweise nicht, das ganze Ensemble hervorzuheben. „Wir sind jetzt breiter aufgestellt“, befand er und berichtete, weshalb er die gesamte Woche über schon ein gutes Gefühl in sich trug. „Wir haben eine homogene Gruppe beieinander, eine ganz tolle Energie. Es macht unfassbar viel Spaß, mit den Jungs zu arbeiten.“ Das bestätigte der famose Mittelfeldmann Hugo Larsson. „Der Spirit im Team ist besser als letztes Jahr“, beschied er, wollte damit aber nicht sagen, dass er damals schlecht gewesen sei. Doch man kenne sich nun besser, sei fester zusammengewachsen: „Alles funktioniert besser als vergangene Saison.“
Mit zwei Siegen aus drei Partien verabschiedet sich die Eintracht in die kurze Bundesligapause. Ein Anfang ist gemacht.
