Bundesliga

Ein Ritter von freundlicher Gestalt für Borussia Dortmund

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Mehr BVB geht nicht: Lars Ricken auf der Tribüne.

Lars Ricken stellt sich als neuer Sportchef bei Borussia Dortmund vor und wird sogleich an die Champions League-Finals 1997 und 2013 erinnert.

Es ist ein kurioser Zufall, dass Lars Ricken auch bei der dritten Teilnahme von Borussia Dortmund an einem Champions-League-Finale irgendwie beteiligt sein wird. „Ich war 1997 im Blickpunkt durch das Tor“, erinnerte sich der neue Geschäftsführer Sport des BVB bei seiner Vorstellung im Dortmunder Stadion an seinen Siegtreffer zum 3:1 im Endspiel von München gegen Juventus Turin – und ergänzte mit Blick auf das 1:2 im Londoner Wembley-Stadion gegen den FC Bayern vor elf Jahren: „2013 dann ein bisschen unfreiwillig...“ Die etwas skurril anmutende Szene, wie Ricken damals vor dem Anpfiff gemeinsam mit Bayern-Legende Paul Breitner – beide in eine Ritterrüstung gewandet – die Trophäe aufs Spielfeld brachte, findet dieser Tage gelegentlich wieder Erwähnung in den sozialen Netzwerken.

Das hat zum einen mit Rickens Beförderung vom Direktor Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) zum Geschäftsführer Sport zu tun, die zum 1. Mai in Kraft getreten ist. Zum anderen aber auch damit, dass die Borussia erneut in Wembley am 1. Juni gegen Real Madrid wieder um Europas größten Titel im Klubfußball kämpfen wird. Ricken machte aber klar: „In London soll der Raum jetzt den Leuten gehören, die ein Jahr lang dafür gekämpft haben und es sich verdient haben.“

Am Mittwoch gehörte die Bühne erst einmal dem BVB-Urgestein. „Für den einen oder anderen mag es überraschend gekommen sein, für mich eigentlich nicht“, sagte Ricken über sein neues Amt, für das lange Sportdirektor Sebastian Kehl als heißer erster Anwärter gegolten hatte.

Hans-Joachim Watzke, der die Verantwortung für den Sport abgegeben hat, aber zunächst Vorsitzender der Geschäftsführung bleibt, habe ihm „vor vier, fünf Jahren schon einmal gesagt, dass er mich mittelfristig in der Geschäftsführung sieht“, führte Ricken aus. Schließlich fragte Watzke seine Bereitschaft ab. „Da brauchte ich keine Nacht, um darüber zu schlafen, sondern ich bin bereit für diese Verantwortung“, versicherte der 47-Jährige.

Watzke betonte: „Wir haben Anforderungsprofile gehabt, verschiedene Szenarien diskutiert. Aber ein finales Gespräch ist nur mit Lars geführt worden.“ Dass dieser gebürtiger Dortmunder ist, sei „eher zu vernachlässigen“, so der Klubchef: „Das war kein Auswahlkriterium. Nichtsdestotrotz ist es gut, denn als gebürtiger Dortmunder hast du einen etwas größeren Kreditrahmen.“

Bei den Fans dürfte Ricken den nicht nur wegen seiner Verdienste um das NLZ – eines der erfolgreichsten in Deutschland – haben. Es ist seine Verbundenheit zum Verein und zur Stadt, durch die Ricken einen Sonderstatus genießen dürfte. „Das ist mein Verein, ich bin hier geboren. Seit über 40 Jahren gehe ich in dieses Stadion“, erklärte Ricken, der als Profi nie für einen anderen Klub spielte und mit den Westfalen als Aktiver dreimal Deutscher Meister wurde.

„Andere stark machen“

Als Direktor des NLZ verrichtete der frühere Offensivspieler sein Werk etwas außerhalb des Scheinwerferlichts. Das wird nun anders. Ricken wird das interne Zusammenspiel etwa zwischen dem Technischen Direktor Sven Mislintat und Kehl, mit dem er ein „klärendes Gespräch“ gehabt habe, moderieren müssen – und nach außen die Entscheidungen erklären. „Die Öffentlichkeit ist für mich keine neue Rolle, weil ich als Spieler schon sehr stark in der Öffentlichkeit war“, sagt Ricken.

Zuvor hatte er bereits seine Auffassung von Führung skizziert: „Ich verstehe unter moderner Führung, andere stark zu machen. Dementsprechend muss ich die Rahmenbedingungen schaffen, dass jeder für sich in seinem Bereich optimal arbeiten kann und alle optimal zusammenarbeiten können.“ So weit die langfristige Idee. Kurzfristig gehen aber auch Rickens Gedanken Richtung Wembley. „Ich hoffe nicht, dass ich irgendeine Rolle auf dem Platz haben werde, sondern natürlich auf der Tribüne sitzen werde“, sagte er. Die Ritterrüstung dürfte diesmal also außen vor bleiben.

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