Neuer vor Comeback

Ein Yeti names Manuel Neuer

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Zurück in seinem Element: Manuel Neuer, 37 Jahre alt, genesen von einem Beinbruch. dpa
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Nach zehnmonatiger Verletzungspause kehrt der Nationalkeeper beim Heimspiel gegen Darmstadt 98 ins Tor des FC Bayern zurück. In Ehrfurcht wollen die Lilien aber nicht erstarren.

Normalerweise ist es nicht sehr relevant für eine Mannschaft wie den SV Darmstadt 98, wer bei Spielen in München beim Gegner im Tor steht. Dieser Gegner ist ja der FC Bayern, der deutsche Rekordmeister, Weltklassespieler, wohin man schaut, und wenn der FC Bayern seine erdrückende Dominanz ausstrahlt, dann wird sein Torwart fürs andere Team zum Phantom, zu einem Gerücht irgendwo ganz weit da hinten, am anderen Ende der Wiese. Wer ihn aus der Nähe zu Gesicht bekommt, darf den staunenden Mitspielern hinterher davon kundtun.

Eine Begegnung, die diesmal besonders eindrucksvoll ausfallen würde. Denn wenn die Darmstädter am Samstag (15.30 Uhr/Sky) in der Fröttmaninger Arena auflaufen, heißt der Yeti im Bayern-Tor nach langer, langer Zeit mal wieder Manuel Neuer. Zehn Monate nach seinem offenen Beinbruch, erlitten bei einem Skiunfall, kehrt die 37-jährige Torwartikone zurück ins Tor der Münchner. Das bestätigte Trainer Thomas Tuchel am Freitag auf der Pressekonferenz. „Ich spüre seine Vorfreude und spüre seine ganze Klasse. Er hat eine riesige Erfahrung, er genießt das gerade“, sagte Tuchel und ergänzte: „Da wird mit Sicherheit ein gewisses Maß an Nervosität dazukommen, ein Kribbeln. Ich bin sicher, dass er ganz schnell in den Rhythmus kommt.“

Lilien-Lob von Tuchel

Hauptsache, das Kribbeln ist nicht mehr im verletzten Bein zu spüren. Sein bislang letztes Spiel überhaupt hatte der Nationalkeeper beim frühen deutschen WM-Aus in Katar am 1. Dezember 2022 gegen Costa Rica bestritten. Nach der Enttäuschung wollte Neuer auf einer Ski-Tour mit Freunden den Kopf frei bekommen, kehrte stattdessen aber im Helikopter mit offenem Bruch am Schien- und Wadenbein des rechten Unterschenkels zurück ins Tal. Das jähe Karriereende schien nicht fern. Und war es offenkundig auch nicht. „Manuel hat realisiert, wie knapp es war“, sagte Tuchel am Freitag. Umso höher sei dieses Comeback nun einzuordnen.

Allerdings werden die Darmstädter versuchen, nicht gänzlich vor Respekt zu erstarren, und fast darf man davon ausgehen, dass es ihnen gelingen wird. Die vergangenen Wochen sprechen dafür. Das Heimspiel gegen RB Leipzig am vergangenen Wochenende zum Beispiel, 1:3 verloren, aber die Lilien-Leistung gegen den Champions-League-Teilnehmer war in ihrer Widerstandskraft beeindruckend. Kein Zufall, dass die Südhessen mit sieben Punkten den Anschluss ans Tabellenmittelfeld gefunden haben. „Sie haben sich in die Liga reingekämpft, reingebissen, reingefuchst“, lobt Thomas Tuchel das Team von Trainer Torsten Lieberknecht.

Der saß schon am Donnerstag sehr aufgeräumt auf dem Podium im Presseraum des Böllenfalltor-Stadions. In der Arena in München zu spielen, das sei so ein untrügliches Zeichen, dass man in der Bundesliga dabei sei, erklärte Lieberknecht. Schon im Aufstiegsrennen vergangene Saison sei dieses Spiel ein Antrieb gewesen für die Mannschaft.

Die Erfolgschancen? Lieberknecht, der fast auf den kompletten Kader zurückgreifen kann, macht sich da nichts vor: „Wir brauchen einen perfekten Tag für uns, und wir brauchen einen Moment der Schwäche der Bayern. Aber wir fahren da jetzt nicht nur hin, um gegen Bayern München spielen zu dürfen.“ Das Neuer-Comeback? Er freue sich, „dass der beste Torhüter Deutschlands wieder fit und einsatzfähig ist.“ Einen kleinen Gag konnte Lieberknecht sich zur dem Thema nicht verkneifen. „Sie sind da schneller gewesen als wir mit Dimo Wache. Da arbeiten wir auch daran.“ Wobei ein Comeback des 49-jährigen Torwarttrainers dann noch mal ein wenig erstaunlicher wäre als das von Manuel Neuer.

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