Marmoush und Chaibi überragen

Eintracht besticht durch ihre ungezügelte Offensive

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Erstes Tor für die Eintracht, doch zum Sieg hat es nicht gereicht: Fares Chaibi macht das 3:2.
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    Daniel Schmitt
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Die Eintracht besticht plötzlich durch ihre ungezügelte Offensive – das war so nicht zu erwarten.

Ganz zum Schluss des furiosen Fußballkrimis im Frankfurter Dauerregen war der beste Eintracht-Spieler einfach nur noch platt. Fix und foxi. Einen letzten Sprint zog Omar Marmoush noch an, tief rein in den Dortmunder Strafraum, 95 Minuten waren schon gespielt, und als der Angriff schließlich abgefangen war, es nichts mehr werden würde mit dem Lucky Punch in der Nachspielzeit, dem 4:3, da hatte der 24-Jährige seine liebe Mühe und Not, sich irgendwie aus der Abseitsposition zu schleppen. Der Kerl konnte einfach nicht mehr. Das ist nachvollziehbar.

Denn der Ägypter legte in den eineinhalb Stunden zuvor einen bemerkenswerten Auftritt hin. Der Stürmer war sich für keinen Lauf und keinen Spurt zu schade, er stresste die Dortmunder Abwehrspieler mit jeder Faser seines Körpers, jeder Zweikampf schien es ihm wert, mit allem, was in ihm steckt, geführt zu werden.

Und nicht nur das: Marmoush war überdies an fast allen relevanten Situationen beteiligt. Erst schoss er den Ball aus elf Metern eiskalt ins Tor (8.), dann staubte er zum 2:0 ab (24.), einmal, kurz vor der Pause, schoss er noch an den Pfosten, und natürlich war er involviert in die mit Abstand heikelste Entscheidung des Nachmittags: BVB-Schlussmann Alexander Meyer holte den Angreifer von den Beinen, ehe er den Ball berührte. Klarer Strafstoß. Nur nicht für Schiedsrichter Robert Schröder, der trotz minutenlangen Studiums der TV-Bilder weiterspielen ließ. Das konnten nicht besonders viele Menschen verstehen.

So oder so: Marmoush hat inzwischen acht Tore auf seinem Konto, viermal in der Bundesliga getroffen. Der pfeilschnelle Akteur trägt die Offensive auf seinen schmalen Schultern, hat binnen weniger Wochen einen gewaltigen, in dieser Rasanz nicht zu erwartenden Entwicklungsschritt gemacht. „Omar ist ein fantastischer Junge, der immer Vollgas gibt“, sagt Trainer Dino Toppmöller. Er habe sich in der „roten Zone“, also dem torgefährlichen Bereich, stark verbessert, sei ruhiger geworden. „Er hat eine sensationelle Entwicklung genommen“, befindet der Fußballlehrer, der die Offensivkraft ja nur aus der Not als Mittelstürmer aufgeboten hat. Doch wie er diese Rolle „als Neuner“ annehme – „Hut ab!“

Götze schmollt nicht

Marmoush ist jedoch nicht mehr der Alleinunterhalter im Angriff. Ansgar Knauff kommt langsam wieder ins Laufen, und da ist auch noch Fares Chaibi, der gute Kumpel, der zwar schon sechs Tore vorbereitet hatte, aber noch nicht selbst traf. Bis Samstagnachmittag. Da nahm er ein Zuspiel von Ellyes Skhiri zunächst etwas holprig auf, schirmte den Ball aber clever ab und setzte ihn gekonnt ins lange Eck (68.). „Fares hat unglaubliches Potenzial“, berichtet Toppmöller. Und neben seiner fußballerischen Klasse könne er auch noch „beißen, fighten und körperlich dagegenhalten“.

Die Abteilung Attacke hat sich gefunden, das ist offensichtlich, entscheidend ist aber genauso, dass sich fast die gesamte Mannschaft an den Angriffen beteiligt. Die personelle Besetzung im Strafraum ist im Vergleich zum Saisonstart um ein Vielfaches gestiegen, nicht selten dringt die Eintracht mit fünf, sechs Spielern in die gefährliche Zone vor. „Es wären auch fünf, sechs Tore möglich gewesen“, befand Toppmöller. Übertrieben war das nicht. „Wir müssen noch an der letzten Konsequenz arbeiten“, urteilte Knauff. Das ist richtig, verdeutlicht aber auch, wie schnell und in welchem Maße sich das Team verbessert hat. Vor wenigen Wochen noch war ein derart rundes und ungezügeltes Offensivspiel eher nicht vorstellbar.

Und das Ganze ohne Starspieler Mario Götze, dem Toppmöller gegen seinen Ex-Verein einen Bankplatz zuwies. Das Trainerteam, so der 42-Jährige, sei sich „relativ schnell“ einig gewesen, dass man der Mannschaft, die acht Tage zuvor die „bis dato beste Leistung“ gezeigt habe, unverändert antreten lassen werde und ihr das Vertrauen schenke. „Die Jungs haben es in Hoffenheim sensationell gemacht.“ Er habe daher mit Götze ein kurzes Gespräch geführt, und für den 31-Jährigen sei die Reservistenrolle „absolut in Ordnung“ gewesen.

Gar nicht dabei war Jessic Ngankam. Der Trainer verzichtete auf den zuletzt so schwachen Angreifer, obwohl er gar keinen Stürmer mehr im Kader hatte. Der Berliner sei grundsätzlich ein „top Junge“, findet Toppmöller, der dem 23-Jährigen zum einen „den Druck nehmen“, ihm aber zeitgleich den Hinweis geben wollte: „Aufpassen, ich muss mehr machen.“ Der Fußballlehrer betonte, dass es sich nicht um einen „Denkzettel“ handele. „Aber manchmal muss man Spieler auch kitzeln.“

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