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Eintracht-Bilanz: Schon okay, aber mehr wäre drin gewesen

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Hätte man nicht verlieren müssen, dieses Pokalfinale. Findet auch Makoto Hasebe. Foto: imago images
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Eintracht Frankfurt verabschiedet das Team in den Urlaub und plant die Zukunft, die herausfordernd sein wird. Dino Toppmöller hat nur knapp fünf Wochen Vorbereitung.

Das war’s jetzt. Endgültig. Die Saison 2022/23 hat die Frankfurter Eintracht mit einer durchaus stilvollen Verabschiedung für ihren Erfolgstrainer Oliver Glasner und seine ebenfalls scheidenden Assistenten Ronald Brunmayr und Michael Angerschmid offiziell beendet. Auch die Spieler wurden am Montag mit ein paar netten Worten in den Urlaub oder zu ihren Nationalteams geschickt. Manche von ihnen werden nicht mehr wiederkommen. So läuft das in diesem Geschäft, Hire and Fire. Rucki-zucki. Lässt sich auch wunderbar am Trainer ablesen: Vor einem Jahr im Sommer ist er mit Auszeichnungen, Plaketten und Ehrennadeln überhäuft worden, ein Jahr später ist er seinen Job los.

Das liegt, es ist mittlerweile hinlänglich bekannt, an ein paar atmosphärischen Störungen, inhaltlichen Differenzen und strategischen Bewertungen. Auch ein paar Egoismus-Themen belasteten das Verhältnis. Die sportliche Bewertung der Rückrunde spielte in der Gesamtbetrachtung ebenfalls eine Rolle, eine Halbserie, in der die Eintracht weniger Punkte holte als, zum Beispiel, Köln, Schalke oder Mainz.

Es bleibt eine Saison, die insgesamt gesehen ganz gut war, mit dem Achtelfinale der Champions League, dem Pokalfinale und dem siebten Platz in der Liga, die aber doch irgendwie unbefriedigend endete, einen zwiespältigen Eindruck hinterlässt. Der Einbruch in der Rückrunde, das Abrutschen von Platz vier auf sieben (erst durch einen Endspurt und sieben Punkte aus den letzten drei Partien erreicht), das Verspielen der Champions League und Europa League – all das wurmt die Sportliche Leitung doch immens. Und auch diese merkwürdig schlappe Leistung im Endspiel gegen Leipzig schmerzt sie, diese vermeidbare Niederlage gegen einen gewiss nicht überragenden Gegner, der den Pokalerfolg übrigens mit bedenklicher Geschäftsmäßigkeit abhandelte. Diese letzte Schlappe im letzten Spiel nagt an den Verantwortlichen – mit ein paar Tagen Abstand noch mehr als unmittelbar danach. Eine große Chance ist in Berlin gefühlt leichtfertig verspielt worden, weshalb über der gesamten Saison etwas Unvollendetes, Unfertiges liegt. Das latente Gefühl: Ja, gut, schon okay, aber dann auch wieder nicht, denn: Es wäre mehr drin gewesen.

Jetzt geht’s um die Ablöse

Die Verantwortlichen planen nun die neue Spielzeit, die für die Eintracht nicht minder herausfordernd sein wird. Zunächst einmal geht es darum, den Glasner-Nachfolge zu präsentieren. Dass das Dino Toppmöller sein wird, ist bekannt. Die Verkündung zieht sich noch, ist aber zeitnah geplant. Aktuell feilscht die Eintracht mit dem FC Bayern um eine angemessene Entschädigungssumme. „Toppi“ ist beim Dauermeister aus München als Assistenztrainer nur freigestellt, vertraglich aber noch bis 2024 gebunden. Beide Parteien werden sich einigen, da gibt es wenige Zweifel. Die Eintracht ist aber nicht bereit, eine Ablöse in Höhe von einer halben Million Euro zu zahlen. Letztlich könnte es auf die Hälfte hinaus laufen.

Toppmöller wird nicht viel Zeit haben, sich einzuleben. Der 42-Jährige wird einen Kickstart hinlegen und mit Vollgas starten müssen. Auf ihn wartet eine interessante Aufgabe und spannende, intensive Wochen. Denn die Mannschaft wird sich verändern, das ist klar, und solch ein Umbruch, wie groß er auch immer ausfallen mag, braucht seine Zeit. Die ist aber begrenzt, der Plan sieht vor, dass die Mannschaft eine knapp fünfwöchige Vorbereitung bestreitet, ehe es im Pokal am Wochenende vom 11. bis 14. August ernst wird. Neuer Trainer, neues Team, wenig Zeit - das kann nicht unproblematisch werden. Zumal sich die Spielweise ändern, attraktiver und noch offensiver werden soll. Auch flexibler und variabler, nicht nur, wie unter Glasner, nach Schema F und ohne einen Plan B in der Tasche. Dass das alte Trainerteam keine Antworten auf die Dechiffrierung des Eintracht-Stils hatte, sorgte intern für Verstimmung. Und auch junge Spieler sollen nun eine andere Förderung erfahren. Das ist, mal wieder, eine kleine Zäsur im großen Eintracht-Kosmos.

Es sollte also nicht verwundern, würde es anfangs ruckeln und zuckeln in Frankfurt, die Eintracht wird überdies in der Hinrunde ein Auswärtsspiel mehr austragen müssen, weil die heimische Arena an zwei Sonntagen im November (5. und 12.) blockiert ist: Die NFL macht Station im Stadtwald.

Und dann gibt es ja zwischendrin noch die Conference League, deren Teilnahme sich die Frankfurter am letzten Spieltag sicherten. Sie gilt zwar in der öffentlichen Wahrnehmung als wenig attraktiv, doch die Eintracht hat richtig Lust auf den Wettbewerb, schließlich betritt sie Neuland und kann auf durchaus reizvolle, weil exotische Gegner treffen. Dennoch ist dort nicht nur Laufkundschaft unterwegs, das Finale am Mittwoch bestreiten West Ham United und der AC Florenz. Keine ganz schlechten Klubs.

Auch finanziell kann die Conference League lukrativ sein. Sollte die Eintracht die Playoffs überstehen (was ziemlich wahrscheinlich ist) und würde eine erfolgreiche Gruppenphase spielen, wäre das „wirtschaftlich ein attraktiver Wettbewerb“, sagt Finanzvorstand Oliver Frankenbach. „Es würde sich lohnen.“

Jeder Punkt ist bares Geld

Nur an Prämien könnte die Eintracht weit mehr als zehn Millionen Euro einsacken. Hinzu kommen Zuschauereinnahmen sowie Fernseh- und Marketinggeld. Da kommt einiges zusammen. Und: Die Qualifikation war deshalb von entscheidender Bedeutung, weil die Eintracht weiter eifrig Punkte in der Koeffizienten-Rangliste der Uefa sammeln kann. Dort hat sie sich durch die regelmäßige Teilnahme und die Erfolge nach vorne geschoben. Und kein Ende in Sicht, denn: Für einen Sieg in der Gruppenphase gibt es in der Conference League zwei Uefa-Punkte – genauso wie bei den großen Brüdern Europa League und Champions League. Jeder dieser Punkte ist bares Geld. Die herausragenden internationalen Auftritte machen sich finanziell stark bemerkbar, aus der internationalen Vermarktung schüttete die DFL satte 15 Millionen Euro an die Eintracht aus – nur die Bayern sahnten mehr ab.

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