Eintracht Frankfurt

Die großen Lücken der Eintracht

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Scheint ein echter Knipser zu sein: Vangelis Pavlidis (rechts) hat für AZ Alkmaar in dieser Saison in sieben Spielen neun Tore erzielt.
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Der Frankfurter Klub wirft ein Auge auf Alkmaar-Stürmer Pavlidis, doch die Harmlosigkeit liegt nicht nur an einem fehlenden Kolo-Muani-Ersatz

Es gibt nicht wenige in der Fußballblase rund um die Eintracht, die der festen Überzeugung sind, dass der Frankfurter Bundesligist auch mit dem abtrünnig gewordenen Starstürmer Randal Kolo Muani nicht so furchtbar mehr Tore geschossen und Punkte geholt hätte. Okay, zugegebenermaßen ist das eine rein hypothetische Scheindiskussion, die sich niemals wird belegen lassen können, weder in die eine noch in die andere Richtung. Aber interessant ist es allemal.

Klar, der französische Himmelsstürmer hat in der noch jungen Saison, als er noch da war, in jedem Wettbewerb für die Eintracht getroffen. Ein Tor im Pokal in Leipzig, ein Tor im Conference-League-Playoff in Sofia, ein Tor in der Bundesliga gegen Darmstadt 98. Dreimal machte er das 1:0, was im Fußball nicht so ganz unwichtig ist. In der Beletage sorgte er für den ersten und einzigen Sieg der Hessen bislang.

Und doch sah man schon damals, dass das Spiel der Eintracht – von Kolos zunehmenderen und sichtbaren Lustlosigkeit und Entfremdung ganz abgesehen – zäher und langatmiger war, nicht mehr so schnell und flüssig, sondern eher in die Breite gezogen, schläfrig und seltsam vorhersehbar. Torchancen waren auch zu Saisonbeginn schon selten und sind es nicht erst, seit sich Kolo Muani vom Acker gemacht hat.

Nun gut, vielleicht hätte der Franzose im Vollbesitz seiner – geistigen – Kraft den einen oder anderen Treffer für die Eintracht erzielt, weil er qua seines Tempos und seiner Explosivität eben so schwer zu stoppen ist und mehr kann als viele andere. Aber an der prinzipiellen Spielweise hätte sich nichts geändert.

Berater Struth als Vermittler

Das hat etwas damit zu tun, dass das Spiel der Eintracht bewusst nicht mehr so ungestüm und kräftezehrend sein soll, das ständige Ausbluten in der Rückrunde soll ein Ende haben. Doch natürlich ist der Plan nicht gewesen, einen solch belanglosen Ballbesitzfußball zu zelebrieren, dessen Bestimmung es offenbar nur ist, möglichst wenige (individuelle) Fehler zu machen und zu einer maximalen Risikominimierung führt. Deshalb hat die Eintracht auch erst vier Tore geschossen, nur 24 Chancen erspielt und generell 59 Schüsse auf des Gegners Kasten abgegeben. Damit liegt sie am Ende des Klassements. Und steht so gar nicht für das, was die Mannschaft in den vergangenen Jahren immer ausgezeichnet hat und was sich der neue Trainer Dino Toppmöller auf die Fahren geschrieben hat. „Wir wollen Troublemaker sein.“ Nun ja.

Der Fußballlehrer passt sich ein Stück weit den Gegebenheiten an. Denn das Team ist nun mal nicht mehr mit dem von der letzten Spielzeit zu vergleichen. Ein adäquater Kolo-Muani-Ersatz konnte nicht mehr geholt werden. Weshalb die Verantwortlichen nun in alle Richtungen nach einem Nachfolger im Winter fahnden. Neben Santiago Gimenez von Feyenoord Rotterdam, Karim Konaté (RB Salzburg), Marcos Leonardo (FC Santos) und Gift Orban (KAA Gent) soll nun auch Vangelis Pavlidis auf die Liste gerutscht sein. 

Der 24 Jahre alte Grieche stürmt derzeit für AZ Alkmaar in den Niederlande und hat den ungeschlagenen Klub in dieser Saison mit neun Treffern in sieben Spielen auf Platz zwei der Eredivisie geballert. Der Mittelstürmer stammt aus der Jugend des VfL Bochum, hat für die Ruhrpottler vier Partien in der zweiten Liga absolviert und auch für Borussia Dortmunds zweite Mannschaft gespielt. Für Alkmaar machte er in der vergangenen Saison 40 Pflichtspiele, erzielte 22 Tore und bereitete 14 vor.

Sein Marktwert beträgt 14 Millionen Euro, gebunden ist er bis 2025 und wird beraten von Volker Struth, zu dem die Eintracht beste Kontakte pflegt. Der erfahrene Spieleragent vertritt auch Kevin Trapp und Mario Götze. In dieser Saison, so erzählen es die absoluten Experten, hat der Mann aus Thessaloniki einen riesigen Entwicklungsschritt gemacht und zählt inzwischen in Europa zu der Kategorie Stürmer unterhalb der absoluten Spitzenklasse. Klingt nicht uninteressant.

Die Flügel lahmen

Denn bislang ist es der Eintracht nicht gelungen, die Lücke zu schließen, die die Abgänge ihrer zentralen Spieler gerissen haben. Kolo Muani weg, Daichi Kamada weg, Djibril Sow weg, Jesper Lindström weg. So bleibt von dieser Achse aktuell nur noch Mario Götze, der aber mehr mit sich selbst beschäftigt ist und auch keine Nebenleute mehr hat, mit denen er so schön spielen kann. Das Problem ist, dass es genau diese Spieler waren, die in der furiosen Hinrunde zumeist auf dem Platz standen, wenn es halsbrecherisch nach vorne ging, beim 4:2 gegen Hoffenheim etwa oder beim 5:1 gegen Leverkusen. Schon in der Rückrunde hakte das System, weil Lindström lange ausfiel, Götze in eine erste Schaffenskrise rutschte, Kamada mit seinen Gedanken woanders war und Djibril Sow plötzlich wieder spielte wie Djibril Sow immer spielte. Nur Kolo funktionierte.

Und, auch das ist ein nicht zu unterschätzender Fakt: Die Eintracht machte ihre besten Spiele in der abgelaufenen Runde, wenn Eric Dina Ebimbe mit seiner ganzen Wucht den rechten Flügel beackerte. Der Franzose fiel in der Rückrunde aus, und nun wird er von der Halbposition auf rechts oder links geschoben. Dort spielte der 22-Jährige auch beim 0:2 in Wolfsburg und legte defensiv einen vogelwilden Auftritt hin. Die Flügel sind ohnehin ein Problem

Ebimbe gehört klar nach rechts. Aurelio Buta enttäuschte dort zuletzt arg und ist auf diesem Niveau eh kein Faktor. Ansgar Knauff befindet sich im Dauertief, auf der anderen Seite ist Philipp Max in der Hierarchie weit nach hinten gerutscht und Neuzugang Niels Nkounkou kommt inkonstant daher und ist eher unkonventionell unterwegs. Toppmöller nennt seine Flügelspieler Joker. Sein Problem: keiner sticht.

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