Vor dem Rückspiel gegen Sofia

Bewegung bei Eintracht Frankfurt

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Der letzte Schuss für Eintracht Frankfurt? Jesper Lindström neulich gegen Darmstadt 98.
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Eintracht Frankfurt tut sich spielerisch schwer. Jesper Lindström geht wohl zum SSC Neapel. Bewegt sich Paris bei Randal Kolo Muani? Rode früher wieder fit als gedacht.

In den vergangenen Tagen hat Eintracht Frankfurt den epochalen Lauf des Mijat Gacinovic anno 2018 noch einmal künstlerisch veredelt. Auf dem Weg, der vom Haupteingang des Stadions zur Haupttribüne führt und der Sommerweg heißt, ist der Sprint ins Glück des schmächtigen Serben verewigt, auf Asphalt gepinselt ist der Moment, als Jetro Williams die Bayern-Ecke per Kopf abwehrt, ein weiterer Eckpunkt des Laufs zum 3:1 ist die Markierung 29. 29 Meter vor dem eigenen Tor entfernt hatte Gacinovic den Ball erhalten, und dann ist er losgespurtet, an Kingsley Coman vorbei, vor sich nur das leere Tor des turmhohen Favoriten. Schließlich ist auch der Augenblick mit weißer Farbe aufgemalt, an dem Gacinovic den Ball ins verwaiste Tor schießt: „Ekstase auf hessisch“ steht auf dem Boden, man ist fast schon an der Haupttribüne angelangt, und schließlich: Pokalsieg 2018. Wer will, kann diesen Weg laufend oder sprintend zurücklegen, so wie das Gacinovic vor fünf Jahren getan hat. Am Donnerstag zum Beispiel, wenn mal wieder ein wegweisendes Spiel auf die Hessen wartet, das Rückspiel zur Qualifikation für die Conference League gegen Lewski Sofia. Endspielcharakter hat diese Partie allemal.

Ja, dieser Lauf von 2018 wird unvergessen bleiben.

Momentan freilich sind die Profis von Eintracht Frankfurt, um im Bild zu bleiben, noch nicht so richtig ins Laufen gekommen. Es läuft eher unrund, es rumpelt, holpert und ruckelt. Andererseits sollte man auch die Kirche im Dorf lassen, bislang hat es in allen vier Pflichtspielen keine Niederlage gegeben: Die erste Pokalrunde wurde souverän gemeistert, in der Liga steht die Eintracht mit vier Punkten auf Tabellenplatz sechs (gleichauf mit Borussia Dortmund), international hat man nach dem 1:1 bei Lewski Sofia und dem Heimspiel am Donnerstag alle Trümpfe in der Hand. Es gibt ganz sicher schlechtere Starts in eine neue Runde - bei einer nicht zu vernachlässigenden hohen Personalfluktuation.

Spielerische Magerkost

Fakt ist aber auch: Fußballerisch, das hat Sportvorstand Markus Krösche moniert, ist noch Luft nach oben. Ein gescheites schnelles Kombinationsspiel mit Zug nach vorne fehlt noch immer, häufig werden selbst vielversprechende Angriffsversuche im entscheidenden Moment abgebrochen und der Sicherheitspass gewählt. So kam die Eintracht bei den sehr lästigen Mainzern nur auf wenige Halbchancen, auf Ansätze von Ideen. Man ahnt eher als dass man weiß, was die Hessen vorhaben. „Nach vorne müssen wir uns besser präsentieren“, fordert auch Dino Toppmöller, der Trainer. Den berühmten Flow haben die Frankfurter, die weiterhin mit großen Ambitionen in die Saison gehen, noch nicht gefunden.

Sicher, Markus Krösche hat Recht, wenn er postuliert: „Wir sind erst am Anfang.“ Vieles muss sich noch einspielen, Abläufe müssen sich verfestigen, vor allem: Der endgültige Kader muss erst einmal stehen. Weiterhin ungeklärt ist die Lage bei Topstürmer Randal Kolo Muani, dem die Hängepartie offenbar doch mehr zusetzt, als er selbst wahrhaben will. Auch Toppmöller, wer mag es ihm verdenken, ist nur noch genervt von den ewigen Fragen zur Zukunft des französischen Vizeweltmeisters. Jetzt meldet die Fachzeitung „L´Équipe“, Paris St. Germain biete angeblich eine Ablösesumme von 70 Millionen Euro plus Hugo Ekitike. Klarheit werden alle in drei Tagen haben, am Freitag, 1. September, 18 Uhr, ist das Fenster zu.

Immerhin ist klar, dass Jesper Lindström den Weg bei Eintracht Frankfurt nicht mehr weitergeht. Zwar war der 23 Jahre alte Däne nach dem Mainz-Spiel noch nicht auf dem Weg nach Italien, auch am Montag war er noch im Proficamp im Stadtwald. Am Dienstag soll er aber einem Bericht des „Corriere dello Sport“ zufolge den Medizincheck beim SSC Neapel absolvieren. Berichtet wird, dass Napoli runde 30 Millionen Euro springen lassen würde für den Flügelmann, der im Sommer 2021 von Bröndby IF für sieben Millionen zu den Hessen gewechselt ist. In 57 Bundesligaspielen hat Lindström zwölf Tore erzielt und neun Vorlagen gegeben, international hat er in 16 Partien nur einen Treffer erzielt, das entscheiden 1:0 im Champions League-Spiel bei Olympique Marseille. Vor allem im Herbst des vergangene Jahres hatte Lindström über die Maßen performt, als die ganze Mannschaft so gut wie lange nicht aufspielte. Ein Bänderriss, den er sich im Winter im Training zugezogen hatte, hat ihn weit zurückgeworfen. Im Grunde hat er seit dieser Verletzung nicht mehr zu alter Form gefunden. Wer ihn ersetzen soll, ist offen, Farés Chaibi, ein Linksaußen vom französischen Erstligisten FC Toulouse, ist wieder mehr in den Fokus gerückt. Am Wochenende wurde er beim 0:2 in Straßburg in der zweiten Halbzeit eingewechselt.

Rode ist wieder zurück

Weiterhin an Bord sind Rafael Borré und Christopher Lenz, die abgegeben werden sollen. Wieder zurück im Mannschaftstraining, gerade rechtzeitig von dem eminent wichtigen Playoff-Spiel, sind Makoto Hasebe und Hugo Larsson, die ihre Sommergrippe inzwischen auskuriert haben, Lucas Alario war nach Knie-OP erstmals ebenfalls mit von der Partie. Und Sebastian Rode, der nimmermüde Rackerer, meldete sich nach seiner Wadenblessur schneller als gedacht zurück. Er absolvierte das komplette Spielersatztraining am Dienstag. Für die Bundesligapartie am Sonntag zu Hause gegen den 1. FC Köln ist der Kapitän allemal eine Option. Nur nicht für das ungleich wichtigere Playoff-Spiel gegen Sofia - dafür ist der 32-Jährige, weil mit einem längeren Ausfall gerechnet worden war, gar nicht gemeldet.

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