DFB-Pokal

Eintracht Frankfurt dank Ekitiké locker weiter

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Sehr her, so geht das: Hugo Ekitike jubelt nach seinem Tor zum 3:0 für die Frankfurter Eintracht.
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Stürmer überragt beim 4:1-Sieg beim Zweitliga-Tabellenletzten Eintracht Braunschweig.

Am Ende sah es dann doch ganz leicht aus, cool, fast schon easy peasy. Ganz geschmeidig zog die Eintracht aus Frankfurt bei der Eintracht aus Braunschweig in die zweite Runde des DFB-Pokals ein, die Hessen siegten beim Schlusslicht der zweiten Liga mit 4:1 (0:0). Aber: Danach sah es lange nicht aus, im ersten Abschnitt war es eine zähe Angelegenheit, eine sehr zähe.

Trotzdem war Trainer Dino Toppmöller nach dem Abpfiff natürlich zufrieden. „Wir hatten in der ersten Halbzeit zwar Kontrolle, aber sind nicht so ins Pressing gekommen“, sagte er. „Aber wir haben es insgesamt gut gemacht, hier musst du erst mal so auftreten an einem Montagabend und das Spiel so nach Hause bringen.“ Was Toppmöller meinte: An der Hamburger Straße herrscht oft genug Hexenkessel-Flair. So auch am Montag, eine beeindruckende Choreo leitete die Partie standesgemäß ein, eine Partie, die die Frankfurter nach dem überraschenden Tod ihrer Vereins-Ikone Ronald Borchers mit einem Trauerflor bestritten (siehe Bericht auf der nächsten Seite). Die herausragende Stimmung vor dem Anpfiff sollte den Gastgebern letztlich trotzdem nichts nutzen.

Obwohl die Eintracht in die neue Saison beinahe genau so startete, wie sie die vergangene beendet hatte – personell und auch spielerisch. Lediglich ein neuer Akteur fand sich in der Startelf wieder, der Däne Rasmus Kristensen als rechter Verteidiger. Interessant: Gerade im ersten Abschnitt gehörte er zu den besseren Fußballern im Eintracht-Ensemble.

Alle anderen Spieler verdingten sich bereits in der abgelaufenen Spielzeit im Frankfurter Dress, eine Spielzeit, die gerade in der Rückrunde für eine ganze Menge Verdruss und sehr wohl gehörige Pfiffen der Immertreuen sorgte. Noch nicht so lange her, nur ein paar Monate.

Doch nun sollte ja alles anders werden. Die Lehren, so hieß es von der Sportlichen Führung und Cheftrainer Dino Toppmöller, seien gezogen worden. Fortan solle es forsch nach vorne gehen, das ständige Ballgeschiebe, enervierend und wenig erquicklich und vor allem so ungeheuer langweilig, sollte ausgedient haben. Tja, und dann wurde die Theorie einfach von der Praxis rechts überholt. Zumindest über den Zeitraum einer Halbzeit. Glücklicherweise gibt es – aus Sicht der Eintracht – aber zwei Durchgänge.

Denn zur Wahrheit gehört: Das Spiel der Hessen war lange Zeit genauso unansehnlich wie über weite Strecken der alten Runde. Die Frankfurter schafften es im ersten Abschnitt selten, den unterklassigen Kontrahenten zu stressen und ihn in die Schranken zu weisen – sei es durch energisches Pressing oder fußballerischer Dominanz. Sie spielten einfach ihren Stiefel runter, ließen den Ball zirkulieren, aber nur in der eigenen Hälfte – nach vorne war das Spiel an Harmlosigkeit und Ideenlosigkeit nur schwer zu überbieten; es fehlten Anspielstationen, Dynamik, Unberechenbarkeit. Das war alles viel zu vorhersehbar, alles nach Schema F. Chancen waren Mangelware.

Die hatten auch die Gastgeber aus Niedersachsen nicht zu Hauf und auch nicht besonders hochkarätig, aber zumindest näherten sie sich dem Tor der Hessen gefährlich als das umgekehrt der Fall war.

Zur Wahrheit, zweiter Teil, gehört ebenso: Im zweiten Abschnitt ließen die Frankfurter gar nichts anbrennen und spielten ihre fußballerische Überlegenheit gnadenlos aus. Da zeigten sie den Braunschweigern, Letzter der zweiten Liga, die Grenzen schonungslos auf, spielten gerade die deutlich höhere individuelle Klasse aus. Vor allen Dingen Stürmer Hugo Ekitiké, den Coach Toppmöller nach der Generalprobe beim 2:3 gegen Valencia wegen dessen Einstellung bewusst öffentlich kritisiert und gekitzelt hatte. Der Franzose, teuerster Einkauf der Vereinsgeschichte, bekam im ersten Abschnitt kaum ein Bein auf den Boden, verhaspelte sich immer wieder, obzwar er auch schon da sichtlich bemüht war. Doch nach dem Wechsel drehte der 22-Jährige mächtig auf, zeigte, dass er das Zünglein an der Waage sein kann, eben ein Ausnahmestürmer, der den Unterschied macht.

Zuerst leitete der 20-Millionen-Mann die Führung durch Fares Chaibi mit einem wunderbaren Außenristpass perfekt ein (53.). Kurioserweise ähnelte die Szene frappierend jener aus dem letzten Saisonspiel gegen Leipzig – damals im Mai kam Chaibi aber einen halben Schritt zu spät. Das war nun anders. Ein Fingerzeig für die neue Runde? Das wäre nun doch etwas überinterpretiert.

Und dann schlug Ekitiké zweimal selbst zu, erst wurschtelte er sich irgendwie durch drei, vier, fünf Gegenspieler hindurch, um das überlegt und klug abzuschließen (56.), fünf Minuten später blieb er nach Zuspiel von Hugo Larsson eiskalt vor dem Kasten und lupfte die Kugel lässig ins Netz. „Er ist ein Ausnahmestürmer“, sagte Toppmöller, vergaß aber nicht zu erwähnen, dass er sich in der ersten Hälfte doch etwas mehr Widerstandskraft im Kampf gegen den Ball gewünscht hätte,

Die Gala des in Frankreich einst als Wunderstürmer gefeierten Spielers war alsbald beendet. Ein paar Minuten später machte er unter dem Jubel der mitgereisten Frankfurt Fans Platz für Igor Matanovic, den Gewinner der Vorbereitung, den viele in der Anfangself wähnten. Und auch der Mittelstürmer hinterließ gleich Spuren, kurz vor Schluss machte der Hüne per Kopf das 4:0 (88.). Dass im Gegenzug der Braunschweiger Levente Szabo das 1:4 machte, juckte die Frankfurter da nicht mehr wirklich. Sie stehen in der zweiten Runde des DFB-Pokals – nicht mit einer Glanzleistung, aber einer in der zweiten Halbzeit doch sehr reifen und erwachsenen Leistung. Und dank Hugo Ekitiké, den Ausnahmestürmer aus Frankreich.

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