Abwehrsorgen

Eintracht Frankfurt: Hinten klemmt’s wieder

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Hatte wenig Spaß am Trainingslager: Robin Koch, noch verletzt.
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Der Ausfall von Abwehrhoffnung Robin Koch schmerzt die Eintracht, die zudem Niels Nkounkou holen will – der ist sauer auf St Étienne

Man kann nun wahrlich nicht behaupten, dass das Trainingslager der Eintracht in Österreich für den Frankfurter Abwehrspieler Robin Koch besonders verheißungsvoll verlaufen ist. So ziemlich das Gegenteil ist der Fall. Die Adduktoren machen dem 27-Jährigen schwer zu schaffen, genau einmal verirrte sich der Leeds-Zugang auf den Trainingsplatz, ein paar lockere Passübungen, 15, 20 Minuten, danach ging es wieder hinauf ins Mannschaftshotel – und Robin Koch ward nicht mehr gesehen. Die Woche in Windischgarsten hätte sich der Verteidiger eigentlich schenken können. Immerhin: Am Montag soll der Hoffnungsträger der Eintracht-Abwehr wieder mit den Kollegen üben können. Stand jetzt.

Das Ganze ist insofern nicht ganz optimal, weil auch Nebenmann Tuta merklich kürzertreten musste. Der Brasilianer holte sich bei der 2:3-Testspielniederlage am vergangenen Samstag in Fulda eine leichte Gehirnerschütterung ab und konnte fortan nur noch dosiert und streng nach Plan trainieren. Die Wiedereingliederung verläuft mittlerweile nach einem genau abgeklärten Muster. Das ist richtig und gut so, auch überfällig. Denn Kopfverletzungen sind im Profisport, gerade im Fußball, viel zu lange auf die leichte Schulter genommen worden. „Es sind keine Bagatellen“, sagt Tim Meyer, der langjährige Nationalmannschaftsarzt.

Seit Juni 2022 leitet der Sportmediziner die von der DFL dauerhaft eingerichtete Arbeitsgruppe „Medizin im Profifußball“. Unter seiner Führung wurde in diesem Jahr ein Konzept zum einheitlichen Umgang mit Kopfverletzungen ausgearbeitet. Ende März haben die 36 Klubs der Ersten und Zweiten Bundesliga ein entsprechendes Protokoll unterzeichnet. Das ist bindend.

Rode überzeugt von Pacho

Tuta ist mittlerweile so weit hergestellt, dass er wieder mitwirken kann. Doch dem 24-Jährigen fehlt der Rhythmus, die Praxis, und die ist für ihn elementar wichtig. Schließlich hat der Südamerikaner eine höchst unbefriedigende Spielzeit hinter sich, wackelte viel zu oft. Und auch die Vorbereitung lässt sich für ihn nicht besonders vielversprechend an, im Grunde machte er da weiter, wo er in der Liga aufgehört hat: Mit Leistungen, die ungenügend sind. Gerade im Testspiel in Fulda taumelte Tuta von einer Verlegenheit in die nächste, war an allen drei Gegentoren beteiligt.

Da die Eintracht in der vergangenen Runde nicht eben durch verlässliche Defensivarbeit glänzte, ist es nun umso ärgerlicher, dass gleich zwei Verteidiger länger ausfielen. Zumal auch Hrvoje Smolcic nach seiner Knieverletzung noch nicht wieder bei 100 Prozent ist und Kristijan Jakic, der Allrounder und Mann für alle Fälle, in Windischgarsten auch schon mal pausieren musste, weil der Oberschenkel zwickte.

„Die Woche ist nicht ganz optimal gelaufen“, räumt daher Kapitän Sebastian Rode ein. Doch noch sei ja genügend Zeit bis zum ersten Pflichtspiel am 13. August im Pokal bei Lok Leipzig. „Ich hoffe, dass die Jungs fit werden und fit bleiben. Wir haben noch zwei Wochen bis zum Spiel gegen Lok, da können sie sich im Training zeigen und einspielen. Ich bin da zuversichtlich, keineswegs in Sorge.“ Qualität sei im Abwehrverbund ohnehin vorhanden, Robin Koch sei schließlich Nationalspieler gewesen und wolle es wieder werden, und auch von Neuzugang Willian Pacho ist Rode überzeugt. „Er hat seine individuelle Klasse schon gezeigt.“

Die Abwehr werde sich finden, „ich bin da positiv gestimmt“, und schließlich stehe ja auch Methusalem Makoto Hasebe zur Verfügung, der 39-Jährige, der Unverwüstliche. „Hase“, sagt Rode kurz und knapp, „ist eh noch da.“ Wie immer.

Einer wäre gerne da, darf aber noch nicht: Niels Nkounkou, 22 Jahre alter Linksverteidiger vom französischen Zweitligisten AS St Étienne. Der Spieler hat nun öffentlich Druck auf seinen aktuellen Arbeitgeber ausgeübt, will unbedingt zur Eintracht. Im Gespräch mit der renommierten Sportzeitung „L’Équipe“ stellte er klar: „Wenn ich ihnen jeden Tag sagen muss, dass ich gehen will, werde ich das tun. Ich werde nicht müde werden. Einen Spieler gegen seinen Willen zu behalten, ist meiner Meinung nach nicht die richtige Lösung.“

Für den französischen U-21-Nationalspieler sei klar, dass er nach Frankfurt wechseln wolle. „Als ich von der Möglichkeit erfahren habe, dort zu unterschreiben, habe ich sofort zugesagt.“ St Étienne hatte den Profi im Winter für ein halbes Jahr vom FC Everton ausgeliehen und anschließend per Kaufoption für zwei MillionenEuro Ablöse fest verpflichtet. Die Eintracht ist mit einem ersten Angebot über sechs Millionen abgeblitzt. Saint-Étienne könne nun, wie Nkounkou findet, „eine schöne Ablöse“ kassieren, doch die Angelegenheit ist verfahren. „Jetzt müssen wir meine Situation regeln. Das ist kompliziert.“

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