SGE

Eintracht Frankfurt: Spektakuläre Wende - Kolo Muani wechselt doch nach Paris

+
Wird ihm nicht gefallen: Kolo Muani bleibt in Frankfurt.
  • schließen

Frankfurter Stürmerstar wechselt auf den letzten Drücker doch noch zu PSG. Eintracht kassiert 95 Millionen Euro.

Am Donnerstagabend noch stand der steinreiche PSG-Chef Nasser Al-Khelaifi eisern auf der Bremse. Klar gebe es Interesse an Eintracht-Stürmer Randal Kolo Muani, räumte der Strippenzieher beim TV-Sender Canal+ ein, „das ist ja kein Geheimnis“. Doch ob es zu einer Einigung komme, könne er nicht sagen. Denn: „Frankfurt und wir sind weit voneinander entfernt, sehr weit.“

Auch einen Tag später sollte sich das zunächst nicht ändern. In den zähen Verhandlungen mit der Eintracht-Delegation um Sportvorstand Markus Krösche konnte der PSG-Boss erst einmal keinen Durchbruch erzielen und schaffte es somit nicht bis 18 Uhr, dem Transferschluss in Deutschland, Stürmerstar Kolo Muani auszulösen, um ihn in der französischen Hauptstadt willkommen zu heißen – dort weilt der 24-Jährige schon seit Mittwoch und wartet ungeduldig darauf, dass weißer Rauch aufsteigt. Danach sah es zunächst nicht aus. Die Eintracht erkläre die Verhandlungen am späten Nachmittag sogar als gescheitert. Das rief PSG aber offenbar erst auf den Plan.

Da in Frankreich die Transferliste erst um 23 Uhr schloss, besserte Paris das Angebot anschließend zweimal nach. Am Freitagabend kam deshalb noch einmal neue Dynamik in die Angelegenheit. Denn bei einer Summe um die 95, 100 Millionen Euro würde die Eintracht schwach werden, das wussten auch die Verhandler aus Paris. Gravierendes Problem nur für die Eintracht seit 18 Uhr am Deadline Day: Die Transferliste in Deutschland war geschlossen, nur arbeitslose Profis können nun bis 1. Januar 2024 noch zu einem Bundesligisten wechseln.

PSG saß beim Transfer-Poker um Kolo Muani am längeren Hebel

Ein möglicher Kandidat könnte Anthony Modeste werden. Nur: Der vereinslose Franzose, der sich bei Fortuna Köln fit hält, hatte zuletzt bei Borussia Dortmund nicht eben geholfen. Auch der 1.FC Köln sah von einer Rückholaktion schon ab. Ein anderer Aspirant könnte Alfredo Morelos sein, zuletzt bei Glasgow Rangers unter Vertrag, derzeit vereinslos. Das alles ist natürlich nicht das, was den Ansprüchen der Eintracht genügt. Aber in dem Fall sind ihr die Hände gebunden. Jetzt. Weil PSG dann doch am längeren Hebel saß und erst auf den letzten Drücker ernst machte – als der Eintracht schon alle Optionen durch die Lappen gegangen waren und sogar das deutsche Transferfenster geschlossen hatte. Klarer Fall von ziemlich dumm gelaufen.

Das Bittere an der Geschichte ist, dass Kolo Muani mit seinem miesen Spiel offenbar durchkommt – und auch PSG. Beim Poker zwischen der Eintracht und Paris Saint-Germain hatte der französische Nationalspieler derweil seinen Beitrag schon längst geleistet und auf Anraten seiner raffgierigen Agenten die maximale Eskalationsstufe gezündet. Kolo Muani ist bekanntlich in den Verweigerungsmodus getreten und wollte sich nach Paris streiken. Schäbig, allemal. Denn der gute Mann, vor einem Jahr als No-Name aus Nantes gekommen und dann einfach mal durch die Decke geschossen, hat in Frankfurt einen Vertrag bis 2027 unterschrieben. Ohne Klauseln oder Ausstiegsoptionen.

Am Freitagnachmittag erklärte die Eintracht die Verhandlungen dann für gescheitert. Es galt zu diesem Zeitpunkt als sicher: Kolo Muani würde sich nach der Länderspielpause in Frankfurt rehabilitieren müssen. Denn die Frankfurter Verantwortlichen, von Aufsichtsrat über den Vorstand, waren sich da einig, dass sie auf die halbherzige PSG-Offerte nicht eingehen und den bockigen Angreifer nicht unter Wert ziehen lassen würden.

Im Zuge der Verhandlungen verfestigte sich bei den Eintracht-Oberen sogar der Eindruck, dass Paris den Spieler gar nicht zu 100 Prozent wollte. Bis 18 Uhr habe es kein verlässliches, bindendes und verhandlungsfähiges Angebot gegeben, auch die zuletzt kolportierten 90 Millionen Euro waren mündlich eher wachsweich in Aussicht gestellt worden. Im Führungszirkel der Eintracht herrschte darob größte Irritation.

Kolo Muani wechselt für Rekord-Ablöse nach Paris

Zur Wahrheit gehört auch: PSG hat die Eintracht offenbar doch an der Nase herumgeführt, das Blatt bis zur letzten Sekunde ausgereizt und dann zugeschlagen. Niemand würde jetzt mehr ernsthaft behaupten, die Eintracht saß bei den Verhandlungen im Fahrersitz, nein, eher doch nebendran, als Beifahrer. Eine Position der Stärke? Wohl eher doch nicht. Denn am Ende steht sie zwar mit viel Geld, aber ohne Kolo-Nachfolger da. Das ist, mal vorsichtig ausgedrückt, riskant, es ist ein Vabanquespiel mit vielen Imponderabilien. Ein Spiel mit dem Feuer. Und ungewissem Ausgang. Doch die Verantwortlichen wissen natürlich, dass 95 Millionen Euro eine Rekordsumme sind für einen Spieler, der vor einem Jahr ablösefrei (!) aus Nantes kam. Und: Sie hatten erhebliche Zweifel daran, dass sich der Stürmer wieder eingliedern lassen würde in die Gruppe. Kolo Muani wirkte doch arg fremdbestimmt und abweisend in den vergangenen Wochen.

Nicht verwunderlich ist, dass der Himmelsstürmer die Offerte aus Paris gerne annimmt, dort spielen seine Kumpel Kylian Mbappé und Ousmane Dembele, dort ist er zu Hause, dort spielt er Champions League und um Titel mit, bei einem Topverein, der zum Adel Europas zählt. Und er verdient deutlich mehr Geld. Doch der Zweck heiligt eben nicht alle Mittel. PSG freilich hätte als seriöser Klub früher mit belastbaren Geboten in den Deal eintreten können.

Dann wäre in den letzten Tagen nicht so viel Druck auf dem Kessel gewesen. Und die Eintracht hätte ihrerseits adäquate Nachfolger holen können: Mit Elye Wahi (jetzt RC Lens) und Victor Boniface (nun in Leverkusen) war der Klub schon vor einigen Wochen handlungseinig, hatte aber nicht die finanziellen Mittel, weil sich der Wechsel von Jesper Lindström zu SSC Neapel hinzog und PSG keine Anstalten machte, ein Angebot für Kolo abzugeben. Zudem: Rafael Borré schließt sich Werder Bremen an, auf Leihbasis.

Nkounkou kommt zur Eintracht Frankfurt

Auch mit langem Anlauf, aber deutlich geräuschloser lief hingegen die Verpflichtung von Linksverteidiger Niels Nkounkou. Der 22-Jährige wechselt von AS St. Etienne an den Main und erhält einen Vertrag bis 2028. Die Eintracht zahlt eine Ablöse in Höhe von rund sieben Millionen Euro.

„Wir hatten Niels Nkounkou bereits die gesamte Rückrunde der vergangenen Saison im Blickfeld und freuen uns, dass es uns gelungen ist, ihn für die Eintracht und unseren Weg zu gewinnen“, sagte Eintracht-Sportdirektor Timmo Hardung. „Er ist ein hochtalentierter Spieler, der durch seine Dynamik, Durchsetzungskraft und Zielstrebigkeit besticht. Insbesondere auf seiner Position werden diese Elemente unser Spiel bereichern.“

Kommentare